zur startseite

zum archiv

zu den essays

Devil

 

M. Night Shyamalan ist bei "Devil" nur Story-Erfinder und Produzent, die Pranke des Löwen erkennt man doch: Hier steckt der Teufel leibhaftig im Aufzug


Der klassische Kriminalroman hat als absurde Essenz seiner selbst sehr früh - mit Poe nämlich - schon das Genre des "Verschlossenen Zimmers" hervorgebracht. Ein Mord geschieht in einem Raum, den nach menschlichem Ermessen kein Täter betreten haben kann. Aufgabe des Detektivs ist es, fürs scheinbar Unlösbare doch eine plausible Lösung zu finden und sei es, dass er ein paar grundlegende Vorannahmen aufgeben muss. Auf den ersten Blick sieht auch "Devil" nach einem "Verschlossenes Zimmer"-Rätsel aus. Fünf Menschen in einem Fahrstuhl, der steckenbleibt. Ab und zu geht das Licht aus und hinterher ist wieder einer tot. Am Ende wird klar, dass keiner der fünf im Licht der Vernunft betrachtet der Täter gewesen sein kann. Wer nun verzweifelt nach einer rationalen Lösung des Falls sucht, begeht freilich einen Denkfehler, der sich eigentlich erledigt, sobald man liest, wer sich diese Geschichte ausgedacht hat: M. Night "Sixth Sense" Shyamalan. (Er hat den Story-Credit, das Drehbuch und die Regie dann Kräften aus der zweiten Reihe überlassen, produzierte aber den Film.)

Der "Detection Club", dem in den zwanziger Jahren Autorinnen und Autoren wie Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, G.K. Chesterton und Anthony Berkeley angehörten, hatte einen Zehn-Punkte-Katalog zum Krimi-Fair-Play verfasst. Die zweite Regel ist ganz eindeutig: "Übernatürliche Kräfte oder Mächte sind selbstverständlich untersagt." Wer Shyamalan kennt, der weiß: Dagegen verstößt er mit Gusto. So fliegt erst ein Mann seltsam genug aus einem Wolkenkratzer auf ein Auto, das dann um die Ecke rollt. Da staunt der Detective. Darauf sammelt die Kamera von Altmeister Tak Fujimoto ("Badlands", "Schweigen der Lämmer", Shyamalans Filme) in einer sehr schönen Plansequenz in der Lobby des Hochhauses die zukünftigen Opfer für die Fahrstuhlfahrt ein. Vor den Bildschirmen der Überwachungskameras sitzen zwei Männer bereit, einer von ihnen namens Ramirez ist hispanischer Herkunft und darum (ja, gut, ein bisschen rassistisch ist das vielleicht schon) mit allen Wassern des Aberglaubens gewaschen.

Es beginnt, kaum hat man die drei Männer, zwei Frauen im Fahrstuhl kennengelernt, nach einem ersten Tatzenhieb über den Rücken der Frau bereits die Dezimation. Licht aus, Licht an, die Nervensäge vom Matratzenstudio ist hinüber. Ramirez erkennt auf dem Überwachungsbild eine Erscheinung und erklärt dem Detective, der immer noch staunt und fürs erste kein Wort davon glaubt, es handle sich ganz eindeutig um eine visuelle Signatur keines anderen als des Teufels. Der steckt hier nicht im Detail, sondern im Aufzug. Licht aus, Licht an, da baumelt die ältere Frau von der Decke. Der Detective ermittelt und findet über einen nach dem anderen Insassen der steckengebliebenen Zwangsgemeinschaft heraus: Er und sie haben Dreck am Stecken. Die Zeichen verdichten sich also: Die Dinge, mit denen es zu geht, sind alles andere als recht.

"Devil" ist, das versteht sich von selbst, einerseits Quatsch hoch drei und reiner Spökes. Andererseits gerade das richtige für ein B-Movie, bei dem Plausibilität gar nichts ist und die Lust an der abstrusen Idee und der auf Spannung und Grusel setzenden Ausführung alles. Und da kann man kaum meckern. Das Abstruse wird sehr schön ironiefrei vom Blatt gespielt (die Ironie gibt es dafür in einem Fake-Trailer, für den wiederum Shyamalan verantwortlich zeichnet) und die filmische Exekution durch den Regie-Nicht-Großmeister John Erick Dowdle, der zuletzt das US-Remake des spanischen Hits "Rec" drehte, ist nicht mehr und nicht weniger als recht kompetent. Von Schreckstoß zu Schreckstoß geht es voran, einzig die sehr konventionelle Schauermusik trägt etwas dick auf. Den Teufel hat der Film schon im Titel verraten, dennoch hält er den Betrachter von Anfang bis Ende, mal drinnen im Aufzug, mal draußen im Haus durchaus in Atem.

Ekkehard Knörer

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

Devil
OT: Devil
USA 2010 - 80 min.
Regie: John Erick Dowdle - Drehbuch: Brian Nelson, M. Night Shyamalan - Produktion: Sam Mercer, M. Night Shyamalan - Kamera: Tak Fujimoto - Schnitt: Elliot Greenberg - Musik: Fernando Velázquez - Verleih: Universal - FSK: ab 16 Jahre - Besetzung: Chris Messina, Logan Marshall-Green, Geoffrey Arend, Bojana Novakovic, Jenny O'Hara, Bokeem Woodbine, Jacob Vargas, Matt Craven, Josh Peace, Caroline Dhavernas
Kinostart (D): 13.01.2011

 

zur startseite

zum archiv

zu den essays