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Nightmare on Elm Street (2010)

 

 

 

Die Pizza ist kalt

 

Das Bedauerliche am Genre des Teenie-Slashers ist zumeist, dass ihm das subversive Element, welches viele Werke des sonstigen Horrorkinos begleitete – ein gutes Beispiel hierfür ist etwa Wes Cravens Frühwerk The Last House on the Left – fast völlig fehlt, um stattdessen in einer seriellen Konformität zu funktionieren. Nicht zuletzt ist es vor allem ein Denken in Filmreihen, welches das Genre prägt – Nightmare On Elm Street, Halloween und Freitag, der 13. kommen auf insgesamt 30 Kinofilme, Scream, Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast und Final Destination auf zusammen zehn. Und auch wenn John Carpenters Genrebegründer Halloween dereinst äußerst frisch und intelligent war, bestätigte spätestens das kommerzielle Fehlschlagen von Halloween III, dass die meisten Rezipienten dieser Werke Abweichungen vom gewohnten und vertrauten Grusel eher ablehnend gegenüber zu stehen scheinen.

 

Dies bedeutet nicht, dass die Filme nicht gut gemacht oder unterhaltsam sein müssen – der erste Nightmare aus dem Jahr 1984 ist z.B. ein großartiger Film. Es ist aber auffällig, dass das Genre außer dem ersten Halloween zumindest in den USA kein wirkliches Meisterwerk, sondern zumeist eher ordentlich gemachtes Hollywood-Fließbandkino hervorgebracht hat. Gerade die Nightmare-Filme, die hier schon zum Unterhaltsamsten zählen, wirken daher wie verpasste Chancen, mehr zu leisten, indem sie zwar ein ständiges Wechseln zwischen Realität und Traumwelt zum Gegenstand haben, jedoch dieses Potential zum Unwirklichen nie so intensiv ausgenutzt haben, wie es z.B. den nur entfernt genreverwandten Hellbound - Hellraiser II oder Silent Hill gelang. Und leider macht das Nightmare on Elm Street-Remake hier auch keine Ausnahme: Die Träume sind tricktechnisch zwar ordentlich, aber doch recht uninspiriert und auch uneinheitlich umgesetzt. In der Anfangssequenz in einem Schnellrestaurant wird noch sehr schön, wenn auch nicht sonderlich originell mit einer surrealen Beleuchtung gearbeitet, andere Träume, wie ein verbrannter Schulraum oder ein verschneites Zimmer bleiben hingegen lustlose Adaptionen bereits zu oft Gesehenens. Der Großteil des Films, so etwa die Szenen der Fabrik, in denen Antagonist Krueger vor Beginn der Filmhandlung in sein untotes Dasein überführt wird, wirkt zu naturalistisch, um wirklich filmisch gefangen zu nehmen.

 

Auch die Handlung ist nur eine, etwas neu sortierte und behutsam modernisierte aber unentschuldbar brave Nacherzählung, in der sogar die eigentlich sonst genreübliche Tittenszene schmerzlich vermisst wird. Sie verliert zudem dadurch im Vergleich zu dem Original bzw. den Vorgängern, dass Robert Englund, dessen Darstellung des Freddy Krueger maßgebliche Erfolgsgrundlage der bisherigen Filme war, durch Jackie Earle Haley ersetzt, Haley jedoch nicht die Gelegenheit gegeben wurde, hier wirklich etwas Neues und Eigenes zu entwickeln; freilich soll nicht ausgeschlossen werden und bleibt zu hoffen, dass der neue Darsteller im alten Pullover dieses Manko in eventuellen weiteren Fortsetzungen noch behebt.

 

Dieses Remake hätte schlimmer sein können, ist aber von der Reihe der verpassten Chancen des Genres eine der offensichtlichsten. Den Rezensenten und vermutlich auch das Publikum der alten Filme wird Nightmare on Elm Street mit schulterzuckender Gleichgültigkeit zurücklassen. Andererseits ist zu beachten, dass der doch augenscheinlich sehr in Hinblick auf die heutige Teenagergeneration produzierte Nightmare on Elm Street zumindest für diese Zielgruppe nicht ganz ohne Wert sein mag. So sind, wenn auch sehr schulbuchmäßig, inszenatorische Grundlagen vorhanden, sodass der Film Zuschauern, die diesen noch nicht als reinen Neuaufguss wahrnehmen, eine wertvolle Einführung geben und damit zumindest einen Zweck als »Peter und der Wolf« für 16- bis 20jährige junge Horrorfreunde erfüllen mag.

 

Carsten Tritt

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: schnitt

Zu diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

 

Nightmare on Elm Street

A NIGHTMARE ON ELM STREET, USA 2010 - Regie: Samuel Bayer. Buch: Wesley Strick, Eric Heisserer. Kamera: Jeff Cutter. Mit: Jackie Earle Haley, Kyle Gallner, Katie Cassidy, Rooney Mara, Thomas Dekker. Warner, 95 Minuten

 

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