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Erzähl
mir was vom Regen
In "Erzähl mir was vom Regen"
bringen Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri wieder einmal gutbürgerliches
Problem- und Gefühlstheater auf den Tisch.
Eine Puppenstube ist die Welt in den Filmen
von Agnes Jaoui (Regie, Buch, Darstellerin) und Jean-Pierre Bacri (Buch, Darsteller).
Eine Puppenstube, schon klar, in der die beiden - "Erzähl mir was
vom Regen" ist der dritte gemeinsame Film - nach ihren Möglichkeiten
einzurichten versuchen, was sie für die Wirklichkeit halten. Darum gibt
es in ihrem Puppenstubenhaus ganz viele Zimmerchen: eins für den Immigranten
zweiter Generation, der die Erfolgsspur in die Gesellschaft nicht findet; eins
für einen alleinerziehenden Vater und großspurigen Möchtegern-Dokumentarfilm-Künstler;
eins für die Feministin, die es ins Politische zieht (und wieder nicht),
woraus ein Beziehungsproblem folgt; eins für die Vierzigjährige, die
es in ihrer Ehe nicht aushält, ohne doch den Absprung zu wagen; eins für
die verhuschte Niedriglohnarbeiterin mit Liebeskummer; eins für die konservative
Immigrantin der ersten Generation, die das Herz dennoch am rechten Fleck hat.
In ihrer Puppenstupe machen Jaoui und
Bacri dann fleißig die Türen auf und wieder zu. Die Türen zu
Herzen und die Türen der Gesellschaft. Sie tun den Immigranten zweiter
Generation mit dem Möchtegern-Filmer zusammen und den Möchtegern-Filmer
mit der ehegeschädigten Vierzigjährigen und die ehegeschädigte
Vierzigjährige mit der konservativen herzensguten Immigrantin und alle
miteinander per Verwandschaft und/oder Dienstverhältnis und/oder Filmprojekt
mit der feministischen Politikerin. Tür auf, Tür zu: Heraus kommt
eine Boulevardkomödie, die übers eifrige Drehbuchbemühen hinaus
der Regen zusammenhält, den Jaoui und Bacri mit dem Brausekopf über
ihrem Puppenhaus periodisch und leitmotivisch niedergehen lassen.
Also, kurze Inhaltsangabe: Karim (Jame
Debbouze), der sich als Hotelrezeptionist unter Wert verkauft, will mit Michel
(Bacri) einen Dokumentar-Film über die in der Provinz einen Politikerinnen-Karriere-Beginn
suchenden Agathe (Jaoui) drehen. Man kennt sich, weil Karims Mutter die Zugehfrau
von Agathes Schwester Florence (Pascale Arbillot) ist, die wiederum - was aber
Agathe vorderhand noch nicht weiß - ein Verhältnis hat mit Michel.
Allen werden "aus dem Leben gegriffene" Dialoge in den Mund gelegt.
Kleine Herzwehwehpaketchen werden geschnürt. Und Botschaften werden scheinbar
subtil überbracht: Die Politik droht Menschen unmenschlich zu machen, der
Feminismus treibt Frauen zur Selbstüberforderung, Stolz und Ehrgeiz machen
Männern zu Tölpeln. Wir haben, summa summarum, weil wir Menschen sind,
Schwächen. Wir sollten einander gut sein und jedenfalls besser, als wir
meistens doch sind. Aber, das ist das Gute bei Jaoui und Bacri: Alles renkt
sich wieder ein. Und sei es im Regen.
"Erzähl mir was vom Regen"
ist also nichts weiter als gutbürgerliche Ideologieproduktion. Die, anders
noch als bei "Der Geschmack der anderen", leider nicht einmal als
"well made play" so recht funktioniert. Zu unentschieden und mutlos
in jede Richtung summt der Handlungsreigen vor sich hin, in allen Konstellationen
irgendwie ansentimentalisiert, aber insgesamt ohne Esprit, ohne Folgen, ohne
etwas anderes im Sinn, als den Pfad der Juste-Milieu-Problemstudie ja nicht
zu verlassen. Lustlos noch sperrt die Kamera, ohne Freiraum zu geben, Figuren
und Landschaft ins Bild. Pointen werden verstolpert und vertrödelt und
beim Klamaukverleih abgeholt. Wirklich schlimm allerdings: Agnes Jaoui liebt
die Musik. Die Stimmungskleisterei, die sie mit Schubert-Liedern betreibt, ist
das einzig richtig Üble an diesem sonst einfach nur überflüssigen
Film.
Ekkehard Knörer
Dieser
Text ist zuerst erschienen am 29.07.2009 in: www.perlentaucher.de
Erzähl
mir was vom Regen
Frankreich 2008 - Originaltitel: Parlez-moi de la pluie - Regie: Agnès Jaoui - Darsteller: Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, Jamel Debbouze, Pascale Arbillot, Guillaume de Tonquedec, Frédéric Pierrot - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 98 min. - Start: 30.7.2009
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