zur startseite

zum archiv

zu den essays

 

Results


 


Ökonomie und Libido

Andrew Bujalskis bezaubernde Fitnesskomödie "Results" entwirft in mäandernden Dialogen ein Leben vor offenem Horizont.


Danny (Cobie Smulders) ist, nachdem er überraschend ein üppiges Erbe angetreten hat, der "worst rich guy ever". Er weiß einfach nicht, wie das geht: reich sein. Sitzt auf einem noch in Plastikfolie verschweißten Sofa in seinem neuen, fetten Haus (mit Pool! Und mit einer ausnehmend hässlich dekorierten Eingangstü r...) herum, schrammelt gelegentlich auf seiner einsam in einem weitläufigen Zimmer herumliegenden E-Gitarre, die Mahlzeiten liefert auch weiterhin der Pizzadienst. Irgendwann kommt er dann, eher so aus einer Laune heraus, auf die Idee, abzunehmen.

Und zwar mithilfe des Fitnessunternehmens "Power 4 Life", das von Trevor (Guy Pearce) betrieben wird und das seine Firmenphilosophie via Youtubeclips bewirbt, in denen esoterisch angehauchtes Machertum auf steril pumpende Eurotrash-Beats trifft. Da der rundliche Danny, dessen Kopf bei der geringsten Anstrengung, und oft auch komplett ohne jede Anstrengung, tomatenrot anläuft, keine Lust hat, sich in einem Gym den Blicken der Hardbodies auszusetzen, wird ihm als persönliche Trainerin Kat (Cobie Smulders) zugeteilt. Nun ist Danny nicht nur neureich, sondern außerdem frisch geschieden, und das Single-Sein bekommt er kaum besser auf die Reihe als das Millionär-Sein. Jedenfalls sieht sich Kat bei einem ihrer Besuche plötzlich mit einem Candlelight-Dinner samt angeheuerter Jazzband konfrontiert. Bald darauf steht auch Trevor bei Danny auf der Matte. Der ist nämlich nicht nur Kats Boss, sondern auch ihr ehemaliger Liebhaber.

"Results" ist eine verschrobene, kaum einmal auf eindeutig identifizierbare Pointen zulaufende romantische Komödie zu dritt, die Danny zuerst als gleichzeitig trägen und unberechenbaren Störsender zwischen Kat und Trevor einsetzt, und anschließend jede Menge Spaß dabei hat, alle drei Protagonisten unter wechselnden Vorzeichen miteinander kollidieren zu lassen; und die von einem wunderbar freien, elastischen Tonfall getragen wird. Mal werden Szenen, in denen eigentlich gar nichts passiert, großzügig zerdehnt, mal handelt Andrew Bujalski zentrale Plotpoints in zwei, drei schnellen Schnitten ab. Gerade noch hat man hochtrabende Pläne für ein neues Fitnesscenter, gleich darauf werden einem 51 Prozent des Geschäfts unter der Nase weggekauft; für eineinhalb Dollar. Es gibt dann noch eine vage an "Rocky" angelegte Trainingssquenz. Einen mysteriösen russischen Investor (mitsamt blondem "trophy wife"; denkt man, bis sie den Mund aufmacht). Und vor allem gibt es jede Menge großartige, lange, mäandernde Dialoge. Bei denen man oft den Eindruck hat, zwei einander völlig fremden Spezies bei der ersten, neugierigen, von einer grundlegenden Sympathie getragenen Kontaktaufnahme zuzuschauen.

Bujalski hatte sich schon im exaltiert nerdigen Vorgänger "Computer Chess" vom Mumblecore-Kino und dessen gelegentlich allzu fluffig überschaubaren Milieustudien verabschiedet. "Results" verzichtet zwar auf die videotechnischen Extravaganzen des Vorgängerfilms (und ist der erste Film des Regisseurs mit prominenter Besetzung), wirkt aber insgesamt fast noch wagemutiger. Weil es diesmal an die leibliche Substanz geht. "Fitness" ist für Bujalski erst einmal nur eine Technik der grotesken Körperverformung. Ausgiebig zelebriert wird das in zwei Szenen zu Filmbeginn, wenn zunächst Kat vorführt, dass beim Kniebeugen der Hintern wie eine Abrissbirne einzusetzen ist; und wenn bald darauf Danny wundervoll derangiert durch seine Wohnung watschelt.

Aber auch der perfekt durchtrainierte Trevor weiß nicht so recht, wohin mit seinem Körper und klebt während eines Gesprächs mit Kat schon einmal an der Decke seiner Wohnung. Als sie ihn darauf hinweist, dass sie das nicht erotisch findet, meint er: "Das ist mir egal, das hier ist schließlich mein Zuhause". Heißt das, dass er in seinen eigenen vier Wänden selbst entscheiden möchte, was erotisch ist und was nicht? Derartige Ebenenwechsel gibt es andauernd in "Results". Trevor und Kat hatten ihr Verhältnis beendet, weil sie der konventionellen Alltagsweisheit, wonach romantische und geschäftliche Beziehungen strikt voneinander getrennt zu halten sind, Glauben schenkten. Andrew Bujalski interessiert sich in seinem neuen Film allerdings gerade für die Interferenzen von Ökonomie und Libido. Schräg steht "Results" dabei zu den Ideologemen neoliberaler Selbstoptimierung: Die Grenzen zwischen Arbeit und Alltag kollabieren zwar, aber nicht im Namen einer intensivierten Leistungsgesellschaft. Sondern, weil sich das als die einzig lebbare Perspektive für alle drei Protagonisten erweist: den doppelten Kontrollverlust akzeptieren. Ein Leben vor allseitig offenem Horizont.

Lukas Foerster

 

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

  

Results
USA 2015 - 105 Min. - Start(D): 03.03.2016 - Regie: Andrew Bujalski - Drehbuch: Andrew Bujalski - Produktion: Paul Bernon, Houston King, Sam Slater - Kamera: Matthias Grunsky - Schnitt: Robin Schwartz - Musik: Justin Rice - Darsteller: Guy Pearce, Cobie Smulders, Kevin Corrigan, Giovanni Ribisi, Brooklyn Decker, Anthony Michael Hall, Constance Zimmer, Tishuan Scott, Zoe Graham, David Bernon, Donn Adelman, Matt Adelman, Leslie Asaka, Rebecca Beegle, Tucker Bernon -  Verleih: Peripher Filmverleih

 

zur startseite

zum archiv

zu den essays