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The Mechanic

 

 

 

 

Straight zieht Jason Statham seinen Job als Actionstar im Remake des Charles-Bronson-Films "The Mechanic" durch.

Viele Filme dieser Art gibt es nicht mehr: Mittelbudgetierte, geradlinige Genrestreifen, Bewegungskino ohne Franchise-Überbau, getragen von einem vom Aussterben bedrohten Schauspielertyp: dem Actionstar. Die großen Actionstars der Achtziger und Neunziger haben sich in die Direct-to-DVD-Hölle verabschiedet (Steven Seagal, Dolph Lundgren, Wesley Snipes, Jean-Claude Van Damme); oder sie verfolgen politische respektive autorenfilmerische Ambitionen (Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone). Übrig geblieben sind eine Handvoll Spätberufene: Nicolas Cage, Liam Neeson und Spätgeborene: Jason Statham, Dwayne Johnson, Vin Diesel.

Jason Statham ist die kompakte, ökonomische Präzisionsmaschine unter den Actionstars der Gegenwart. Bis hin zur schütteren Kurzhaarfrisur ist er das exakte Gegenstück zur exzessiven Körperlichkeit Schwarzeneggers oder Lundgrens, jede Bewegung, jedes Wort scheint einem naheliegenden Zweck direkt untergeordnet. Selbst die völlig durchgeknallten "Crank"-Filme des Regiegespanns Neveldine-Taylor nehmen ihren Ausgangspunkt bei der vorgängigen sachlichen Neutralität, fast schon: Eigenschaftslosigkeit Stathams: Wahnwitz und Irrationalität müssen von außen, als Droge, in diesen Körper injiziert werden und strahlen dann über 90 delirierende Minuten von ihm ab. "The Mechanic" besetzt Statham dagegen straight und naheliegend: als den perfektionistischen Auftragskiller Arthur Bishop, auf dessen Waffe "victory loves preparation" eingraviert ist.

Eigentlich ist Arthur ein Einzelkämpfer, seine zwischenmenschlichen Kontakte beschränken sich aufs Geldverdienen und gekauften Sex, aber nachdem er einen alten Mitstreiter abservieren muss, nimmt er ausgerechnet dessen Sohn Steve McKenna (Ben Foster) als Lehrling bei sich auf. Foster erscheint schon rein körperlich als eine unfertige, unbehauene Version von Statham. Noch etwas schlaksig und ungelenk ist sein Steve, das Grinsen zu schief, die Frisur ungeordnet, die White-Trash-Herkunft unleugbar. Die Frage ist dann, ob Arthur diesen Steve sich selbst soweit gleichmachen kann, dass der erkennt, dass Rache ein schlechtes Geschäftsmodell ist.

Der Film ist das Remake eines gleichnamigen Charles-Bronson-Vehikels aus den siebziger Jahren (deutscher Titel damals: "Kalter Hauch", Regie: Michael Winner). Narrativ betrachtet hebt sich die neue Version von dem älteren Film nur in einer etwas überflüssigen Schlusspointe ab. Ansonsten beschränkt sich Regisseur Simon West darauf, die Vorlage eins zu eins in den Zeitgeist der Gegenwart zu übersetzen - was schon damit beginnt, dass sein erster Auftrag den Helden nicht mehr in ein heruntergekommenes Downtown-Appartment, sondern in eine schicke Villa mit Swimming Pool führt. Auf der Strecke geblieben ist auch die etwas fadenscheinige existentialistische Note des Originals, in dem Bronson rotweintrinkend und klassikhörend ausführlich über den Sinn und Zweck seines Daseins reflektieren durfte. Übrig geblieben ist davon lediglich, als stets nur kurz durchscheinende Rückseite der Nüchternheit Stathams, ein leise melancholisches Pathos, das an einer Stelle auf die absurde Formel "you're homesick for a place you've never been" gebracht wird. Deutlich konzentrierter als Winner entwickelt West den Plot entlang ausgedehnter, abwechslungsreich gestalteter und zunehmend intensiverer Actionsetpieces, in denen Arthur und Steve für einen immer weniger anonymen Auftraggeber eine Reihe von Männern erledigen, die ihre Beseitigung praktischerweise auch stets durch moralische Verkommenheit rechtfertigen.

Originell ist an "The Mechanic" überhaupt nichts, aber seiner gut ausgearbeiteten Eskalationslogik ihre Konventionalität vorzuwerfen, führt nicht weit. "The Mechanic" ist ein kleiner, völlig unprätentiöser Film, in dem man sich äußerst wohlfühlen kann, wenn man seine Voraussetzungen akzeptiert. West, Ende der Neunziger mit Filmen wie "Con Air" und "Lara Croft: Tomb Raider" eine große Nummer im Mainstreamkino, zuletzt allerdings vorwiegend im Fernsehen aktiv, ist weit davon entfernt, ein auteur, oder auch nur irgendwie ästhetisch eigensinnig zu sein. "The Mechanic" ist in technischer Hinsicht ganz und gar ein Kind seiner Zeit, schnell geschnitten, hektisch-popmusikalisch instrumentiert und außerdem ein Musterbeispiel für das blaugrün-orangelastige color-grading, das die Hollywood-Bildproduktion spätestens seit "Transformers" fest im Griff hat. Freilich ist blaugrün-orange so hässlich nun auch wieder nicht und im Grunde nicht viel aufdringlicher als die schummrig-warmen Farbschemata der Siebziger, in denen das Original schwelgt - oder, nur zum Beispiel, als das Chiaroscuro des film noir. Die Thrills des B-Films haben derartige Dekorwechsel schon mehrere Male überlebt und sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch zukünftige überleben.

Lukas Foerster

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

 

The Mechanic
USA 2011 - Regie: Simon West - Darsteller: Jason Statham, Ben Foster, Donald Sutherland, Tony Goldwyn, Mini Anden, Christa Campbell, Nick Jones, Katarzyna Wolejnio, Jeff Chase, Beau Brasso - FSK: keine Jugendfreigabe - Länge: 93 min. - Start: 7.4.2011

 

 

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