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Faster

 

 

 


Um die Ecke falten


Drei Männer ohne Namen schlagen sich in George Tillman Jr.s "Faster" durch einen Berg von B-Movie-Klischees: mit sehr eindrücklichem Resultat.

Drei Männer ohne Namen: Der Killer, der Cop, der Driver. Der Killer spricht ausgeprägt Britisch und lässt als Meister des Yoga dessen Übungen in atemberaubenden Kopfstandverrenkungen hinter sich. Der Cop ist ein runtergekommener Mann, der kurz vor dem Ruhestand diesen letzten Job mit großem Eifer angeht. Der Driver war ein Bankraub-Fluchtfahrer, wurde verraten, kommt jetzt aus dem Knast, ist ein Muskelberg mit wenig Drang zum sprachlichen Ausdruck, dafür eine umso effizientere, wenngleich nicht ganz hemmungsfreie Tötungsmaschine.

Die drei bekommen es miteinander zu tun. Sie schultern dabei ganze Jahrgänge an B-Movie-Klischee-Produktion. Lässig und steinern und stolz trägt sie als menschlicher Fels Dwayne "The Rock" Johnson. Ins zerfurchte Bartstoppelgesicht von Billy Bob Thornton steht das Wissen ums hundertmal Dagewesene seiner Figur deutlich geschrieben und ziert den Mann doch. Und Oliver Jackson-Cohen zieht seinen liebeswütigen Luxusmordjüngling mit großer Lust genau dahin, wohin er gehört: ins Lächerliche, und mit Gusto.

"Faster" ist als Film nicht sonderlich schnell, wer darin rast, sind die Autos. Deren Fahrten mit Tempo fängt die Kamera variantenreich ein. Überhaupt ist Regisseur George Tillman Jr. (einer der wenigen Afroamerikaner im gehobenen Hollywood-Business) mit seinem Kameramann Michael Grady selten um einen Einfall verlegen, was Kamerapositionen betrifft. Zwischen der Froschperspektive und dem Vonobendrauf-Gottesblick liegt nicht mehr als ein Schnitt. Gehäckselt wie in Michael-Bay-inspirierten Blockbustern neueren Datums wird dafür gar nicht. Eile mit Weile ist das unausgesprochene Motto. Mit anderen Worten: Das Ding hier ist retro, mit Absicht.

Der Vorwurf, was in "Faster" erzählt werde, sei nur zu vertraut, geht darum eher ins Leere. Natürlich ist Walter Hills "Driver" ein Vorbild und wird in slicker Manier zitiert. Vermutlich hat das Autorenbrüderpaar Tony und Joe Gayton sogar James Sallis' nicht ganz unähnlichen Noir-Hammer "Drive" gelesen, dessen offizielle Verfilmung soeben von Nicolas Winding Refn abgedreht worden ist. Been there, done that, also da capo. Genrefilme produzieren heißt: nochmal machen, Bekanntes variieren, hier eine Schraube ins Irrwitzige drehen, da die Klischees in origineller Manier um die Ecke falten, dort einen Mann, der ein Fels ist, in Richtung Mythos am See vor der Sonne platzieren.

All das gelingt George Tillman mehr als nur kompetent. Es kommt glücklich dazu: Komponist Clint Mansell, zuletzt auch bei Aronofskys "Black Swan" zugange, fällt zu den quietschenden Reifen und den röhrenden Motoren Pulstreibendes ein. Tom Berenger, den alten Haudegen, sieht man als Gefängnisboss in einem Kurzauftritt gern. Von "Dexter" grüßt dessen Schwesterdarstellerin Jennifer Carpenter freundlich herüber. In "Faster" passt alles, wackelt nicht und hat Luft. Wie angegossen sitzt dann noch der obligatorische Schlusstwist. Wer sich ins vielfach abgeerntete Genrefeld wagt, braucht eine abgeklärte Haltung zum Abgedroschenen seines Tuns. Die besitzt dieser Film. Mehr noch: "Faster" hat Stil. Und kommt damit weit.

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im: www.perlentaucher.de

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

Faster
OT: Faster
USA 2010 - 97 min.
Regie: George Tillman Jr. - Drehbuch: Tony Gayton, Joe Gayton - Produktion: Tony Gayton, Liz Glotzer, Martin Shafer, Robert Teitel - Kamera: Michael Grady - Schnitt: Dirk Westervelt - Musik: Clint Mansell - Verleih: Sony - FSK: keine Jugendfreigabe - Besetzung: Dwayne Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Carla Gugino, Jennifer Carpenter, Tom Berenger, Michael Irby
Kinostart (D): 17.03.2011 

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