zur startseite

zum archiv

zu den essays

 

Real Steel

 

Kleiner Streber Max

Shawn Levy bremst in "Real Steel" seine Kampfroboter mit einem der nervigsten Filmkinder der letzten Jahre aus.

In der - eine solche behauptet der Film zumindest, eine echte Differenz zur Gegenwart markiert er jenseits seiner zentralen Prämisse nicht: - Zukunft wird der Boxsport mechanisiert sein, statt Menschen schlagen sich spezialisierte Roboter gegenseitig die metallenen Köpfe ein. Die Roboter heißen Ambush, Black Thunder oder Noisy Boy, sind locker drei Meter groß und sehen teilweise tatsächlich ziemlich toll aus. Leider geht es im Film vornehmlich um Menschen.

Charlie Kenton (Hugh Jackman) war selbst einmal Boxer, jetzt tingelt er mit einigen wenigen Prügelrobotern durch die Provinz und nimmt weitgehend erfolglos an niederklassigen Kampfspektakeln teil - die zugehörige White-Trash-Provinz-Atmosphäre ist, das muss man dem Film lassen, verhältnismäßig gut getroffen. Sein Schicksal wendet sich erst, als das Drehbuch ihm eines der nervigsten Filmkinder der letzten Jahre zur Seite stellt, nämlich Max (Dakota Goyo), seinen Sohn, den Kenton zunächst nur widerwillig (und sogar: nur gegen Geld) bei sich aufnimmt, den er aber natürlich schnell liebgewinnt. Max gräbt auf einem Schrottplatz Atom aus, den langweiligsten Roboter des Films und quengelt so lange, bis sein Vater diesen in den Boxstall aufnimmt. Kentons vorerst nur professionelle Partnerin Bailey (fürchterlich unterfordert: Evangeline Lilly, bekannt aus "Lost") komplettiert die Ersatzfamilie.

Atom ist, wie gesagt, der langweiligste Roboter im Film. Dass von Atom nichts Gutes zu erwarten ist, sieht man ihm am Gesicht an; genauer gesagt am ins Gesicht geschweißten freundlich-debilen Grinsen. Anstatt sich als nach rationalen Kriterien konstruierte Maschine dem unperfekten Menschen und damit dem evolutionären Prinzip entgegen zu stellen, schmiegt er sich an ihn an; Atom ist ein Sparringsroboter, der selbst kaum Power hat und statt dessen die Bewegungen seines Gegenübers "spiegelt". Und so kommt die eigentlich schon überwundene Physis wieder zu ihrem Recht: Kenton darf seinen mechanischen Kameraden trainieren und zur doch wieder anthropomorphen Kampfmaschine formen (die es dann in diesem plump chauvinistischen Film mit allerlei asiatischen Superbots aufnimmt; wenn der Film diagnostischen Wert hat, dann höchstens als Gradmesser für die amerikanische Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust angesichts der chinesischen Wirtschaftsmacht).

Im ausrangierten Roboter Atom mit "humanen" Schaltkreisen sieht sich dann wiederum der ausrangierte Boxer mit Herz Kenton gespiegelt, kann seinen Zynismus überwinden und zum funktionierenden Subjekt einer Erfolgsstory werden (von der er glauben muss, es sei seine ureigene; der Film lässt ihm keine Wahl und keinen Zweifel). Eine doppelte, symmetrische Erlösung, die sich freilich nicht halb so erstickend anfühlen würde, würde ihr nicht ausgerechnet der kleine Streber Max, dieses Kind gewordene kleinbürgerliche Ideologem, als Katalysator dienen.

Produziert hat Steven Spielberg, der auch nach dreimal "Transformers" anscheinend noch nicht genug hat von Kampfroboterfilmen und nun die "E.T."-Variante ausprobiert. Diesmal ist sein Erfüllungsgehilfe nicht der ja immerhin, mag man sonst von ihm halten, was man möchte, eigensinnige Michael Bay, sondern Shawn Levy, der sich bislang eher als Spezialist für uninspirierte Mainstreamkomödien einen Namen machte; zuletzt gelang ihm in "Date Night" das Kunststück, sowohl Steve Carell als auch Tina Fey jeglichen Esprit auszutreiben. Ganz so schlimm wie dieser Vorgänger ist "Real Steel" nun zwar nicht geworden, der Film läuft halbwegs rund, in absolut vorhersehbaren Bahnen. Dem Schematismus des Drehbuchs hat Levys völlig unpersönliche Regie freilich nicht das Geringste entgegen zu setzen, nicht einmal ein Farbschema, das nach mehr aussehen würde als nach "Disney Club".

Lukas Foerster
Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de  

 

Real Steel

USA 2011 - Regie: Shawn Levy - Darsteller: Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly, Anthony Mackie, Kevin Durand, Hope Davis, Phil LaMarr, James Rebhorn, Karl Yune, Olga Fonda, David Alan Basche, Jahnel Curfman - FSK: ab 12 - Länge: 126 min. - Start: 3.11.2011

 

zur startseite

zum archiv

zu den essays