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Fenster zum Sommer

 

Warten auf August

 

Die Heldin in dieser Dreiecksgeschichte zwischen Berlin und Finnland versucht, Schicksal zu spielen

Gerade noch hat Juliane mit dem sympathischen August im sommerlichen Finnland gekuschelt, da erwacht sie im winterlichen Berlin, wo sie allerdings mit dem nicht ganz so sympathischen Philipp liiert ist. Von jetzt an wird sich bis zum 12. Mai 2011, so das fiktive Zieldatum des Handlungsrahmens, Julianes Leben wiederholen. Erst dann wird sie der Liebe ihres Lebens begegnen. Es ist ein Topos geschichtsphilosophischer Reflexion, bekannt seit "Time Tunnel", "Terminator" oder "Zurück in die Zukunft": Lässt sich mit dem Wissen um den Gang der Dinge die Zukunft verändern? Doch bevor sie sich derlei Fragen stellen kann, muss Juliane zunächst einmal das Irrationale ihrer Situation bewältigen.

Sie muss versuchen zu verstehen, was ihr geschieht. Juliane erinnert sich daran, wann und wie sie die Liebe ihres Lebens kennenlernte. Ihr Problem: Wie ist es möglich, die ersehnte Konstellation möglichst unbeschadet zu erreichen? Was darf sie tun, was muss sie unterlassen? Das zweite Problem: die Begegnung mit August wurde "damals" mit einem furchtbaren Verlust "erkauft". Kann man das eine ohne das andere haben? Schicksal spielen? Und was ist mit Philipp, wenn Juliane doch das Ende dieser quälenden Beziehung buchstäblich herbeisehnen und doch abwarten muss?

Gestützt auf ein mit Abstrichen überzeugendes Darstellerensemble - Nina Hoss wirkt etwas überfordert von ihrer anspruchsvollen Rolle - jongliert der Filmemacher Henrik Handloegten ("
Liegen lernen") mit den unterschiedlichen Realitätsebenen und verzichtet auf grobe Plot-Pointen. Andererseits entzieht der obwaltende Determinismus dem Film mögliche Spannung. Alles geschieht, wie es vorherbestimmt ist. Gerade zum Schluss herrscht eine geradezu bleierne Retardation. Man meint, einem Schachspiel zuzuschauen, dessen Ausgang längst ausgemacht ist.

Ulrich Kriest

Dieser Text ist zuerst erschienen in der: Stuttgarter Zeitung

 

 

 

Fenster zum Sommer
OT: Fenster zum Sommer
Deutschland / Finnland 2011 - 96 min.
Regie: Hendrik Handloegten - Drehbuch: Hendrik Handloegten - Produktion: Maria Köpf - Kamera: Peter Przybylski - Schnitt: Elena Bromund - Musik: Timo Hietala - Verleih: Prokino - FSK: ab 12 Jahre - Besetzung: Nina Hoss, Mark Waschke, Lars Eidinger, Fritzi Haberlandt, Lasse Stadelmann, Christoph Bach, Susanne Wolff, Barbara Philipp, Barbara Schnitzler
Kinostart (D): 03.11.2011

 

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