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Parker

 

 

Der Schriftsteller Donald E. Westlake starb 2008. Unter dem Pseudonym Richard Stark publizierte er ab 1962 zwei Dutzend „Hard-boiled“-Kriminalromane um den Dieb und existenzialistisch-illusionslosen Einzelgänger Parker, für den sich das Kino schon früh interessierte. Doch Westlake hatte mit der Parker-Figur eigene Pläne, wollte eine Filmreihe etablieren und verweigerte Verfilmungen der Romane konsequent den Ritterschlag der „Parker“-Trademark. So mussten Jean-Luc Godard, John Boorman, John Flynn oder Brian Helgeland ihre Rechnung ohne „Parker“ machen. Wenn jetzt der erste „Parker“-Film ins Kino kommt, dann hat das damit zu tun, dass Jason Statham signalisiert hat, er könne sich eine ganze Filmreihe vorstellen. Außerdem sind etwaige Widerstandskräfte mit Westlakes Ableben erloschen. Freuen kann man sich auf die Reihe aber nur bedingt, denn dazu sind die „Parker“-Romane etwas zu eindimensional. Deren Plot geht so: Parker wird gelinkt und nimmt blutige Rache auf der Grundlage eines etwas bornierten Ehrenkodex: Bestehle nie jemanden, der sich das nicht leisten kann! Verletze niemanden, der es nicht verdient hat! So wie Jack Reacher ein Ex-Militärpolizist ohne Moral ist, so ist Parker ein Gangster mit Gespür für Ehre.

Der Film von Taylor Hackford, dem der Roman „Flashfire“ zugrunde liegt, erzählt von einem gelungenen Überfall irgendwo in der US-amerikanischen Provinz. Parker wird in der Folge damit konfrontiert, dass seine Gangster-Kollegen die Beute sogleich in das nächste große Ding investieren wollen. Als er dies ablehnt, kommt es zum Shoot-out, und Parker bleibt schwer verletzt, aber für tot gehalten am Straßenrand zurück. Als er sich von seinen Verletzungen erholt hat, geht es nach Palm Beach, Florida, wo der nächste Coup der Gangster-Kollegen stattfinden soll. Mit großer Umsicht und Professionalität macht sich Parker ans Werk, seine Rache zu vollstrecken, obwohl er davor gewarnt wird, weil diejenigen, an denen er sich rächen will, über „Verbindungen“ verfügen. Unterstützt wird er von einer attraktiven Immobilienmaklerin, die sich von Parkers souveräner Coolness angezogen fühlt, vielleicht, weil sie noch mit ihrer Latina-Mutter zusammenlebt, die sich dem Konsum von Daily Soaps hingibt.

Man ahnt: Jenseits der Action ist „Parker“ nur leidlich originell. Der Film schwimmt aktuell auf einer Welle von Kriminalfilmen, die wie „Drive“ (fd 40 864), „Killing Them Softly“ (fd 41 389) oder (mit Abstrichen) „Jack Reacher“ (fd 41 477) ihr Heil in den analogen, schmucklos-lakonischen Klassikern der 1960er-und 1970er-Jahre mit Michael Caine, Steve McQueen, Lee Marvin oder Charles Bronson suchen, um den gegenwärtigen dröhnenden Special-Effects-Spektakeln eine klassische, ironiefreie Variante entgegenzusetzen. Die genannten Filme flankieren als Genrefilme die Modernisierung der „James Bond“-Reihe unter der Ägide von Daniel Craig; und obwohl „Parker“ auch noch eine erstaunlich ornamentale Schwundstufe von Liebesgeschichte (eher eine „Buddy“-Variation) transportiert, um den Film etwas zu strecken, bleiben vor allem ein paar wüste, extrem blutige Auseinandersetzungen in Erinnerung, die damit kokettieren, wie viel Gewalt der Körper von Jason Statham mittlerweile wegsteckt. Die Zukunft wird zeigen, ob „Parker“ das Zeug zu einem Franchise hat – und ob dies dann noch von seinen Fans mit Richard Stark in Verbindung gebracht werden wird. Oder doch nur mit Jason Statham, der hier im Rahmen seiner Möglichkeiten einen recht guten Job macht.

Ulrich Kriest

Dieser Text ist zuerst erschienen im: film-Dienst 3/2013

 

Parker
USA 2013 - Länge: 118 Min. - Verleih: Constantin Film Verleih - Kinostart: 07.02.2013 - Regie: Taylor Hackford - Drehbuch: John J. McLaughlin - Kamera: J. Michael Muro - Musik:  David Buckley - Darsteller: Nick Nolte, Jennifer Lopez, Jason Statham, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Emma Booth, Michael Chiklis, Sala Baker  

  

 

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