zur startseite

zum archiv

zu den essays

 

Muppets 2 - Muppets Most Wanted

 


 

Der gefährlichste Frosch der Welt

Unterhaltungskino der guten, alten Schule ist James Bobins "Muppets 2". Mulmig wird einem höchstens im Gulag.

"The End" - auch eine Art, einen Film zu beginnen. Sehr nahtlos schließt "Muppets 2" an den Vorgänger, James Bobins enorm erfolgreichen Neustart der Handpuppen-Reihe von vor zwei Jahren an und bleibt auch im Folgenden in erster Linie Meta: Warum steht hier noch eine Kamera, wenn der Film doch abgedreht und abgeschlossen ist? Die Antwort folgt auf grünem Froschfuße: "We're doing a sequel", singt Kermit beschwingt und tritt buchstäblich aus dem Filmframe heraus und in die Welt hinter den Kulissen Hollywoods hinein. Denn: "That's what we do in Hollywood." Und eine Warnung gibt es gleich mit dazu: Sequels liefern schließlich einfach nur mehr vom selben, sind oft weniger gut und überhaupt meist sehr einfallslos.

Gottlob kommt es anders. Hatte der - hübsche, gelungene - erste Muppet-Film der Reboot-Phase noch gewisse Skrupel, sich tatsächlich auf die Muppets und deren etablierte Welt einzulassen, ist das Franchise mit "Muppets 2" wieder ganz ein Muppet-Film klassischer Façon: Die wiedervereinte Truppe gerät an den windigen Manager Dominic Badguy (Ricky Gervais), der sie auf eine ausgedehnte Tour durch Europas größte Hallen schickt, die in auffallender Konsequenz neben den größten Kunsthallen der alten Welt liegen, welche am Tag nach dem Auftritt meist einen schweren Einbruch zu beklagen haben. Etwa zeitgleich befreit sich Constantine, der gefährlichste Frosch der Welt, der Kermit wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, aus einem russischen Gulag - und wenig später scheint Kermit in Auftritt und Verhalten wie ausgetauscht.

Es ist ein direkt aus den Bildern des Kinos gespeistes Märchenland-Europa, das sich James Bobin und sein Team imaginieren: In Deutschland wirken die Hallen der Kultur alt und preußisch (und das "Die Muppets" zum Entsetzen amerikanischer Puppenaugen wie eine teutonische Morddrohung alten Schlags), während es in Ost-Berliner Vororten noch zugeht wie weiland unter Ulbricht. Der Kriminal- und Caper-Plot scheint direkt aus dem "rosaroten Panther" und vergleichbaren Filmen entnommen, europäische Polizisten sind tatsächlich noch verknautschte Ermittler in Trenchcoats, die in alten französischen Mini-Autos durch die Gegend fahren: Das Euro-Kriminalkino der 60er und 70er stand in dieser schönen Hommage für vieles Pate.

Aber auch das Subgenre der Gefangenenlager-Klamotte, wie sich in den ausgedehnten Gulag-Szenen zeigt, in denen der ausgetauschte Kermit um seine Freiheit kämpft. Ein klein wenig mulmig wird einem bei diesen Szenen doch: Der Verdacht, dass sich die Macher von der historischen und gesellschaftlichen Distanz zum sowjetischen Gefangenenlager-System etwas arg zur Unbekümmertheit haben mitreißen lassen, steht zumindest kurzfristig im Raum, sorgt aber auch für angenehme Irritation inmitten all der Beschwingtheit: Was darf, was kann Unterhaltungskino der intelligenteren Art im aneignenden Umgang mit der Realität der historischen Schattenseiten des 20. Jahrhunderts? Und macht "Muppets 2" als hochgradig intertextuell angelegter Fillm nicht gerade mit solch offenen Verweisen kenntlich, wie problematisch es ist, dass sich eine stark profitausgerichtete Industrie ihre Stoffe wirklich überall sucht - auch dort, wo sich Glitz und Glam der Filmindustrie schwer an den Gegebenenheiten reibt?

Dass "Muppets 2" solche Spannungen zulassen und aushalten kann, macht ihn schließlich doch zu einem starken Film. Wie auch die Tatsachen, dass er bis in die Nebenrollen exzellent gecastet ist - allein Tina Fey als froschverliebte Aufseherin Nadya! -, die Musicalnummern auf gewohnt hohem Niveau geschrieben und umgesetzt sind und sein großes Herz für das gute, das liebevoll gemachte Unterhaltungskino schlägt.

Thomas Groh

Dieser Text ist zuerst erschienen im www.perlentaucher.de

 

 

Die Muppets 2: Muppets Most Wanted

(Muppets Most Wanted) - USA 2014 - 107 Minuten - Kinostart(D): 01.05.2014 - FSK: ohne Altersbeschränkung - Regie: James Bobin - Drehbuch: James Bobin, Nicholas Stoller - Produktion: David Hoberman, Todd Lieberman - Kamera: Don Burgess - Schnitt: James Thomas - Musik: Christophe Beck - Darsteller: Tom Hiddleston, Christoph Waltz, Debby Ryan, Danny Trejo, Tina Fey, Ricky Gervais, Ray Liotta, Til Schweiger, Ty Burrell, Frank Langella, Peter Serafinowicz, Usher Raymond, Dexter Fletcher, Céline Dion, Sean Combs - Verleih: Walt Disney

 

zur startseite

zum archiv

zu den essays