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Erlöse uns von dem Bösen


 


Padre Masters Satanas as Bana Goes Bananas

Vom Partner zum Pater, von Dubstep zu den Doors, so läuft das beim Hollywood-Gruseldrama "Erlöse uns von dem Bösen". Der Titel wirkt irgendwie vertraut, ebenso das Ausgangssetting: Zwei New Yorker Cops, ethnisch und psychologisch wohldifferenziert, fahren auf Zivilstreife, greifen zumeist in Fällen häuslicher Gewalt beherzt ein und durch.

Der eine ist der ostentativ unbeschwerte irischstämmige Partner des anderen; der andere, Italo-Amerikaner, ist ganz bedrückt und halb entrückt und vernachlässigt Frau & Kind im pausenlosen Kampf gegen die tieferen Gründe von all dem Sozialelend um ihn herum, das hier in Ninetiesretrodüsterregen (Hallo, "Se7en"!) ausgemalt wird. Er bekämpft, so heißt es im Dialog später programmatisch, das "primäre Böse". Was ist damit wohl gemeint? Die fortschreitende Kapitalisierung von öffentlichem urbanem Raum? Nein, eher Spirituelles und so. Deshalb feixt der Partner so oft und so unbeschwert: "Spürst du schon wieder was mit deinem Radar?" Was wohl damit nun gemeint ist? Etwa die ostentativ abstehenden Ohren von Hauptdarsteller Eric Bana? Egal. Jedenfalls hat der Partner mit all seiner Unbeschwertheit sein Leben verwirkt und macht - wenn auch spät - einem Pater an Banas Seite Platz. Der ist Latino und gut in Latein; das führt er beim - wohlgemerkt: sechsstufigen - Exorzismus ("Vade retro, Satanas!") und am Ende beim häuslichen Taufen vor.

Dass der Leibhaftige hier in dem mit eingeritzten Schriftzeichen malträtierten Leib eines Irakkriegsveteranen umgeht, der als Anstreicher in Haushalte, Kellergewölbe und den Brooklyn Zoo eindringt, um Glühbirnen zum Ausbrennen, Löwen zum Auszucken und Branchenkollegen zum Austrinken von Nitroverdünner zu bringen, sei vielleicht noch angemerkt.

Und das gleich zur Warnung: "Unfreiwillig komisch", das sagt sich allzu leicht. Zumal bei Filmen, wo es uns (wie bei diesem) ja doch immer wieder schaudert und schreckt. Denen, die das alles nicht glauben wollen, lässt auch der Plot dieses Films ein Höflichkeitshintertürchen offen. Den Eingeweihten und Gläubigen aber bietet er mit all seinem Aberwitz einfach noch ein Mehr an Gründen, sich zu beuteln oder die Haare zu raufen. Im Grunde ist das eine tolle filmische Demutsgeste: doppelter Service - plus das schmeichelhafte Gefühl, über den Dingen zu stehen, nämlich einen Horrorschocker als lachhaft durchschaut zu haben, der uns aber doch in Wirklichkeit genau dort haben und genau diese Wellness bereiten will.

Regie bei diesem CopMovie-Satanismushorror-Hybrid in Latex führt Scott Derrickson. Dass er sich spät auf die dahinplätschernde kleine Welle an Exorzismus-Filmen in breiter Genrevariation draufsetzen würde, kann man ihm echt nicht vorwerfen, denn: Noch bevor es Exorzismusfilme mit Autoren-Flair ("Requiem", klasse übrigens), Mockumentary-Look ("Der letzte Exorzismus") oder Monsignore Hopkins als Pater Lecter ("The Rite - Das Ritual") gab, da hatte er schon den "Exorzismus von Emily Rose" absolviert. 2005 war das. 2012 versetzte Derrickson dann in dem Found-Footage-Haunting-Schocker "Sinister" häusliche Sounds mit einem synkopisch pulsierenden Score, den Leute wie ich wohl unter Dubstep einordnen würden. Leichter fällt das Musiklabelling nun bei "Erlöse uns von dem Bösen", ist hier doch das Spukpumpern und Traumaplaudern mit Evergreens von der notorischen Satanistencombo The Doors zusammengemixt. Sehr sinnig erklingen nicht ganz unbekannte Refrains mit zutiefst ominösen Botschaften - Reiter auf dem Sturm. Brich weiter durch. Leute sind seltsam. Sind sie ja wirklich. Aber manche ihrer Filme auch.

Benotung des Films: (4/10)

Drehli Robnik

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in der: www.filmgazette.de

 

 

Erlöse uns von dem Bösen
OT: Deliver Us from Evil - USA 2014 - 118 min. - Regie: Scott Derrickson - Drehbuch: Scott Derrickson, Paul Harris Boardman - Produktion: Jerry Bruckheimer - Kamera: Scott Kevan - Schnitt: Jason Hellmann - Musik: Christopher Young - Verleih: Sony Pictures - FSK: ab 16 Jahren - Besetzung: Eric Bana, Édgar Ramírez, Olivia Munn, Sean Harris, Joel McHale, Dorian Missick, Antoinette LaVecchia, Scott Johnsen, Valentina Rendón, Daniel Sauli, Olivia Horton, Chris Coy - Kinostart (D): 04.09.2014

 

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