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Der Plan

In George Nolfis Philip-K-Dick-Verfilmung "Der Plan" mag der Mensch durchaus denken, in Wahrheit tut das "Adjustment Bureau" aber lenken.

Der Mensch denkt, das "Adjustment Bureau" lenkt. Und zwar, um den denkenden Menschen nicht zu verstören: möglichst behutsam. Ein verschütteter Kaffee hier, ein kleiner Schubs da, Minimalinvasion um Minimalinvasion wird die aus den Fugen geratene Welt in einen gottgefälligeren Zusammenhang zurückgestellt. Falls man Gott sagen will und die Hüte tragenden Hüter des geheimdienstlich agierenden Büros also als Engel betrachtet. In dieser Verfremdung theologischer Muster durch scheinbare Säkularisierung liegt denn auch die größte und leider beinahe einzige Attraktion dieses Films, der sich ohne viel Murren in die inzwischen recht lange Reihe nicht wirklich gelungener Versuche fügt, eine originelle Philip-K-Dick-Idee zu einem konventionell funktionierenden Spielfilm zu walzen.

(Kurzes Aside: Die Anfang der fünfziger Jahre im Magazin Orbit Science Fiction erstveröffentlichte Kurzgeschichte - Titel: "Adjustment Team" - ist dank eines kleinen Copyright-Versäumnis-Schubsers in der Public Domain, die genauen Gründe kann man in der Wikipedia nachlesen ebenso wie Näheres zum Versuch, das Versehen nachträglich zu korrigieren: "Adjustment Team" was incorrectly included in renewal Registration Number RE0000190631 (1983-11-22) War veteran, and other contributions by Philip K. Dick, as (In Imaginative tales, Sept. 1955) Adjustment team. Pub. 1955-07-07; B00000542735.))

Leider wird erwartbarer Weise nicht der Schalt-Plan ins Zentrum gestellt, dem die grauen Männer, selbst im Getriebe nur Rädchen, ohne Sinn für das Ganze gehorchen, sondern eine Liebesgeschichte, die nach dem Willen des Großen Vorsitzenden ("Chairman" im Original) verboten gehört. Dieser Name für Gott ist natürlich sehr hübsch, aber auch ein klein wenig dated. Wie überhaupt die Gesamtkonstruktion als allegorische Gesellschaftskritik im Post-WW2-Paranoia-Jahr 1954 deutlich besser funktioniert haben dürfte denn heute. Wenn - ab hier lese nur die halbwegs spoilerresistente Leserin weiter - die Weltlage damals so furchtbar war, dass eine höhere Macht ihre grauen Hutmänner zwecks fortwährenden Eingreifens losschicken muss: Was zum Teufel hat das Adjustment Bureau seither genau zum Besseren der Menschheit getan? (Der Film gibt immerhin eine simple Antwort auf diese in ihm auch gestellte Frage: Die Menschheit existiert noch.)

"Der Plan" verbindet entlang seiner "amor vincit omnia"-Achse die Politik nach einer Herrentoiletten-Erstbegegnung mit der schönen Kunst, genauer gesagt: mit dem Tanz. Schon wieder. Emily Blunt ist freilich kein Black oder sonstiger Swan. In Ausschnitten, die man sieht, wedelt sie - na gut, vielleicht doch ein wenig bürzelhaft - mit in die Höhe gestrecktem Unterbein und ist eine körperlich ungewöhnlich (nämlich angenehm unfiligran) geratene Tänzerin in relativ modernen Choreografien. Matt Damon dagegen haben wir uns fade vorgetragene Rede für fade vorgetragene Rede als charismatischen Politiker mit großer Zukunft vorzustellen. Da bekommt die Fantasie des Betrachters gut zu tun.

Der Plot selbst wird brav exekutiert. Die Mittel von Drehbuchautor und Regisseur George Nolfi sind auf ordentlichem Niveau in beiden Bereichen doch deutlich beschränkt. Erfreulich ist immerhin, dass inzwischen weite Teile der "Mad Men"-Besetzung in mittelgroßen Auftritten durchs aktuelle Hollywoodkino spazieren: Nach January Jones im interessanteren "Unknown" ist nun John Slattery (Roger Sterling) dran. Dem fliegt bei seinem Ausflug aus der Ad Agency ins Adjustment Bureau vom spitzen Kopf der Hut. Aber auch Terence Stamp macht seine Sache gut. Zum bösen Ende fehlt dem Drehbuch der Mut. Nach Jahre währender Fahrt mit Bus und schicksalsentscheidend tief empfundenem Kuss ist über den Dächern New Yorks darum zuletzt allzu glücklicher Schluss.

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: www.perlentaucher.de

 


Der Plan
USA 2010 - Originaltitel: The Adjustment Bureau - Regie: George Nolfi - Darsteller: Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp, Daniel Dae Kim, Lauren Hodges, Shane McRae - FSK: ab 12 - Länge: 109 min. - Start: 10.3.2011

 

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