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Die Muppets

 

 

Film für zu schnell Gewachsene

In James Bobins Relaunch von "The Muppets" stellt Jason Segel, die Frage, die jeden Jungen umtreibt: "Am I a Man or Am I a Muppet?"

"The Muppets" ist ein Kinderfilm für Erwachsene. Nicht, weil die von Jason Segel, Nicholas Stoller (Buch) und James Bobin (Regie) betreute Reanimation des vorgestrigen Franchise besonders smart oder mit allen popkulturellen Wassern gewaschen wäre, wie es seit geraumer Zeit zum guten Ton auch solcher Produktionen gehört, die sich in erster Linie an ein minderjähriges Publikum richten. Dass "The Muppets" sich seltsam spröde zeigt gegen diesen neuen Industriestandard und ihn sich nur halbherzig - in Form gelegentlichen Augenzwinkerns - zu eigen macht, ist eigentlich als gute Nachricht zu verbuchen. Mit der anspielungsreich überspannten Uneigentlichkeit der "Shrek"-Serie hat der ironische Grundton von "The Muppets", der sich in der Regel in dem freundlichen Hinweis erschöpft, dies alles sei nicht beim Wortlaut zu nehmen, wenig gemein.

Jason Segel, den man spätestens seit seiner Hauptrolle in Nicholas Stollers grandios verrannter Komödie "Forgetting Sarah Marshall" (2008) lieben muss, aber schon viel länger, nämlich seit seinem Durchbruch in Paul Feigs Highschool-Serie "Freaks and Geeks" (1999-2000), lieben könnte, ist die ideale Besetzung für "The Muppets", weil es seinen Figuren ein ums andere Mal gelingt, die sie umgebende Ironie zu suspendieren, ohne am Ende als rettungslose Toren dazustehen. Es mag mit seiner linkischen, riesenhaften Physis zu tun haben - ist er zu schnell gewachsen? -, dass man seinen erwachsenen Kindsköpfen ihre Unbedarftheit und Naivität nicht übel nehmen mag. In dem Sinn also, der in Segels Figuren anschaulich wird, ist "The Muppets" ein Kinderfilm für Erwachsene: ein Film für die zu schnell Gewachsenen. Nur wer sich in dieser Beschreibung wiederfindet, wird Segels Lamento zu schätzen wissen, das in der besten Gesangseinlage des Films zum Ausdruck drängt: "Am I a man? / Or am I a muppet? / If I'm a muppet / Then I'm a very manly muppet / If I'm a man / That makes me a muppet of a man".

"The Muppets" macht keinen Hehl daraus, dass es nicht darum geht, eine irgendwie glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Um einen bösen Ölbaron (Chris Cooper) geht es, der sich das Studio der Muppets unter den Nagel reißen will, um darunter nach Öl zu bohren. Mit anderen Worten: Solange es zum Vorwand reicht, dem Charakterdarsteller Chris Cooper und einer nicht zu überblickenden Menge an Cameos beim Chargieren und anderen Albernheiten zuzusehen, ist dem Drehbuch alles Recht. In die Gänge kommt der Film darum leider erst gegen Ende, wenn er für eine seligmachende Viertelstunde alle erzählerischen Ambitionen hinter sich lässt und einfach Showeinlagen in Serie schaltet. Besondere Erwähnung verdient eine Barbershop-Version von Nirvanas "Smells Like Teen Spirit", kongenial vorgetragen von Sam the Eagle, Beaker, Animal und Rowlf the Dog, die den marktvergessenen Eigensinn dieses ganzen Unterfangens sehr schön pointiert.

Gemessen an der Präzision, mit der "The Muppets" schon früh die entscheidende Frage stellt ("Am I a man, or am I a muppet?"; s.o.), bleibt der versöhnliche Schluss enttäuschend unterbestimmt. Die Ausgangsfrage versteht erst richtig, wer sich vergegenwärtigt, dass sie in die Muppet-Welt aus dem Komödiensubgenre der Bromance hineinragt. Dort steht mit der Beziehung zwischen zwei Freunden immer auch die Beziehung zur Frau auf dem Prüfstand. Ein Mann zu sein, und kein Muppet, das heißt vor diesem Hintergrund so viel wie: so weit der narzisstischen Kinderzimmernische entwachsen, dass man liebes- und beziehungsfähig ist. Die (berechtigte) Utopie der Bromance besteht natürlich darin, am Ende womöglich doch beides haben zu können. Aber diesen glücklichen Ausgang müssen sich die Bros erst verdienen, während er ihnen in "The Muppets" eher zufällt. Nur dem Frosch Kermit, dessen Herzensbildung parallel zu der seiner menschlichen Begleiter verläuft, nehmen wir das emotionale Wachstum wirklich ab, obwohl ihm dafür wenig mehr als drei Gesichtsausdrücke zur Verfügung stehen. Kermit, the very manly muppet: ein später Triumph des analogen Puppenspiels.

Nikolaus Perneczky

Dieser Text ist zuerst erschienen im:www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

Die Muppets
USA 2011 - Originaltitel: The Muppets - Regie: James Bobin - Darsteller: Jason Segel, Amy Adams, Chris Cooper, Zach Galifianakis, Rashida Jones, Dahlia Waingort, Neil Patrick Harris, Katy Perry - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 109 min. - Start: 19.1.2012

 

 

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