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Dare

 

 

 

Adam Salkys Indie-Adoleszenz-Dramödie "Dare" macht in der Frage der sexuellen Orientierung ihres High-School-Protagonisten weder bei 'hetero' noch bei 'schwul' ein klares Kreuz.

Alexa ist straight, Ben ist schwul und Johnny durcheinander dazwischen: "I'm not gay or anything..." Man spielt irgendwo in American-Indietown an der Highschool Theater, "Endstation Sehnsucht", Alexa tutort Johnny, der gegen den ersten Anschein Talent oder jedenfalls schon mehr als Alexa erlebt hat. Bei der nächstbesten Party brezelt Alexa sich auf und entjungfert sich kurz entschlossen mit Hilfe von Johnny, der dennoch erfreut eher nicht weiß, wie ihm geschieht. Das ist das erste Kapitel, Überschrift Alexa.

Kapitel 2: Ben. Der benimmt sich verwuschelt, wie aus einem Mumblecore-Film in diese Indie-Dramödie transportiert und macht keine klaren Ansagen und liest in der Pause Edith Wharton und antwortet auf die Frage: "School or pleasure?": "School, but I also like it." Mit dem nicht unsympathischen jungen Mann, der ihn da anspricht, passiert weiter nichts. Dafür ergibt es sich eines Nachts, dass Ben und Johnny im dunklen Blau am Swimmingpool sitzen und dies und das reden und Ben, bislang ungeküsst, nähert sich Johnny im Wasser, der ihn küsst und dann gibt Ben ihm einen Blow-Job. Es sitzen am Ende dieses Kapitels Ben, Alexa und Johnny selbdritt auf der Couch und sehen dabei mit Bens Eltern fern.

Kapitel 3: Johnny. Der ist aus reichem Eltern-, beziehungsweise Vaterhaus, nach außen hin der Typ Schul-Jock, in Wahrheit schwer durcheinander, nimmt Medikamente, geht zur Therapeutin und bespricht mit ihr, wie das war, mit Ben im Pool. ("Felt cool.") Johnny sucht Liebe, die Familie ist verkracht, Alexa und Ben sind gute Freunde, auf dem Parkplatz der Schule wehrt sich Johnny gegen die Beschimpfung - seine und Bens - als "fag" mit den Mitteln des Stärkeren. Es folgt noch eine alkoholgeschwängerte Sex-Experiment-Party mit der sich allerdings rasch zurückziehenden Courtney, die vom kommenden Superstar Rooney Mara (sie ist die Lisbeth Salander in David Finchers Stieg-Larsson-Verfilmung) gespielt wird. Alles endet vergleichsweise offen.

"Dare" ist ein ehrenwerter Film, der die Konventionen der High-School-Adoleszenz-Dramas in unerwartete Richtungen zu wenden versucht. Zugrunde liegt ein gleichnamiger Kurzfilm vom selben Team (Regie: Adam Salky, Drehbuch: David Brind), aber mit anderer Besetzung, der sich allerdings ganz auf die Swimmingpool-Episode konzentriert. Wacklig balanciert der nun in ein vollgültiges Dreieck mit ambivalenten Ecken aus Freundschaft und Liebe ausformulierte Langfilm auf einem seltsamen Grat und fasst, den überzeugenden Schauspielern zum Trotz, nie richtig Tritt: Er versteht sich als ernst gemeinter Gegenentwurf zu Hetero-Sex-Komödien diesseits und jenseits von "American Pie"; als Indie-Kino, das auf die üblichen Date- und First-Night-Versatzstücke verzichtet, beim Versuch, es besser zu machen, aber von einem ungelenken Moment in den nächsten gerät; als Übung in Ambivalenz, nur dass da oft eher handwerkliche Unsicherheit als gezielte Lust an der Offenheit zugrundezuliegen scheint. Der Ton schwankt beträchtlich zwischen leisen Annäherungen ans Groteske und tief empfundener Adoleszenz-Peinlichkeit. Weil es an jedwedem ästhetischen Ehrgeiz fehlt, bleibt summa summarum wenig mehr als ein aufrechter Indie-Film mit dem Herzen am rechten Fleck - oder jedenfalls in vertretbarer Nähe des Flecks.

Ekkehard Knörer

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

Dare - Hab' keine Angst. Tu's einfach!
USA 2009 - Originaltitel: Dare - Regie: Adam Salky - Darsteller: Emmy Rossum, Zach Gilford, Ashley Springer, Ana Gasteyer, Alan Cumming, Sandra Bernhard, Cady Huffman, Annie Hibbs - FSK: ab 12 - Fassung: O.m.d.U. - Länge: 86 min. - Start: 5.5.2011

 

 

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