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Final Destination 5

 

Matsch Point


Aus gutem und fatalem Grund anonym ist das Kanonenfuttermaterial im nun schon fünften Teil der mit Konsequenz beeindruckenden Horrorserie "Final Destination", in der man dem Tod nicht auf Dauer entkommt.

Hallo, ich bin's wieder, euer Tod. Ihr kennt das Spiel, das ist Teil Fünf und deshalb schon wieder so jenseits von Meta & Post, dass sich ganz am Ende noch eine Schleife in Richtung "Final Destination", Teil Eins, drehen lässt. Ansonsten wie üblich: Am Anfang, als Vorspiel und böser Traum, Kladderadatsch mit übel zermatschten, durchbohrten, auf Pontons und anderswohin knallenden Körpern. Beziehungsweise vorher schon, der Vorspann, in den fließt in der Serie immer besonders viel Liebe, der fetzt als 3D-Glassplittergewitter ziemlich ungemütlich ins Betrachtergesicht. Das Auftaktgemetzel ist eine mit viel CGI und Liebe zum knackenden, krachenden, brutal bröselnden Detail zu Bruch gehende Riesenbrücke über Wasser und Abgrund. Vor sicherem Tod rettet ein junger Mann - Namen tun wenig zur Sache, Persönlichkeiten gehen übers Kanonenfutterminimum kaum hinaus - seine Arbeitskollegen, wie gehabt durch Vorabvision. Das Prinzip der Serie: die dergestalt von der Schippe Gesprungenen müssen auf die Schippe zurück. Der Rest des Films ist dann Todesarten-Pornografie.

Wie in anderen Pornos auch muss man durch die erzählenden Passagen, oder wie in der Oper durchs Rezitativ, mit Geduld und Vorfreude irgendwie durch. Blöd sind die Dialoge, stupid ist der Plot. Irgendwelche Liebesgeschichten, flach, stumpf, generisch. Vielleicht muss das so sein, der Abwechslung halber. Zwischendurch nämlich wird es scharf, schrill und spitz, nicht wie Lumpi, sondern wie zum Beispiel Akupunkturfolter mit anschließendem Matschkopf. Auch sonst wird dieses und jenes durchbohrt. Die Höhepunkt-Szenen, auf die es hier ankommt, kriegt Regisseur Steven Quale (James Camerons langjähriger Special-Effects-Mann), muss man zugeben, recht gut hin.Wieder und wieder werden dem Zuschauer die Instrumente gezeigt. Vielmehr: mögliche ziel-, nämlich zum Tod führende Soll- und Kannbruchstellen in zu Schauplätzen des Zerbrechens liebevoll arrangierten Örtlichkeiten. Eine Turnhalle etwa oder der Massagesalon. Schrauben, die locker sind, werden als visuelle Appetithäppchen gereicht, der Thrill liegt im Aufschub und darin, dass man nicht im Vorhinein weiß, wie und wo dann was bricht und wie es zum Exitus der und des Betroffenen führt.Pornografie-analog ist "Final Destination" also nicht nur im Wechsel zwischen den Passagen des schlecht geschriebenen Fadens und denen virtuos inszenierter hoher Erregung, sondern auch in der Steigerungsstruktur der Höhepunktszenen. Dramaturgisch ist die Erzählung im Wesentlichen von Überraschungen frei. Der Abzählreim gibt die Struktur, Final Girls und Final Boys im ganz engen Sinn - nämlich als Überlebende - findet man nicht, der Tod ist insofern ganz realistisch und im bewussten Strich gegen die üblichen Hollywood-Happyend-Anmutungen gezeichnet. Man weiß immer schon, was jetzt kommt. Schiere Lust der Minimalvariation in der Wiederholung.

Zur Direktheit des Ansinnens gesellt sich das Explizite der Körperzerstörung. Anders als im Torture-Porn spielen Empathie, Leid und Schmerz keine Rolle. Körper sind wie ja auch die durchweg unbekannten und sehr mittelbegabten DarstellerInnen nur Material. Schon bei ihrem ersten Auftritt im Bild steht den Figuren auf die Stirn geschrieben, was ihnen bald blüht: von diesem Stempel mit bald ablaufendem Haltbarkeitsdatum können sie sich zu Individuen, zu Charakteren einer Erzählung niemals befreien, und sie sollen es nicht. In gewisser Weise sind sie (um den wirklich genialen Vorspann von Folge vier zu zitieren) nie als Menschen aus Fleisch und Blut, sondern als Röntgenbild ihrer selbst unterwegs, in dem man den Vorschein der Zerstörung schon ahnt. Die finale Destination von Film, von Figuren, von Erzählung ist dann in aller Einfachheit nur der Matsch. Von Matsch Point zu Matsch Point geht es voran. Und warte nur, balde. Matschest auch du.

Ekkehard Knörer

Dieser Text ist zuerst erschienen im: www.perlentaucher.de

 

Final Destination 5
USA 2011 - Regie: Steven Quale - Darsteller: Nicholas D'Agosto, Emma Bell, Miles Fisher, Arlen Escarpeta, Jacqueline MacInnes-Wood, P.J. Byrne - FSK: keine Jugendfreigabe, nicht feiertagsfrei / ab 16 (Cut Version, 89 min.) - Länge: 92 min. - Star (D)t: 25.8.2011

 

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