zur startseite

zum archiv

zu den essays

Fair Game

 

Wer zu spät kommt, den bestraft die Kinokasse

 

Der US-Politthriller über die CIA wandelt auf einem schmalen Grat zwischen Fiktion und Realität

Tatsächlich haben wir in all den Jahren des Irak- und Afghanistankrieges viel zu selten daran gedacht, dass die US-Außenpolitik auch die Ehen aufrecht patriotischer CIA-Agenten elementar belastete. Dass dieses Versäumnis jetzt nachgeholt wird, verdanken wir dem Regisseur Doug Liman ("Die Bourne Identität", "Mr. & Mrs. Smith"), der jetzt noch einmal über die Massenvernichtungswaffen im Irak reden will. Beziehungsweise über ihre Nichtexistenz.

Womit wir schon mitten im Film sind. Denn Joseph Wilson (Sean Penn) und Valerie Plame (Naomi Watts) sind reale Personen der amerikanischen Zeitgeschichte und waren damals ganz nah dran am Geschehen, beide gewissermaßen auf höchst unterschiedliche Weise im diplomatischen Dienst. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center sucht die US-Regierung verzweifelt ein Ziel zur Vergeltung und zugleich die Legitimation einer kriegerischen Aggression. Als potenzielles Ziel steht der Irak ganz oben auf der Liste. Es geht in "Fair Game" um die "Politics of Truth", so der Titel eines Buches von Joseph Wilson, und um individuelle Schicksale von Menschen, die in die Mühlen der Politik geraten. In der Manier klassischer Paranoia-Thriller der siebziger Jahre wie "Zeuge einer Verschwörung" oder "Die drei Tage des Condor" erzählt Liman davon, wie das Ehepaar Wilson/Plame zunächst sehr professionell und versiert seine Arbeit macht, um dann plötzlich der Bush-Administration unbequem zu werden, als das Kriegsziel feststeht.

Jetzt geht es plötzlich nicht mehr darum, im Auftrag des Außenministeriums in Afrika zu recherchieren oder als CIA-Agentin zu arbeiten. Sondern es geht darum, den Teil der Wahrheit, den man persönlich überblickt, gegenüber der Machtpolitik öffentlich zu behaupten. Der Politthriller "Fair Game" handelt von der Erfahrung, dass das politische System, für das man arbeitet, sich als raffinierter Gegner erweist und dass man trotzdem schmerzhaft die Loyalität zu einer abstrakten Idee wahren sollte. Mit Sean Penn, Naomi Watts und Sam Shepard ist der Film prominent und einschlägig besetzt und er macht seine Sache gewiss nicht schlecht, Politisches und Privates aufeinander zu beziehen. Und obwohl es Teil des Deals war, dass die CIA das Drehbuch durchwinken musste, dass Einzelheiten über die Tätigkeit von Valerie Plame noch immer der Geheimhaltung unterliegen, kann man sich im Kinosaal des Eindrucks nicht erwehren, dass "Fair Game" ein paar Jahre zu spät kommt und zahllose offene Türen einrennt. Aber vielleicht hat Doug Liman gar nicht so sehr auf den internationalen Markt gezielt.
 
Ulrich Kriest

Dieser Text ist zuerst erschienen in der : Stuttgarter Zeitung

 

Fair Game
USA 2010 - Regie: Doug Liman - Darsteller: Naomi Watts, Sean Penn, Sam Shepard, Bruce McGill, David Andrews, Michael Kelly, Noah Emmerich, Brooke Smith, Geoffrey Cantor, Philipp Karner, Kristoffer Ryan Winters - FSK: ab 12 - Länge: 106 min. - Start: 25.11.2010

 

 

zur startseite

zum archiv

zu den essays