zur startseite

zum archiv

zu den essays

Denk wie ein Mann 2

 

 

 

In Tim Storys "Think Like a Man Too" zappelt Kevin Hart gegen ein rigoros gebändigtes Drehbuch an.

Sechs Männer und allerdings nur fünf Frauen in Las Vegas. Bis auf den einen Überschüssigen (siehe unten) sind alle fest gegengeschlechtlich miteinander verbandelt (und kennen sich aus einem früheren Film), ein Paar will heiraten, die anderen Paare müssen sich im Lauf des Films im Sinne Stanley Cavells wiederverheiraten. Zwischendurch werden die Geschlechter getrennt, für die jeweiligen Junggesellenabschiede, die in den erwartbaren Maßstäben (also leider nicht besonders spektakulär) eskalieren - immerhin hat der Film durchaus Spaß am gezähmten Chaos: Die besten Szenen sind die, in denen er alle Anflüge von (dollargesättigter) Eleganz sausen lässt, und einfach nur versucht, möglichst viele Körper, Bewegungen, Attraktionen in einem Bild unterzubringen. Die Hauptrollen sind mehrheitlich mit schwarzen SchauspielerInnen besetzt, zwischendurch schauen Kelsey Grammer und Adrien Brody vorbei.

"Think Like a Man Too" ist ein Film, der jeder Figur genau eine bestimmende (und, in Maßen, zu überwindende) Eigenschaft, jedem Paar genau ein abzuarbeitendes Problem zuteilt, der Vegas nichts als die üblichen Bilder abringt und der regelrecht vollgestopft ist mit aktueller Popmusik (plus einer Retronummer aus den Neunzigern, die in der originellsten Szene des Films musikvideoartig nachgestellt wird). In einer dynamischen Schnellfeuerdialogmontage während der Ankunft- und-Begrüßungsszene zeigt Regisseur Tim Story, der vor Jahren den sehr schönen "Barbershop" gedreht hat, dass er eigentlich etwas kann. Ansonsten leistet er, wie sein Cast, Dienst nach Vorschrift. "Think Like a Man Too" ist ein Film, der nicht zu verstecken versucht, dass er einer von der Stange ist.

Genauer: einer vom Bücherwühltisch. Der Vorgänger "Think Like a Man" hatte sich direkt auf einen Bestseller der Ratgeberliteratur bezogen: "Act Like a Lady, Think Like a Man" geschrieben von dem Comedian, Talkshowhost und Schnurrbartträger Steve Harvey. Der erste Satz des ersten Abschnittes dieses Buchs ("The Mind-Set of a Man") lautet: "There is no truer statement: men are simple." Auf den wenigen Seiten, die ich überflogen habe, wimmelt es von Sportmetaphern, die auf die brutalstmögliche Pragmatisierung von Liebe abzielen dürften. Viel doofer als "Gone Girl" ist das freilich auch nicht ...


In "Think Like a Man Too" geht es allerdings nicht mehr darum, mithilfe des richtigen
game plan die defense des Partners zu überwinden, mit dem Finalziel des goldenen Rings. Eher scheint der Film auf die Einübung in den korrekten, nämlich den gesellschaftskonformen, heteronormativen, konsumförmigen Hedonismus zu zielen: Was die Männer können, können wir Frauen auf unserem Junggesellenabschied schon lange (auf in den Stripclub!), die frühverhärmte weiße Nerdfrau muss aufgebrezelt werden, die garstige, altmodischen Totalverzicht predigende Schwiegermutter in spe needs to get laid - die Männer kämpfen derweil mit ihren eigenen Neurosen, die daher zu rühren scheinen, dass sie im monogamen Alltag nicht mehr ihren inneren "Zeke the freak" rauslassen können. Kein Wunder, dass bei dem beständigen Austarieren diverser Bedürfnisse kaum Platz bleibt für genuin Komisches.

Wenn "Think Like a Man Too" trotzdem einigermaßen anschaubar ist, dann liegt das an dem erwähnten Überschüssigen. Der wird gespielt vom Star des Films, vom zumindest in Amerika derzeit ungemein erfolgreichen Kevin Hart, einem kleinen, nervösen, aufgekratzten Typen, der durch die Einstellungen flitzt, nach links, nach rechts, nach vorne, nach hinten, der sich gelegentlich auch zu Boden wirft oder in die Luft springt, der sich irgendwann einen gewaltigen Knüppel schnappt, um auf männliche Stripper einzuprügeln, der jedenfalls immer etwas Hochwichtiges zu tun und zu allem eine Meinung hat.

Wie erwähnt ist Hart als einziger solo unterwegs, nur via Mobiltelefon meldet sich gelegentlich der Hausdrachen "Gailzilla" zu Wort. Den (leider ganz besonders öde alle Las-Vegas-  und romantic-comedy-Klischees durcharbeitenden) Voice-Over-Kommentar übernimmt er gleich noch mit. Nicht, dass der hoffentlich bald in seinem unzweifelhaft großen Talent würdigeren Filmen auf der Leinwand zu sehende Hart die hoffnungslos solide poetisch-libidinöse Grundarchitektur auch nur ansatzweise aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Aber es ist fast schon rührend mitanzusehen, wie sich der eine ungebändigte Körper durch diesen hochgradig gebändigten Film bewegt, hilflos herumzappelnd, wie erfüllt von einer Sehnsucht, deren Objekt auch nur zu kennen das Drehbuch ihm rigoros verweigert.

Lukas Foerster

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

 

 

Denk wie ein Mann 2

(Think Like a Man Too) - USA 2014 - 106 Min. - Start: 23.10.2014 - FSK: ab 12 Jahre - Regie: Tim Story - Drehbuch: Steve Harvey, Keith Merryman, David A. Newman - Produktion: William Packer, Glenn S. Gainor, Rob Hardy, Steve Harvey, Rushion McDonald, Keith Merryman, David A. Newman, Valerie Bleth Sharp, Ben Waisbren - Kamera: Christopher Duskin - Schnitt: Peter S. Elliot - Musik: Christopher Lennertz - Darsteller: Kevin Hart, Romany Malco, Terrence Jenkins, Michael Ealy, Gary Owen, Jerry Ferrara, Regina Hall, Meagan Good, Taraji P. Henson, Gabrielle Union, Wendi McLendon-Covey, La La Anthony, Adam Brody, David Walton, Jenifer Lewis, Dennis Haysbert

 

zur startseite

zum archiv

zu den essays