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Für immer Shrek

Der grüne Oger Shrek geht im Lande Weitweitweg bereits in die vierte Runde und reiht sich damit ein in die Blockbuster mit hohen Seriennummern.

 

Der Hollywoodsommer wird mehr denn je von höheren Seriennummern dominiert. Zwischen den zweiten "Iron Man"-Film und den dritten "Twilight"-Streifen schieben die Studios das tatsächlich bereits vierte Abenteuer des grünen Ungetüms Shrek. Nach dem recht mäßigen "Shrek der Dritte" waren die Erwartungen nicht allzu hoch. In der Tat kann auch "Für immer Shrek" nicht an die dynamische, überdrehte, postmodernen Fülle der ersten beiden Filme anschließen. Aber so schlimm ist es nun doch wieder nicht gekommen: Auch dieser vierte Film ist noch ganz okay.

 

Im Grunde gibt es im fiktionalen Märchenland "Weitweitweg", in dem der Oger Shrek sich inzwischen mitsamt Familie häuslich niedergelassen hat, nichts mehr zu erzählen. Vielleicht gab es sogar überhaupt nie etwas zu erzählen, weil alles bereits einmal woanders erzählt worden war und ohnehin nur als bereits Erzähltes, als Zitat, interessiert. Anders als der Vorgänger versucht " Für immer Shrek " erst gar nicht mehr, eben darüber hinweg zu täuschen. In einer ausgedehnten, wunderbaren Montagesequenz zeigt "Shrek für immer" zunächst das ganz normale Oger-Leben im Einfamilienhaus als einen einzigen, spießig-debilen Alptraum. Anschließend erfindet der Film eine Fantasiewelt innerhalb einer Fantasiewelt, gleichzeitig als Rechtfertigung der eigenen Existenz und um diesem Alptraum einer gutbürgerlichen Existenz zu entkommen.

 

Schuld ist nominell das böse Rumpelstilzchen, das bereits in "Shrek der Dritte" mit von der Partie war. Jetzt schmiedet es einen etwas verwirrenden Plan voller Zeitparadoxien, der darauf hinaus läuft, dass es selbst zum König gekrönt wird und Shrek in einer Parallelwelt gegen seine eigene Auslöschung ankämpfen muss. Seine Angetraute Fiona ist Rebellenführerin gegen das Rumpelstilzchen und erkennt ihren Shrek hier genauso wenig wieder wie die ewigen Sidekicks Esel und Gestiefelter Kater, deren Originalsprecher Eddie Murphy und Antonio Banderas die besten Argumente dafür sind, sich den Film in eben dieser Originalversion anzusehen. Der Gestiefelte Kater, dessen eigenes Spin-off bereits seit längerem angekündigt ist und nach den verschärften Ermüdungserscheinungen der Originalserie vermutlich nicht lange auf sich warten lassen wird, hat enorm zugenommen. Ansonsten bleibt auch hier alles beim Alten.

 

Warum man sich das dennoch anschauen kann, wenn man denn unbedingt will? Für einige Sprüche Eddie Murphys ("Are my kids cute or do they make people uncomfortable?") zum Beispiel, oder für einige kurze Momente, in denen " Für immer Shrek" den Disney-Realismus, der den Film ansonsten genauso fest im Griff hat wie fast alle anderen neueren Filme über sprechende Tiere aus Amerika, hinter sich lässt und eine Ahnung davon gibt, was möglich wäre, wenn Hollywood die technischen Möglichkeiten der Computeranimation ein wenig offensiver nutzen würde. Wie bereits in den Vorgängern darf man sich in dieser Hinsicht vor allem auf die subversiven Kurzauftritte des Pfefferkuchenmanns freuen. Noch mehr als die Vorgänger gefällt in "Für immer Shrek nur noch der einzelne Gag, das Detail, das keinerlei Bezug hat zur Handlung im engeren Sinne - die eh nur ein weiteres Mal auf die Reinstallierung der anfangs so gründlich und überzeugend desavouierten heteronormativen Oger-Welt hinaus läuft.

 

Lukas Foerster

 

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de  

 

 

Für immer Shrek

Shrek, RumpelstilzchenUSA 2010 - Originaltitel: Shrek Forever After - Regie: Mike Mitchell Stimmen: Sascha Hehn, Esther Schweins, Benno Führmann, Marie-Luise Marjan, Bernhard Hoëcker - FSK: ab 6 - Länge: 94 min. - Start: 30.6.2010

 

 

 

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