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To Rome with Love

 

 

Woody Allen wird immer mehr zum Pauschaltouristen: In seinem neuen Film lustwandelt eine Schar versprengter Amerikaner durch die ewige Stadt.

Für einen Filmemacher, der einst ganz und gar mit dem New Yorker Stadtteil Manhattan (und auch dort eigentlich nur mit ein paar Ecken) verbunden war, ist Woody Allen inzwischen ziemlich weit gereist: Auf seine älteren Tage bummelt er die schönen Städte Europas ab, er setzt sie in satten Farben in Szene, als ginge es darum, Werbung zu machen für London, Barcelona, Paris oder jetzt eben Rom. "To Rome with Love" heißt sein neuer Film, das Klischee steckt da deutlich drin, die erklärte Absicht macht das Spiel deswegen aber nicht raffinierter.

Allen spielt selbst die Hauptrolle eines grantigen Avantgarderegisseurs, der mit seiner Frau in die ewige Stadt kommt, um den neuen Freund der Tochter kennenzulernen. Im Zuge der familiären Begegnungen entdeckt er auch einen veritablen Star-Tenor, der aber nur unter der Dusche singen kann (die entsprechende Bühnenlösung ist allzu absehbar). Rund um diese zentrale Geschichte lagert Allen eine Reihe von weiteren Episoden an, ohne sie groß miteinander zu verbinden sie entstammen auch wahllos verschiedenen Registern des Komischen. Da ist der italienische Durchschnittsmann, der in der auf Prominenz versessenen italienischen Gesellschaft für ein paar Tage berühmt wird, und zwar nur einfach so, aus keinem anderen Grund als dem, dass eben jemand gebraucht wird für den neuesten Hype. Da ist das junge Paar, das wegen einer wichtigen Sache nach Rom gekommen ist, sich kurz trennt und unweigerlich auf Abwege gerät. Da sind die Amerikaner im Exil, die von der Aura der Stadt schwärmen, dabei aber nur das mitbekommen, was sie ohnehin immer schon zu wissen glaubten.

Das Prinzip der Städteprominenz wird wie immer durch einen Starauflauf ergänzt: Alec Baldwin, Penélope Cruz, Jesse Eisenberg und (in der einzigen halbwegs interessanten Rolle) Ellen Page sollen in "To Rome with Love" den Glanz verstärken, den Woody Allen vor allem mit prospektkompatiblen Aufnahmen von touristisch bestens erschlossenen Orten auch so schon erzeugt.

An vielen Stellen entsteht dabei allerdings der Eindruck, dass er den Genius Loci dabei für ein wenig zu selbstverständlich genommen hat. Anders lässt sich schwer erklären, mit welcher Schludrigkeit hier älteste Komödienmuster zusammengestoppelt wurden: hier eine hochnotpeinliche Begegnung in einem Restaurant, da ein sexuell ertragreiches Missverständnis, und über allem eine gewisse Altherrenidee von Romantik und Erotik, die auch der halbwegs souveräne und distanzierte allwissende Beobachter Alec Baldwin nicht wirklich elegant zu konterkarieren vermag. Die Komödie ist nun einmal von den Genres das schwierigste, und Woody Allen macht es sich ganz einfach viel zu leicht.

Bert Rebhandl

Dieser Text ist zuerst erschienen in: tip Berlin

To Rome with Love
USA / Italien 2012 - Regie: Woody Allen - Darsteller: Woody Allen, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penélope Cruz, Judy Davis, Jesse Eisenberg, Greta Gerwig, Ellen Page, Carol Alt, Alessandro Tiberi - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 110 min. - Start: 30.8.2012

 

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