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Der Preis

 

 

Ein ziemlich sensationelles Spielfilmdebüt hatte 2007 Elke Hauck hingelegt, die für "Karger" großartige Arbeit mit Laiendarstellern in ihrer eigenen Heimatstadt Riesa leistete und das Porträt einer Stadt, einer Situation und sehr stimmiger Charaktere schuf, in dem der Ort und die Sprache, die Körper und die Atmosphäre sich zu einem in sich geschlossenen Ganzen verbanden. Ihr neuer Film "Der Preis" (Perspektive Deutsches Kino) ist nun eine Auftragsarbeit, in die das Fernsehen massiv hineinregierte, nach fremdem Drehbuch (von Peggy Lehmann, Elke Hauck schrieb es in Richtung ihr näher liegender Vorstellungen um). Das Drehbuch ist, man muss das umstandslos sagen, so oder so schlecht, die Dialoge sind hölzern und die Geschichte vom Mann, der im Westen Erfolg hat und nun in die Plattenbauten und Verstrickungen seiner Kindheit zurückkehrt, ist bis ins letzte Detail arg schematisch.

Hauck hatte also eine ganze Menge Aneignungsarbeit zu leisten, gegen das Buch, gegen die DDR-Klischees, die es auf dem engen Raum einer von einer Fernsehredaktion bestimmten Produktion eifrig versammelt. Jedoch erweist sich dagegen die Ästhetik der Langsamkeit, des Stehenlassens der Bilder, der eher tonlosen Dialoge, der Künstlichkeit der Ausstattung und der Starrheit der Kamera als erschreckend hilflos. Alles bleibt auf halber Strecke und man fragt sich, auch im Vergleich mit Christian Petzolds gar nicht unähnlich scheiterndem "Dreileben"-Beitrag "Etwas besseres als der Tod", ob nicht da, wo sich etwas wie eine "Berliner Schule"-Ästhetik nur noch in ihrer erbleichtesten Form zeigt, eine nicht so erfreuliche Wahrheit zutage tritt: Eine aus großer Kenntnis möglicher Fallstricke im Widerstand gegen viel Dummes, Hohles, Frivoles geborene filmische Sicht auf die Welt verliert da, wo sie den Kompromiss mit dem Fernsehen, das in Deutschland alles regiert, machen muss, ihre Kraft. Statt aufbruchsbereiter lebendiger Wesen stehen plötzlich Skelette im Raum, die man gegen die Vorwürfe, die der "Berliner Schule" oft sehr zu unrecht gemacht werden, kaum mehr verteidigen kann.

Ekkehard Knörer

Dieser Text ist zuerst erschienen, anlässlich der Berlinale 2011, im: www.perlentaucher.de

 

Der Preis
Deutschland 2011 - Regie: Elke Hauck - Darsteller: Florian Panzner, Anne Kanis, Sven Gielnik, Vanessa Krüger, Vincent Krüger, Wiebke Bachmann, Guntbert Warns, Anna Willecke - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 6 - Länge: 83 min. - Start: 22.3.2012

 

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