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The Good, the Bad, the Weird

Zitate zu Pferde

 

Kim Ji-woons "The Good, the Bad, the Weird" ist etwas, von dem die Welt auch noch nicht wusste, dass sie es braucht: Ein Western aus Südkorea, der sich promisk durch die Geschichte des Spaghetti-Western zitiert.

 

In der Mandschurei, wie sie ein Koreaner betrachtet, der zu viele Spaghetti-Western gesehen hat, befinden sich: Eine Schatzkarte, böse Besatzungsjapaner, Pferde, Schießgewehre, gierige Mandschurei-Bewohner und vor allem, als Exilkoreaner, der Gute, der Böse und der Seltsame. Sie belauern einander, die Karte begehrend. Hintereinander jagen sie her. Aufeinander gehen sie los. Durch die Wüste reiten, fahren und rennen sie: Zitate zu Pferde.

 

Der Titel macht kein Geheimnis draus, woher der Wind weht, von Sergio Leone und seinen euro-amerikanischen Spät- und Post-Western her nämlich. Wohin er aber weht, ist damit noch lang nicht gesagt. Sich fröhlich promisk durch die Westerngeschichte zitieren: schön und gut. Aber wenn man nicht weiß, was das ganze soll, dann ist es doch nicht mehr als außer Rand und Band geratener Miniatureisenbahnbau. So weht in "The Good, the Bad, the Weird" der Wind mitunter recht heftig, nur leider im Grunde ins Leere. Der Film, der die koreanischen Kinokassen im Sturm nahm, zitiert, ohne damit etwas zu sagen, er lässt Zitate sich verselbständigen und fängt sie nicht wieder ein. Oder auch: Kim versteht seinen Film als eher beliebig gereihte Kette hübsch entfesselter Schuss-, Jagd- und Action-Wirbelstürmchen, die für den Moment große Spektakel und Verheerungen anrichten. Wirkungen auf eine zusammenhängende Geschichte, wenn es sie gäbe, haben sie nicht. Auf Subtext und tiefere Bedeutung pfeift Kim Ji-woon, jedoch: melodiös.

 

Was schade, aber auch weiter nicht schlimm ist. Es passiert ja immerzu was. Eher im Mittelteil (zwischen wildem Eisenbahnüberfall und noch wilderer Jagd durch die mandschurische Steppe) wird ein "Geistermarkt" genannter Jahrmarkt zum Schauplatz. Der ist historisch und real nirgends verankert, das sagt schon der Name. Überhaupt: Wenn in diesem Film jemand oder etwas etwas sagt, dann eigentlich immer nur das, dass er nichts sagt. Was nicht heißt, dass nicht recht viel geredet würde, aber leichthin. Das ist wie mit dem Schatz und dem Geld und allem, was die Helden und Antihelden des Films ständig begehren: Es hat keinen anderen Wert als den, das voranzutreiben, was dann mit Hängen und Würgen die Handlung des Films gewesen sein wird.

 

Natürlich zählt im Prinzip aber nur auf dem Platz. Also, zum Beispiel, auf dem Geistermarkt: An Seilen schwebt und fliegt schießend der Gute, das Böse besiegend, durchs liebevoll und sauteuer eingerichtete Setting. So ein kleiner Anflug von Martial-Arts-artiger Flugkunst zwischendurch muss auch sein. (Oder war doch Tarzan das Vorbild?) Egal, mal heiter, mal blutig geht's zu in der koreanischen Postmoderne. Auf der Tonspur werden passend Kraut & Rüben serviert. Auch die Kampfkünste kommen direkt aus der Fusion-Küche: Meist wird zwar der Gegner im Schuss erledigt. Zwischendurch ein bisschen mit Messern gemetzelt. Auch mal mit Stöcken geschlagen. Und dann der "Mexican Standoff" am Ende, Waffen im Anschlag, die Titelhelden selbdritt. Davor gibt es gelegentlich mit Schmackes einen Dolch in den Arsch. Rums, das sitzt. (Ja, einen Humor hat Kim Ji-woon leider auch.)

 

Mit einem Wort: "The Good, the Bad, the Weird" ist aufwändig und manchmal sogar recht einfallsreich inszenierter Kindergeburtstag. Der Film rechnet mit der Infantilität seines Publikums und also extrem reduzierten Aufmerksamkeitsspannen. Darum ist immerzu etwas los. Auch der Kameramann tut sein möglichstes, sein Arbeitsgerät aber auch wirklich jede Sekunde in Bewegung zu halten. Bleiben: Drei Clowns im CGI-gestützten Abenteuerland. Und Langeweile auf hohem Erregungsniveau.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen am 29.07.2009 in: www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

 

The Good, the Bad, the Weird

Südkorea 2008 - Originaltitel: Joheunnom nabbeunnom isanghannom - Regie: Kim Ji-woon - Darsteller: Jung Woo-sung, Lee Byung-hun, Song Kang-ho, Ryu Seung-su, Song Young-chang, Yun Je-mun, Son Byung-ho, Oh Dal-su - Länge: 130 min. - Start: 30.7.2009

 

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