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The Crazies - Fürchte Deinen Nächsten

 

 

 

Breck Eisner verfilmt den Romero-Klassiker "The Crazies" neue - und verfehlt das Original nach allen Regeln der Hollywood-Kunst.

 

George A. Romeros 1973 entstandener "The Crazies" ist ein unerbittlich böser Film, böser vielleicht noch als sein wesentlich bekannterer "Night of the Living Dead". Dass er so nur von einem Außenseiter der Filmbranche kommen kann, der fernab von deren Gulaschtöpfen auf eigene Faust produziert, verwundert kaum. Mehr Szenario denn Geschichte, erzählt "The Crazies" von einigen zufällig zusammengewürfelten Überlebenden, die, wahrscheinlich wider jede Vernunft, den Ausbruch aus einer vom Militär durchgesetzten Quarantänezone in der US-amerikanischen Provinz wagen. Kurz zuvor war hier ein Flugzeug mit einem neuartigen biologischen Kampfstoff abgestürzt, der alle damit Infizierten zu vor Tobsucht rasenden Bestien macht. Rasant ist der zivilisatorische Firnis abgeblättert - nicht einmal die Ruhe vor dem Sturm gönnt Romero seinen Zuschauern -, alsbald schießen martialisch maskierte Soldaten wahllos auf eigene Landsleute: Ein Albtraum zwischen pulpigen EC Comics und konkretem Tagesgeschehen.

 

Denn kaum zufällig wird man sich dabei an die Bilder vom "Kent State Shooting" erinnert fühlen, als ähnlich auftretende Nationalgardisten studentische Proteste mit tödlichen Folgen niederschlugen, und mit Recht darf es einem dämmern, dass die "Verrückten" im Titel nicht ausschließlich auf die tollwütigen Meute anspielen. Der hektische Schnitt, die überquellend gefüllte Tonspur gestalten die Apokalypse zudem höchst unübersichtlich: Die auch deshalb oft falsch getroffenen Entscheidungen der Protagonisten tragen zum pessimistischen Tonfall des Films noch entschieden bei - keine Hoffnung, nirgends.

 

Derart verbindliche Anliegen sucht man im nun teuer produzierten Hollywood-Remake vergebens. Das Szenario ist zwar direkt übernommen (die konkrete Ausgestaltung weicht hingegen deutlich ab), doch wird es auf sein Potenzial zum äquivalent galligen Kommentar zum Zeitgeschehen kaum, sehr viel mehr aber auf seine nerdigen Fetischpotenziale hin abgefragt: Was bei Romero als nötiger Rahmen lediglich Erwähnung fand, wird hier erst - unnötig lange - ausbuchstabiert, vorgeführt und gründlich durcherklärt. Romero überrumpelte den Zuschauer durch eine ruppig-hohe Schnittfrequenz, Remake-Regisseur Breck Eisner hingegen ist vor allem zeigefreudig: Sichtlich begeistert ist er davon, für Romeros (wohl auch finanzökonomisch bedingte) Weglassungen munter kostenintensive Bilder nachzuliefern. Das im Sumpf versunkene Flugzeug - pathetisch aus Gottesperspektive gefilmt -, die an KZs erinnernden Sammellager, noch die kleinsten Schrammen, Rötungen und Verstümmelungen der Quasi-Zombies - alles wird liebevoll zynisch mit der Kamera abgetastet und ins texturreiche Bild gesetzt. Daneben herrscht allenfalls karnevaleske Grimmigkeit: Wenn zu Beginn die Kleinstadt Ogden Marsh brennend und in Trümmern gezeigt wird, um sie anschließend in einer frivolen Rückblende ("48 Stunden früher") noch intakt und verträumt zu präsentieren, dann will das nichts, außer auf eine ordentliche Fahrt in der Geisterbahn einstimmen.

 

Dass man eine sehr passable für sein Geld denn auch erhält - immerhin! In seinen besten Momenten ist das "Crazies"-Remake grundsolides Handwerk, technisch rundum versiert inszeniert, teils hochspannend erzählt und mit vielen fiesen Set Pieces versehen, die einen mal aufschreien, mal schwarzhumorig berührt glucksen lassen: Weltuntergang kann schließlich auch Spaß machen. Am Ende darf dann noch Johnny Cash ein beschwingtes "We'll Meet Again" anstimmen, dessen Originalversion einst über dem Atompilzabspann von Kubricks bissiger Nukleargroteske "Dr. Seltsam" lag. Gebissen wird bei Eisner hingegen gar nicht. Der will nur spielen.

 

Thomas Groh

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: www.perlentaucher.de

 

The Crazies - Fürchte Deinen Nächsten

USA 2010 - Originaltitel: The Crazies - Regie: Breck Eisner - Darsteller: Timothy Olyphant, Radha Mitchell, Joe Anderson, Danielle Panabaker, Christie Lynn Smith, Brett Rickaby, Preston Bailey, John Aylward - FSK: keine Jugendfreigabe - Länge: 101 min. - Start: 27.5.2010

 

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