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Thor: The Dark Kingdom

 

 

Jederzeit genussbereit

Alan Tylers "Thor: The Dark Kingdom" ist glatter Bestandteil eines Franchise-Masterplan, entwickelt dabei aber einen gewissen Charme, der nicht zuletzt Kat Denning zu verdanken ist.

Was man an den Superhelden-Filmen der Marvel Studios, der derzeit vielleicht erfolgreichsten Geldfabrik Hollywoods, mögen kann: Dass sie der vor allem von Christopher Nolans humorloser "Dark Knight"-Trilogie befeuerten Tendenz zur Hochrüstung und Übersteigerung der Comic-Erzählungen ins Schicksalsschwere, Todernste, Politmetaphernhafte weitgehend widerstehen. In ihren besten Momenten geben die Filme aus dem Avengers-Universum, ihren sauteuren und natürlich trotzdem hoffnungslos aufgeblasenen Blockbusteroberflächen zum Trotz, eine Ahnung vom naiven Charme klassischer Pulp-Comics.

Die meisten dieser besten Momente finden sich in den beiden "Thor"-Filmen. Während sich Joss Wheedons letztjähriges "Avengers"-Gipfeltreffen als eine eher sterile Materialschlacht entpuppte, die "Iron Man"-Trilogie von Film zu Film mehr zur narzisstischen Robert-Downey-Jr.-Nabelschau ausartet und Nebenwerke wie "Captain America: The First Avenger" ohnehin höchstens von knallharten Camp-Afficionados goutiert werden können, bestechen die Abenteuer des nordischen Donnergottes durch eine fast ungebremste Fabulierfreude: Bizarre Fabelwesen prügeln sich in knallbunten Fantasiewelten um esoterische kristalline oder, im neuen Film, ätherische Substanzen; auf dem Spiel steht selbstverständlich immer das Überleben des ganzen Universums.

Der erste Film litt noch ein wenig unter dem Missverhältnis zwischen dem leichtfüßigen Drehbuch und der eher wuchtigen Regie des Shakespeare-gestählten Kenneth Branagh. Der Nachfolger "Thor: The Dark Kingdom" fühlt sich ein wenig flüssiger und beschwingter an, die komödiantischen Szenen fügen sich organischer in das natürlich von Anfang an nicht besonders grimmige Doomsday-Szenario (ganz kurz zum Plot: ein Elfenvolk droht mit Weltverdunklung, Thors Nemesis Loki entkommt aus dem Knast und Natalie Portman hat als Astrophysikerin Jane Foster diesmal immerhin etwas mehr zu tun; ähnlich wie in Doug Limans unterschätztem Meta-Blockbuster "Jumper" werden außerdem am laufenden Band Gegenstände und sogar Personen wild durch die Gegend gebeamt).

Was andererseits auch heißt, dass "Thor: The Dark Kingdom" noch ein wenig unpersönlicher heruntergefilmt, ist als es die anderen Avengers-Filme ohnehin schon waren. Inszenatorische Extravaganzen in irgendeine Richtung braucht man bei den Marvel Studios nicht zu erwarten, dort perfektioniert man seit ein paar Jahren ein Produzentenkino, das die einzelnen Filme nur als funktionale Bestandteile eines Franchise-Masterplans fasst und deshalb die persönlicher gefärbten Schönheiten zum Beispiel von Sam Raimis "Spiderman"-Filmen von Anfang an ausschließt. Verantwortlich ist diesmal ein gewisser Alan Taylor, der in den letzten zehn Jahren, vielleicht ist das kein Zufall, ausschließlich fürs amerikanische Fernsehen gearbeitet hat. Tatsächlich sieht sein souverän mit diversen Handlungssträngen jonglierender Film streckenweise wie überproduziertes Quality-TV aus.

Und wie nicht selten auch an Quality-TV gefällt an den Marvel-Filmen vor allem anderen die Besetzung. Das Marvel-Universum hat sein eigenes Starsystem, eine ganze Reihe von Schauspielerinnen und Schauspielern haben langfristige Verträge mit dem Studio und schauen, immer im selben Kostüm, in diversen Filmen vorbei, oft nur für eine kurze Stippvisite; das schafft eine angenehme Vertrautheit. Chris Hemsworth, der zuletzt auch als Formel-1-Charmeur James Hunt in Ron Howards "Rush" brillierte, ist die Rolle des blondgelockten Hammerkriegers buchstäblich auf den muskulösen Oberkörper geschrieben; die leise Melancholie, der er sich zu Filmbeginn hingeben darf, steht ihm besonders gut. Natalie Portman ist zwar tendenziell weiterhin an eine eher uninteressante Rolle verschwendet; aber dafür hat Kat Dennings ("2 Broke Girls") als ihre vorlaute Assistentin Darcy Lewis gleich eine ganze Reihe schöner Szenen; ihr schaut man gerne zu, weil sie das richtige Verhältnis zu dem Spektakel findet, das sich um sie herum entfaltet, weil sie zwar einerseits die abgeklärte und lässige Aura einer Frau kultiviert, die alles schon einmal gesehen und fast alles schon einmal getan hat; die aber andererseits unbedingt und jederzeit genussbereit ist, die sich jeder vermeintlich neuen Attraktion, die sich ihr bietet, vorbehaltlos hingibt, als wäre es das erste Mal.

Lukas Foerster

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

 

Thor: The Dark Kingdom

USA 2013 - 112 Min. - Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany - Kinostart(D): 31.10.2013 - Regie: Alan Taylor - Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely, Christopher L. Yost - Kamera: Kramer Morgenthau - Schnitt: Conrad Buff IV, Malcolm Jamieson - Musik: Carter Burwell - Darsteller: Stellan Skarsgård, Idris Elba, Christopher Eccleston, Natalie Portman, Anthony Hopkins, Chris O'Dowd, Kat Dennings, Tom Hiddleston, Ray Stevenson, Chris Hemsworth, Zachary Levi - Kinostart: 31.10.2013 - FSK: ab 12

 

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