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Priest

 

 

 

Mit Untoten bekommt es ein Vampirjäger namens "Priest" im angenehm unironischen B-Movie gleichen Titels zu tun.


Eine kleine Hütte irgendwo in der Wüste. Mann, Frau und Mächen sitzen um den Esstisch. Das Leben ist nicht einfach hier draußen ("Nicht schon wieder Auflauf!"). Dann greifen die Vampire an, ein paar weißliche Schatten in der Dunkelheit, viel Getöse, aber alles schnell vorbei. Die Frau stirbt, der Mann überlebt schwer verletzt, das Mädchen wird gefangen genommen. Ein Priester zieht aus, es zu retten; doch vorher muss er sich von der Amtskirche lossagen. Denn die hat ihren eigentlichen Daseinszweck vergessen: die Vampirjagd. "Priest" basiert auf einer koreanischen Comicserie gleichen Namens (eher lose allerdings: im Original tauchen nicht einmal Vampire auf). Eine schöne animierte Sequenz führt zu Filmbeginn in die alternative Wirklichkeit des Films ein: Es geht um einen totalitären Gottesstaat, der heilige Krieger ausgebildet hat, die einst blutrünstige Vampire bekämpften und sie in Reservate verbannten, inzwischen aber selbst mehr und mehr in Ungnade fallen.

Ein "christlicher Blockbuster" wie die "Narnia"-Filme oder auch nur der in visueller Hinsicht durchaus vergleichbare "Book of Eli" ist "Priest" höchstens auf den ersten Blick. Scott Charles Stewart, der vorher lediglich den vermutlich ähnlich gelagerten Fantasystreifen "Legion" inszenierte, hat nicht das geringste Sendungsbedürfnis, für Religion interessiert er sich nur insoweit, wie ihr Zeichenarsenal fürs Actionkino instrumentalisierbar ist. Mit beachtlicher Konsequent verbirgt sich hinter jeder "frommen" Geste eine neue Attacke: Im Kruzifix ist ein Dolch versteckt, die Bibel enthält Wurfsterne, im Gebet sammeln sich die Priester höchstens für den nächsten Angriff. Stewart behandelt das Christentum - und das darf man durchaus sympathisch finden - wie eine abstruse, aber fotogene Mythologie unter vielen.

Optisch orientert man sich an "Blade Runner" und anderen Endzeitfilmen, eigentliches Genrevorbild aber ist der Western, das beginnt schon anfangs in der Hütte und setzt sich fort: Die Protagonisten und ihre Gefolgschaft stehen selbst neben dem (in diesem Fall: kirchlichen) Gesetz, das sie verteidigen müssen, die Vampire sind die Entsprechung des indianisch Fremden, zwischendurch taucht sogar ein Quacksalber auf, der wie im klassischen Western ein fragwürdiges Wunderheilmittel an leichtgläubige Farmer zu verkaufen versucht. Paul Bettanys Hauptfigur ist eine Art entfernter Verwandter von Ethan Edwards aus John Fords "The Searchers", freilich gekürzt um alle moralischen Ambivalenzen: Wenn der antisoziale Einzelgänger seinen Rachefeldzug beginnt, macht er sich zwar den Vampiren gleich, aber diese garstigen, durch und durch computeranimierten Biester haben ihr Schicksal halt doch allemal verdient.

Aber man muss ja auch nicht gleich mit John Ford kommen: Ein geradliniger, unironischer B-Film wie "Priest" ist eine willkommene Abwechslung zwischen den überladenen Blockbustern, die in diesen Wochen und vermutlich noch eine ganze Weile die Kinolandschaft dominieren. Paul Bettany gibt einen überraschend überzeugenden Actionhelden, unter seinen Sidekicks gebürt der tödlich-coolen Priesterin Maggie Q eine Erwähnung. Die 3D-Effekte sind zwar, ähnlich wie zuletzt in "Thor" und bald auch in der aktuellen "Pirates of the Caribbean"-Fortsetzung, völlig überflüssig, auch die Kämpfe zwischen den Priestern und den Vampiren fallen etwas zu hektisch aus, aber insgesamt ist der Film stilsicher und ökonomisch inszeniert. Kaum ein Gramm überflüssiges Fett. Auf futuristischen Motorrädern rasen die Protagonisten über gleißende Einöden von einem düsteren Handlungsort zum nächsten, dazwischen sagen sie sogar in der deutschen Synchronfassung tolle Sätze wie: "Es gibt zwei Punkte, Punkt A und Punkt B, wenn Du beide kennst, kannst Du den Vampir töten."

 

Lukas Foerster

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: www.perlentaucher.de

 

Priest
USA 2010 - Regie: Scott Stewart - Darsteller: Paul Bettany, Cam Gigandet, Maggie Q, Karl Urban, Lily Collins, Stephen Moyer, Mädchen Amick, Christopher Plummer, Brad Dourif, Alan Dale, Bill Oberst Jr., Julie Mond - Länge: 88 min. - Start: 12.5.2011
 

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