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Knight & Day

Nichts ohne Etwas

 

Viel Lärm um Nichts veranstalten Cameron Diaz, Tom Cruise und ein kleines Energiewunder im Sommerblockbuster "Knight & Day".

 

Der aktuell größte Hollywood-Star spielt in "Knight & Day" gar nicht mit: der sonst allgegenwärtige Kerl namens 3 D. Auch der übelste Rüpel, gerade per Tonband von seiner Ex als rassistischer Frauenprügler gerichtsnotorisch gemacht, fehlt: Mel Gibson. Immerhin Seine Unmöglichkeit Tom Cruise ist dabei: Sofahüpfer, Dianetik-Prophet, Schirrmachers Held. Auf dem Flughafen guckt er sich eine dem Publikum gut bekannte Blondine aus, Cameron Diaz. Er rempelt sie an, einmal und zweimal, erst viel später wird uns als Zuschauern begreiflich gemacht, warum genau er das tut. Erst mal ist es nur rätselhaft. Rätselhafter noch allerdings das Flugzeug, in das die Blondine wegen angeblicher Überbuchung zunächst nicht und dann doch darf. Der Held, der Roy Miller heißt (wenngleich eigentlich noch einmal anders) bandelt über Drinks mit ihr, dann, als sie sich frisch machen geht, mit den sehr wenigen anderen Flugzeuginsassen an. Sie überlebt, die anderen nicht. Beginn einer wundersamen Beziehung.

 

"Knight & Day" ist ein Container für allerlei: Diaz & Cruise, Jäger & Gejagte, möglicherweise Gute & zum Schein Böse, Autoverfolgungsjagden mit Schuss, Südseeinselromantik, Kampf zwischen Stier & Motorrad, robuste Scherze, Gefechte sonder Zahl, Schauplatzwechsel wie Bewusstseinsverluste galore. Aus dem Mystery-Anfang pellt sich allzu schnell die ActionRomCom heraus, als die sich der Film angestrengtestens versucht. Einräumen mag man, dass das angestrengte Versuchen insbesondere des Unangestrengten das Metier keines anderen Stars so sehr ist wie das des Tom Cruise. Insofern ist die Besetzung geglückt. An der Leichtigkeit, die eine so gewagte Genre-Mixtur gut brauchen könnte, fehlt es dann allerdings an allen Ecken und Enden.

 

Das eigentliche Problem aber ist, dass der Mix nicht gelingt. Für die RomCom ist die Action hier irgendwie nicht der richtige Unterbrecher. Der Widerstand, der das Glück des Paars dem Genre entsprechend verzögern muss, sollte anderer Art sein als immer nur Zwischendurchkampf und/oder Betäubungstrunk. So kommt die Action ungut dazwischen, ohne für sich originell oder spannend genug inszeniert zu sein, um mehr als das Minimum an Adrenalinausstoß zu bewirken. Kompliziert sind die rund um den absurden McGuffin entfalteten Spionageverwicklungen. Wen kümmert's, wer jetzt gerade gegen wen und warum intrigiert. Dass der Plot kein ernstzunehmender ist, steht dem Film in Schweißperlen auf die Stirn geschrieben. Trotzdem windet und wendet er sich weiter und weiter.

 

Staunen muss man auch über die post-ironisch-post-feministische, vulgo: einfach nur reaktionäre Genderverteilung in Sachen aktiver Kampfkraft und passiv bewunderndem Augenaufschlag: Der Mann als undurchsichtiger Held, während die sein Handeln und Können entsetzt-begeistert bequietschende Blondine gerne in Ohnmacht fällt. Gegen Ende hin emanzipiert sie sich etwas als rückwärts schießendes Cowgirl auf dem Motorrad und in müder Bekleidungsscherzumkehrung im Schlusspointenmoment. Zu wenig, zu spät. ActionRomCom ist natürlich von vorneherein die Alternativbezeichnung für ein Genre des Namens "Viel Lärm um nichts". Der Lärm macht in "Knight & Day" (bescheuerter Titel, übrigens) nur gelegentlich Spaß. Und dem Nichts fehlt das gewisse Etwas.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: wwwperlentaucherde

 

 

Knight and Day

USA 2010 - Regie: James Mangold - Darsteller: Tom Cruise, Cameron Diaz, Peter Sarsgaard, Viola Davis, Paul Dano, Jordi Mollà, Maggie Grace, Marc Blucas, Olivier Martinez, Falk Hentschel, Liam Ferguson, Jerrell Lee - FSK: ab 12 - Länge: 109 min. - Start: 22.7.2010

 

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