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The Book of Eli

 

 

 

Auf dem Weg nach Westen

 

Ein stilbewusster Endzeit-Thriller mit Denzel Washington: "The Book of Eli" von Albert und Allen Hughes

 

Die Sache mit dem Ozonloch hatten wir beinahe schon vergessen, vor lauter Kohlendioxidbilanz und Karbonabdruck. Nun aber gibt es noch einmal eine Endzeitvision, in der sich die Welt nicht einfach kontinuierlich erwärmt, sondern in der sie schnell und gründlich durchgebrutzelt wird: In "The Book of Eli" von Albert und Allen Hughes gab es einen Vorfall undichter Atmosphäre, danach ist der Planet nicht mehr derselbe, und in dieser endzeitlichen Lage setzt der Film ein. Mit einem Mann, der sich allein durchschlägt. Hoch aufgerichtet, schwarze Haut, undurchdringliche Sonnenbrille, ein MP3-Player aus unserer näheren Vergangenheit (der Film spielt in der näheren Zukunft), eine große Soul-Nummer im Ohr ("How Can You Mend a Broken Heart" von Al Green). Der Mann heißt Eli, er trägt ein sehr scharfes Messer mit sich herum, das er wie ein Schwert führt.

 

Eli ist ein Samurai in einer Welt nach der Apokalypse. Nicht nur die Erdbevölkerung ist auf ein paar versprengte Häuflein zusammengeschmolzen, auch die kulturellen Zeichen sind auf das Nötigste reduziert. "The Book of Eli" lässt viele Fans an "The Road" denken, eine andere Endzeitvision, die einem Buch von Cormac McCarthy folgt und in Deutschland erst im Frühjahr ins Kino kommen soll. Vorläufig sind es noch andere Referenzen, die ins Auge springen: Von "Mad Max" bis "Zatoichi" wird hier zitiert, in einem Film, der nicht den Anspruch hat, besonders originell zu sein, sondern die Vorbilder durch rigoroseren Stil zu übertreffen.

 

So gibt es in "The Book of Eli" einige cool choreografierte Kampftänze, aus denen Eli (Denzel Washington) in der Regel unangefochten hervorgeht, während seine Gegner (die aber auch recht einfältig ins Messer laufen) Gliedmaßen und Leben einbüßen. In einer Stadt in der Einöde ereignen sich einige Szenen mit einem lokalen Wichtigtuer (Gary Oldman spielt Carnegie), die an den dritten großen Bezugspunkt von "The Book of Eli" erinnern - die Western vor allem mit Clint Eastwood, in denen ein Fremder ohne Namen durch die Gegend reitet und einer eigensinnigen, leicht ins Metaphysische hängenden Mission folgt.

 

So ist es auch hier in einer Geschichte, die auf einem Drehbuch von Gary Whitta beruht. Eli hat nämlich ein Ziel auf seiner Wanderschaft. Er will nach Westen, weil dort eine Gemeinschaft auf ihn wartet, der er ein Buch mitbringen soll, das er im Rucksack trägt. Er hält es in hohen Ehren, ganz so, als berge es die großen Geheimnisse dieser Welt. Es wird tatsächlich viel Gewese gemacht um dieses "Book of Eli"; man durchschaut aber schnell, dass es sich um die gute alte Bibel jüdisch-christlichen Ursprungs handelt, für die Eli das Speditionsunternehmen macht.

 

Da der amerikanische Kontinent groß ist, und die Hughes-Brüder sich Zeit lassen, dauert es tatsächlich eine ganze Weile, bis dieser Film bei seinen zwei Pointen anlangt. Vom Ende (das im Detail nicht verraten werden darf) her besehen ist "The Book of Eli" dann allerdings doch ein arg einfältiges und hehr tuendes Blut-und-Staub-Movie, das den langen Weg nicht wirklich lohnt.

 

Bert Rebhandl

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in der: Berliner Zeitung

 

The Book of Eli

USA 2010 - Regie: Albert Hughes, Allen Hughes - Drehbuch: Gary Whitta - Darsteller: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis, Jennifer Beals, Ray Stevenson, Tom Waits, Malcolm McDowell, Michael Gambon, Frances de la Tour, Joe Pingue - FSK: ab 16 - Länge: 118 min. Dt. Start: 18.2.2010

 

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