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Immer Ärger mit 40

 


 

Lifestyle-Magazine und Werbung leben seit Jahren die 40 als neue 30 vor, doch in Judd Apatows „Immer Ärger mit 40“ stürzt die Vier vor der Null die Protagonisten noch in existenzielle Nöte. Obwohl es auf den ersten Blick an nichts mangelt: ein Haus mit Pool, vor der Tür ein BMW, zwei Kinder, dazu die gesamte Produktpalette aus dem Steve Jobs-Imperium. Er hat sein eigenes Indie-Plattenlabel, sie führt eine kleine Boutique. Allerdings sind die letzten Ratenzahlungen geplatzt, die große Tochter kommt in die Pubertät und der alternde Rockstar, der gerade unter Vertrag genommen wurde, verkaufte keine Platten, weil seine Fans noch nie von iTunes gehört haben (sie sind übrigens weit jenseits der 40). Die Krise, die sich nur in den Neurosen ihrer Protagonisten am Übergang in die nächste Lebensphase als solche zu erkennen gibt, ist ein erzählerisches Prinzip der neuen amerikanischen Komödie, die Apatow und seiner „Familie“ unendlich viel verdankt.

„Immer Ärger mit 40“ ist nun ein Rückfall in die wohlfeile Regression des Genres „amerikanische Familienkomödie“ – immerhin mit allen Vorzügen des Apatowschen Humor-Kontinuums. Die Darsteller sind großartig, auch wenn sich die Höchstleistungen diesmal eher an der Peripherie der Aufmerksamkeit abspielen. Melissa McCarthy, die schon in “Brautalarm” ihre Unerschrockenheit unter Beweis stellte, geht im Abspann komödiantisch the whole nine yards, wie der Amerikaner sagt. John Lithgow und Albert Brooks als Väter-Gespann personifizieren mit ihren Rollen gewissermaßen das fluide Changieren von Komödie und Drama in den Filmen Apatows. Sie werden mit ihren Schwächen und Unwägbarkeiten zu echten Sympathieträgern, während die Kinder – Leslie Mann und Paul Rudd in einer Reprise auf ihr Ehepaar in “Beim ersten Mal” – in ihrer Larmoyanz beziehungsweise in der Glückseligkeit ihrer zwanghaft verlängerten Adosleszenz leicht nervtötende Züge annehmen.

Debbie ist nämlich gerade 40 geworden, feiert aber in einem Anflug von verzweifelter Selbstverleugnung ihren 38. Geburtstag - ein Schmierentheater das etwas später beim Arztbesuch noch in eine schöne Pointe umgemünzt wird. Pete wiederum schenkt seiner Liebsten unter Einsatz von Viagra einen besonders langen Quickie unter der Dusche, woraufhin Debbie sich noch ein bißchen älter und unattraktiver fühlt. (Dafür lässt sie eine überaus komische Megan Fox in ihrer Boutique arbeiten) So wie das Paar Mann/Rudd in “Beim ersten Mal” den gesetzteren Gegenentwurf zur Patchworkfamilie Heigl/Rogen verkörperte, könnte man “Immer Ärger mit 40” jetzt als familienfreundliches, wertekonservatives Gegenstück zu “Beim ersten Mal” bezeichnen. Das Aufbrechen von Genreformen, mit dem Apatow die amerikanische Komodie reformierte, manifestiert sich vor allem in der Gesamtlänge von stolzen 135 Minuten. Seinen mäandernden Geschichten, die ihre Stimmungen und ihren eigenwilligen Gemeinsinn auf den merkwürdigsten Seitenpfaden finden, Redundanz vorzuwerfen, verkennt Apatows Verständnis von gesellschaftlicher Komödie, die sich nicht auf ‘Situationen’ zurückzieht. „Immer Ärger mit 40“ kreist allerdings so lange um seine Figuren und ihre Alltagsprobleme, dass er darüber vergisst, auf den Punkt zu kommen.

Andreas Busche

Dieser Text ist zuerst erschienen in: epd Film

Zu diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 
Immer Ärger mit 40

USA 2012 - Originaltitel: This Is 40 - Regie: Judd Apatow - Darsteller: Paul Rudd, Leslie Mann, Maude Apatow, Iris Apatow, Jason Segel, John Lithgow, Albert Brooks, Megan Fox - Laufzeit: 134 min. - Start (D): 14.03.2013

 

 

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