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(Traum)Job gesucht

 

 

Ein Unfall mit Blechschaden, zwanzig Minuten Verspätung und gefühlte hundert Konkurrenten um eine Lektorenstelle bei „Hopperman & Browning", Los Angeles: College-Absolventin Ryden Malby hat keinen guten Tag erwischt, um bei der Buchverlagschefin vorstellig zu werden. Ryden will Entdeckerin eines Jahrhundertromans werden, und für diese Zielstrebigkeit wird sie nicht zuletzt von ihrem Lover Adam bewundert, der zwischen brotloser Gitarrenkunst und Jurastudium schwankt.

 

„(Traum)Job gesucht"? Traumjob gefunden! Allerdings reüssiert erstmal Rydens Erzfeindin aus dem College beim Bewerbungsgespräch: Die blasierte Junglektorin Jessica kreuzt von nun an regelmäßig den Weg der Heldin, die abgebrannt und mit Karriereflausen im Kopf erstmal wieder bei den Eltern unterkommen muss.

 

„Post Grad" (Originaltitel) spielt sich vor dem realen Hintergrund eines für College-Abgänger heute immens schwierigen Arbeitsmarktes ab. Da wirkt es äußerst beruhigend, dass Hollywood schon mit anderen Problemen fertig geworden ist. Für Vicky Jenson ist es die erste Langfilm-Regiearbeit mit Darstellern aus Fleisch und Blut, wobei sich Szene für Szene der Verdacht erhärtet, Jenson könnte zu früh das Metier der Animationsregisseurin bei „Shrek" oder „Große Haie - Kleine Fische" verlassen haben.

 

Trotz eines ordentlichen (wenn auch aus Erzählformfleisch gefügten) Drehbuchs springt fast nie der Funke zum Publikum über. Wir haben es mit einem lustlos herunterinszenierten Abschreibungsfilm zu tun, dessen Manko an Personalführung neben „Gilmore Girl" Alexis Bledel in der solide gespielten Hauptrolle und dem sensibel agierenden Zach Gilford (Adam) auch altbewährte Stars wie Michael Keaton und Carol Burnett geärgert haben dürfte.

 

Souverän gibt Ex-Batman Keaton Rydens verschusselten Vater, der sich um das Liebesleben seiner aus Langeweile mit dem ansehnlichen Latino-Nachbarn anbändelnde Tochter mehr sorgt als um ihre berufliche Weiterbildung. Zuhause im kalifornischen Suburbia ist es ohnehin am schönsten, findet Papa, der zudem glaubt, dass seine Tochter als Gürtelschnallen-Monteurin in Heimarbeit eine gute Figur macht.

 

Ebenso verheizt wird Carol Burnett - unvergesslich seit Robert Altmans „Eine Hochzeit" - in der Rolle der ulkigen Grandma, die ein erotisches Verhältnis zu ihrem vorgeblich nahen Ableben pflegt. Rydens leicht autistischer kleiner Bruder und ihre sturmerprobte Mutter komplettieren die Familie, deren schrullige Wärme sich als wahrer Lebensmotor für die an Unterforderungskomplexen leidende Protagonistin erweist.

 

Zwar versemmelt Aufschneiderin Jessica dann doch die Probezeit im Verlag, nur fühlt sich die nachgerückte Ryden im real existierenden Jobtraum plötzlich deplatziert. Und, schlimmer noch, Adam hängt die Gitarre an den Nagel hängt und entschwindet zwecks Jurastudium an die Ostküste. Ryden pfeift auf den Latino und das Lektorat, nimmt die Maschine nach New York und - wird über kurz oder lang wohl Hausfrau und Mutter: Ein Fulltimejob, den man an und für sich nicht verachten muss, um die Message des Films ein klein wenig reaktionär zu finden.

 

Jens Hinrichsen

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: film-Dienst

 

(Traum)Job gesucht

USA 2009 - Originaltitel: Post Grad - Regie: Vicky Jenson - Darsteller: Alexis Bledel, Zach Gilford, Rodrigo Santoro, Jane Lynch, Fred Armisen, Bobby Coleman, Andrew Daly, Kirk Fox, Michael Keaton - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 89 min. - Start: 3.12.2009

 

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