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Mammut

Warum "Mammut" eine Verteidigung lohnt

 

Kaum ein Film wurde so ausgebuht und verlacht wie Lukas Moodyssons "Mammoth". Was, auch wenn das Werk gewiss seine Probleme hat, sehr ungerecht war. "Mammoth" ist ein naiver Film, der einfache Dinge nicht kompliziert machen will und in mitunter ergreifender, mitunter verstörender, aber immer aufrichtiger Schlichtheit elegant zur Bildsprache bringt, was er auf dem Herzen hat. Er zeigt - ohne sie im mindesten psychologisch zu erklären - Menschen, die leiden. Und nicht einfach leiden am Elend der Welt, sondern durchaus an sehr konkreten Dingen: an der Abwesenheit ihrer Mutter, am Verlust des geliebten Kindermädchen, an dem, was Menschen einander antun. Und er zeigt dies Menschen als solche, die suchen, die gerettet und erlöst werden wollen.

 

"Mammoth" ist nicht frei von Klischees. Man liegt wohl nicht falsch, wenn man zu verstehen glaubt, dass die Haltung, die dahinter steht, wollte man sie direkt verrechnen, konservativ und, horribile dictu, christlich zu nennen ist. Auch als linker Atheist wird man doch fragen dürfen: Spricht das per se schon gegen einen Film - obwohl er genau für diese Haltung einen entsprechenden ästhetischen Ausdruck findet? Und was als größte Schwäche von "Mammoth" begriffen wurde, ist sowieso seine eigentliche Stärke. Er verzichtet weitgehend auf Plot-Konstruktionen (dass es immer noch eher zuviel als zuwenig davon gibt, ist eines der Probleme des Films), er individualisiert seine Figuren nicht, sondern entwirft sie naiv und in aller Einfachheit als Träger von Haltungen und Gefühlen. Weil er auf diese Weise wirklich anders geartet war als der Rest des Wettbewerbs, war "Mammoth" - von allen vorherrschenden Tendenzen des kommerziellen wie des künstlerischen Films gleich weit entfernt - tatsächlich das erratischste, das ungewöhnlichste Werk im Wettbewerb. Und man musste ihn nicht einmal wirklich gelungen finden, um von seiner Aufrichtigkeit berührt zu sein.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen, anlässlich der Berlinale 2009 im: www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

Mammut

Schweden / Dänemark / Deutschland 2009 - Originaltitel: Mammoth - Regie: Lukas Moodysson - Darsteller: Gael García Bernal, Michelle Williams, Marife Necesito, Sophie Nyweide, Tom McCarthy, Jan Nicdao, Run Srinikornchot, Perry Dizon - Länge: 125 min. - Start: 10.6.2010

 

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