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House Bunny

Ganz von vorgestern ist die Komödie "House Bunny", die ein weibliches Nerdkabinett in die Häschenschule schickt.

 

Zwei Häuser waren - gleich an Würdigkeit - , hier in Verona, wo die Handlung steckt, durch alten Groll zu neuem Kampf bereit, wo Bürgerblut die Bürgerhand befleckt. Aus dieser Feinde unheilvollem Schoß, das Leben zweier Liebender entsprang ...

 

Stopp. So kann man eine Kritik zu "House Bunny" nicht beginnen. Würdigkeit: Quatsch. Verona: Quatsch Quatsch. (Wir sind natürlich in LA.) Bürgerblut: Quatsch Quatsch Quatsch. Mit einem Wort: This ain't no Shakespeare.

 

Willkommen stattdessen erst mal im Haus, das dem unheilvollen Schoß Hugh Hefners entsprang. Herein spazieren wir nämlich ins "Playboy Mansion" zu Filmbeginn. Ein Anwesen ist's, in dem der Hedonismus und die Verachtung der inneren Werte gedeihen. In dem prächtige Kerle berauschende Drinks zubereiten. In dem leicht bekleidete Frauen am Swimming-Pool sitzen und sich nichts sehnlicher wünschen, als von der Kamera entjungfert, soll heißen zum Centerfold und Playmate des Monats zu werden. Das Leben als Foto-Shooting mit Mix-Getränk, frei nach der Dokusoap "The Girls of the Playboy Mansion" und Hugh Hefner, der Playboy-Gründer und Beglücker der blondesten Frauen, steckt, bauch- und sonstwo gepinselt, natürlich aasig lächelnd auch drin, in Handlung und Film.

 

Dafür fliegt Shelley (Anna Faris) gleich raus. Nicht aus dem Film, der ihr aus dem Playboy Mansion ins richtige Leben folgt, sondern aus dem Bunny-Paradies. Dabei hat sie ganz sicher von keinem Baum der Erkenntnis genascht. Hat keiner Schlange gelauscht, keinen Apfel gepflückt und womöglich auch keinen Adam geküsst. "Ich bin erst 27", sagt sie, die niemals Playmate des Monats war. "Das sind", kommt die ernüchternde Antwort, "59 Jahre im Bunny-Maß". Klingt hart, ist aber, wie wir später erfahren, so gar nicht wahr. Überhaupt alles nur eine blöde Intrige üblen Natterngezüchts, nichts als alter Groll und neue Eifersucht. Näher, Hugh Hefner, wollen die Playmates zu dir und gehen dafür, wenn es sein muss, in aller Unschuld auch über Leichen.

 

Shelley, das Häschen, ahnt davon nichts. Schließlich ist sie dumm und tut nicht nur so. Im Hirn ist nicht viel, aber das Herz sitzt am rechten Fleck. Oh, du wohlgerundete Verkörperung amerikanischer Werte! Oh, du zukünftige Hockey-Mom! Oh, du blonde blauäugige blöde Kuh! Dabei ist Shelley gewiss kein Barracuda, eher ein freundlicher Putzerfisch. Wird auch keine Gouverneurin mit Russlandblick aus ihr, dafür eine Art resolute Gouvernante. Es verschlägt sie nämlich ausgerechnet ins akademische Milieu, da lässt der sehr viel bessere "Natürlich blond", von denselben Autorinnen verfasst, recht schön grüßen. Shelley, auf die Straße gesetzt, klappert des komischen Kontrasts wegen die Sorority-Häuser ab und landet beim schwer in seiner Existenz gefährdeten Haus Zeta Alpha Zeta, in dem ein Nerdkabinett aus Feministinnen, Lesben und sonstwie Gestörten steckt.

 

Shelley, ganz der gesunde Menschenverstand im gesunden Bunnykörper, treibt alsbald den Spaßbremsen das Spaßbremsen aus. Als Auto-Putzerfisch im Vorgartengrün. Als Streberinnenschreck von der Main Street. Sie zeigt den verklemmten Mädels, was in ihnen steckt, nämlich die reine postfeministische Freude am Leben. Macht euch locker, ihr Lieben. Erst übertreiben sie's in der Überwindung des inneren und äußeren Schweinehunds, dann findet sich das richtige Maß und der sozial engagierte Junge von nebenan, den man ganz First-Dude-mäßig heiraten kann, der findet sich auch. Diesen Kalibrierungsprozess schildert der Film, der sich mit treuherzigem Aufschlag der Augen zu den äußeren auch die inneren Werte wünscht und insgesamt doch nur spielen will. Für die Botschaft, die er vermutlich nicht mal zu haben glaubt, ist "reaktionär" gar kein Ausdruck. Aasig lächelnd gibt Hugh Hefner zum Ganzen, das versteht sich von selbst, seinen Segen.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen am 08.10.2008 in: www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

House Bunny

USA 2008 - Originaltitel: The House Bunny - Regie: Fred Wolf - Darsteller: Anna Faris, Emma Stone, Kat Dennings, Katherine McPhee, Colin Hanks, Beverly D'Angelo, Lauren Hill, Rumer Willis, Kiely Williams, Dana Goodman - FSK: ab 6 - Länge: 97 min. - Start: 9.10.2008 

 

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