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Get the Gringo

 

 



Mel Gibsons Karriere ist derweil, wenn man Adrian Grunbergs Actionkomödie "Get the Gringo" zum Maßstab nehmen kann, im Untotenstadium angekommen.

Im Jahr 2013 hat Mel Gibson, scheint es, seine Karriere trotz aller Anstrengungen, antisemitischer Tiraden und Morddrohungen noch nicht ganz gegen die Wand fahren können. Momentan scheint sie im Untotenstadium der mittleren Budgetgrößen und limited releases festzuhängen: Da bewegt sich zwar noch etwas, aber es riecht bereits komisch. Seinen letzten Film, Jodie Fosters "The Beaver", konnte man, wenn man denn wollte, noch als Therapieversuch lesen: Gibson streifte sich eine plüschige Handpuppe über und geriet in eine versöhnlerisch perspektivierte Familiengeschichte. Im neuen Film streift er sich eine Clownsmaske über den Kopf, zumindest in der ersten Szene. Da enden die Parallelen aber auch schon.

Mit "Get the Gringo" besinnt sich Gibson auf alte Tugenden: Es gibt vor allem gründlich eine auf die Zwölf. Die Clownsmaske trägt er wegen eines Raubüberfalls, nach dessen erfolgreichem Abschluss er versucht, mit der Beute aus den Vereinigten Staaten zu fliehen. Die Flucht gelingt, dennoch landet er im mexikanischen Knast. Dort, zwischen ohrenbetäubenden Mariachi-Klängen, bösartigen Gangland-Halsabschneidern, auch für Gringos verfügbaren Drogenkriegs-Witwen und deren pfiffigen Kindern, richtet sich der Film eine Weile lang häuslich ein.

 

"Get the Gringo", von Regieneuling Adrian Grunberg einigermaßen kompetent inszeniert, ist nicht völlig misslungen (Gibson-Fans werden ihren Spaß an der Sache haben, vermute ich mal), aber durchaus ein wenig anstrengend in seiner braven Durcharbeitung längst geläufiger post-Tarantino-Genre-Coolness. Vor allem, weil Gibsons ewig halbironischer Oldschool-Machismo, der ihn schon in seinen Hochzeiten zu einem eher handzahmen Actionhelden hatte werden lassen (von einigen wenigen, mutigeren Ausnahmefilmen wie "Tequila Sunrise" abgesehen), diesmal noch unterfüttert wird von seinem eigenen penetranten Voice-Over-Kommentar. Die Gibson-Stimme distanziert einen nicht nur noch ein wenig weiter vom bunten, hektischen Treiben auf der Leinwand, sie erzählt einem außerdem immer wieder genau das, was man ohnehin sieht.

Und was man sieht, das ist vor allem: Dreck, Schmutz, Bäh. Der mexikanische Knast ist ohnehin ein "shithole", klar. Doch wenn gleich die erste Einstellung des Films einen urinierenden Hund zeigt, kann man auf den Gedanken kommen: Da steckt mehr dahinter. Später einmal ist die Kamera im Inneren einer Toilettenschüssel positioniert. Mel Gibson ist in seiner Kloakenphase angekommen. Nächste Ausfahrt: Direct to video.

Lukas Foerster

Produktionsland: USA  
Produktionsjahr: 2012  
Länge: 96 (Min.)
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 28.02.2013
Cast & CrewRegie: Adrian Grunberg  
Drehbuch: Mel Gibson, Adrian Grunberg, Stacy Perskie  
Kamera: Benoît Debie  
Schnitt:  Steven Rosenblum  
Musik:  Antonio Pinto  
Hauptdarsteller: Mel Gibson, Peter Stormare, Bob Gunton, Dolores Heredia, Dean Norris, Kevin Hernandez  

 

Lukas Foerster

Dieser Text ist zuerst erschienen in der: taz

Produktionsland: USA  
Produktionsjahr: 2012  
Länge: 96 (Min.)
Verleih: Concorde Filmverleih
Kinostart: 28.02.2013
Cast & CrewRegie: Adrian Grunberg  
Drehbuch: Mel Gibson, Adrian Grunberg, Stacy Perskie  
Kamera: Benoît Debie  
Schnitt:  Steven Rosenblum  
Musik:  Antonio Pinto  
Hauptdarsteller: Mel Gibson, Peter Stormare, Bob Gunton, Dolores Heredia, Dean Norris, Kevin Hernandez  

 

 

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