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When in Rome - Fünf Männer sind vier zuviel

Mark Stephen Johnson führt in "When in Rome" eindrucksvoll vor, wie man mit lauter interessanten Darstellern Fernsehen und Kino selbst betrügt.

 

Die Sommersaison verläuft für Hollywood enttäuschend, ein Möchtegern-Blockbuster nach dem anderen bleibt hinter den Erwartungen zurück. In Deutschland kommt noch die WM dazu, da geht von Anfang an nicht viel. In den nächsten Wochen startet nur, was sowieso wenig Potenzial hat. "When in Rome" ist so ein Film, der - in diesem Fall mit guten Gründen - im Sommerloch verklappt wird.

 

Kurz zur Handlung: Beth hat sich gerade von ihrem Freund getrennt, als sie während der Hochzeit ihrer Schwester in Rom in der Fontana Di Trevi herum planscht und einige Münzen einsammelt, die vorher von liebeshungrigen Männern hinein geworfen worden waren. Ganze fünf Verehrer hat sie dann mit einem Mal, seltsamerweise wohnen alle in New York und warten dort auf ihre Rückkehr, kleben penetrant an ihren Fersen oder hängen auch schon mal kopfüber in ihrer eigenen Wohnung. Der finalen Paarbildung steht trotzdem nicht allzu viel im Wege.

 

Es gibt Filme, in denen trotz guter Zutaten nichts zusammen passt. "When in Rome", die romantische Komödie von Mark Steven Johnson, ist so ein Film. Es gibt eine angemessene Kulisse, die nicht mehr sein will - und eigentlich auch nicht muss - als ein einziges dynamisierbares Klischee, eine Grundidee, die zwar schrecklich doof ist, aber doof auf eine ziemlich kinoaffine Art, und dann gibt es vor allem einen wunderbaren Cast. Die Hauptdarstellerin Kristen Bell kennt man - beziehungsweise: sollte man kennen - aus der sehr intelligenten Jugendserie "Veronica Mars", in der sie als High-School-Detektivin die südkalifornische Schickeria aufmischt. Unter den Verehrern ihrer Beth finden sich neben Danny DeVito noch ein weiterer Fernsehstar: Will Arnett, der in der dekonstruktivistischen Sitcom "Arrested Development" den manischen Zauberer und potenziellen Millionenerben Gob Bluth gibt, und - last but not least - Jon Heder, Napoleon Dynamite aus der gleichnamigen Indie-Komödie höchstpersönlich.

 

Man darf sich angesichts einer solchen Auswahl nicht nur fragen, warum sich Beth ausgerechnet in den Langweiler Nick verliebt, der von Josh Duhamel verkörpert wird, einem Schauspieler, der selbst bei Michael Bay nur in der zweiten Reihe auf Transformer-Jagd gehen darf. Vor allem muss man darüber erschrecken, wie plump auf einmal alles wirkt, was Bell, Arnett und Heder machen. Mark Stephen Johnson hat vorher den nicht uninteressanten Superheldenfilm "Ghost Rider" gedreht, zum Komödienregisseur taugt er wenig. Er gibt sich durchaus Mühe, am kulturellen Kapital seines Casts zu partizipieren, etwa, wenn urplötzlich Heders Sideckick aus "Napoleon Dynamite" auch in "When in Rome" auftaucht. Aber schon die Perücke, die Arnett aufsetzen muss, ist zum Fremdschämen. Und Humor heißt in "When in Rome" more often than not: irgendwo dagegenlaufen und dann ein dummes Gesicht ziehen. Und Kristen Bells Beth? Ein Yuppie-Nichts ohne eine einzige originelle Note, ohne jedes Geheimnis. Veronica Mars wäre so eine keinen zweiten Blick wert gewesen.

 

Was Johnson aus diesem Cast macht, das ist genau genommen nicht nur ein Betrug an Bell, Heder und Arnett, sondern ein Betrug an den Medien Fernsehen und Kino selbst. Erst das Fernsehen und das Kino haben aus Bell Veronica Mars, aus Heder Napoleon Dynamite und aus Arnett Gob Bluth gemacht. In "When in Rome" kleben diese Rollen zwar noch als müder Abglanz an den Schauspielerkörpern, aber dem Film selbst bleiben sie äußerlich.

 

Lukas Foerster

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: www.perlentaucher.de

 

When in Rome - Fünf Männer sind vier zuviel

USA 2009 - Originaltitel: When in Rome - Regie: Mark Steven Johnson - Darsteller: Kirsten Bell, Josh Duhamel, Dax Shepard, Anjelica Huston, Will Arnett, Bill Heder, Alexis Dziena, Kate Micucci, Peggy Lipton - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 91 min. - Start: 17.6.2010

 

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