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Vierzehn

 

 

Fabienne, Laura, Lisa und Steffi sind vier ganz normale Mädchen, die etwas gemeinsam haben: sie wurden ungewollt schwanger und sie haben sich gegen eine naheliegende Abtreibung entschieden. Cornelia Grünberg und ihr Kameramann Heiko Merten haben die vier Mädchen durch ihre Schwangerschaft und die Zeit danach begleitet. So erzählen die Mädchen davon, wie sie mit Schrecken bemerkten, dass sie schwanger waren, weil sie die Pille nicht vertragen haben und das Kondom nicht benutzt. Neben Schock und Scham stellen sich unvermittelt so etwas wie kindliche Muttergefühle und ein großes Staunen ein. Man hört den Mädchen, die durchaus ganz unterschiedliche Temperamente und Charaktere haben und ihre Erzählungen mundartlich färben, sehr gerne zu und bewundert auch ihren Mut, diese Herausforderung anzunehmen. Dabei kommt der Familie und den Freunden der Mädchen eine wichtige solidarische Rolle zu.

Leider erfährt man zu wenig über die soziale Herkunft der Mädchen, aber die Selbstverständlichkeit und der Pragmatismus, mit denen hier auf das Skandalon der Teenager-Schwangerschaft reagiert wird, scheinen alles andere als repräsentativ. Man kann sich zwar in einigen Wohnungen umschauen und Rückschlüsse ziehen, auch stellen sich einige Eltern der Kamera, aber negative Sanktionen sind hier nicht dokumentiert, bleiben ausgespart. Überfordert scheinen hier zumeist nur die gleichfalls jugendlichen Väter, denen der Film aber wenig Beachtung und Raum schenkt. Dafür sehen wir die Mädchen, die sich im Klassenzimmer ihren Mitschülern offenbaren, um Gerüchten vorzubeugen und auf große Neugier, ja Begeisterung treffen. Wir sehen Mädchen, die die geschenkte Babykleidung begutachten und sogleich ins Schwärmen geraten, als spielten sie noch mit Puppen. Wir sehen, wie schnell anfangs naive Mädchen angesichts der Herausforderung reifen und sich auch bei noch größeren Herausforderungen wie der Krankheit des Säuglings souverän stellen.

Einmal auf den Geschmack gekommen, können sich die jungen Mütter plötzlich noch ein paar Kinder vorstellen und blicken auf die unreifen Gleichaltrigen auch schon mal etwas herab. Es ist nicht ganz klar, warum die Filmemacherin sich dem Tabuthema so undifferenziert positiv nähert und der damit einher gehenden sozialen Kontrolle und Stigmatisierung entschieden entgegen arbeitet. Zwar sind die jungen Mütter so manches Mal überfordert (der Film folgt einer Protagonistin sogar in den Kreißsaal!) und auch hilflos, aber zumeist wächst ihnen innerhalb des sozialen Umfelds hinreichend Solidarität und auch finanzielle Unterstützung zu, dass man an einem positiven Ausgang der Geschichte niemals zweifelt.

So hinreißend die vier Mädchen auch vor der Kamera agieren, so belastbar ihr soziales Umfeld auch erscheint, so überzeugend die Entscheidung für die Mutterschaft auch ausfällt, so ganz mag man der Leichtigkeit von „Vierzehn“, einem Film mit viel Humor übrigens, nicht glauben. An einer Fortsetzung mit dem Titel „Achtzehn“ wird übrigens schon gearbeitet: vielleicht kommt es ja dann noch zu nachgereichten Relativierungen und Differenzierungen.

Ulrich Kriest

Dieser Text ist zuerst erschienen in: film Dienst11/2013

 

 

Vierzehn

Deutschland 2012 - 92 Minuten - Start (D):23.05.2013 - FSK: ab 12 Jahren - Regie: Cornelia Grünberg - Produktion: Ingelore König - Bildgestaltung: Heiko Merten - Montage: Martin Hoffmann, Michael Reysz - Musik: Carlo Inderhees - Darsteller: Steffi Schmolz, Laura Keller, Fabienne Renaud, Lisa Brown

 

 

 

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