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The Crime


 

Nick Loves Polizeifilm "The Crime" ist verliebt in die kraftmeierischen Posen seines bulligen Protagonisten.

"The Sweeney" ist die Londoner Polizeieinheit fürs Grobe, ein Überfallkommando. Wenn sie zum Zugriff auf den Mob ansetzt, kommt keiner ohne Blessuren davon, am allerwenigsten die Tatverdächtigen: Fäuste, Baseballschläger sausen durch die Luft. Ein Schlägertrupp, bei dem - in Aktion mit dem Gegner - nicht mehr unterscheidbar ist, wer es wie mit Recht und Gesetz hält: Ein Überfall durch ein anderes Verbrechersyndikat sähe kaum anders aus. An der Spitze der Einheit steht der alte, bullige Jack Regan (Ray Winstone), der mit an der Grenze zur Unverständlichkeit gebrummten Satzfetzen, seiner wuchtig physischen Präsenz (einmal aalt er sich dickbewampt auf der Couch, beim Sex ist er animalisch gierig, bei den körperlichen Auseinandersetzungen so knorpelig rüstig wie agil) und der schwarzen Lederjacke selbst aussieht, wie das, was man in Mafiamob-Kreisen "muscle" nennt: Der Mann, der die Straße frei fegt.

"The Crime" (wie man den englischen Originaltitel "The Sweeney" blödsinnigerweise "eingedeutscht" hat) berührt damit einen zentralen Kino-Topos: Wenn Jack Regan in stählern blauen Bildern einen skrupellosen Überfall auf einen Juwelier ermittelt, der Kreise bis hin zur serbischen Mafia zieht und sich zur persönlichen Vendetta auswächst, nachdem Jacks Kollegin und Geliebte Nany Lewis (Hayley Atwell) zu Tode gekommen ist, denkt man an "Dirty Harry", "French Connection" und an die Serie "The Shield". In der Tat ist Regisseur Nick Loves zentraler Stichwortgeber die britische Kultserie "The Sweeney" aus den 70ern, die hier ins Kino transferiert wird.

Das Problem dabei: Love will es nicht recht gelingen, dem Motiv des "Bad Cop" neue Facetten abzugewinnen. "The Crime" ist deutlich verliebt in die rüpeligen, kraftmeierischen Posen des Schlägers mit Polizeimarke, bleibt dabei aber aufgewärmte Kolportage. Auf dem Soundtrack wummern laute, pathetische Schläge und ein metallisches Pizzicato - beides Mittel zur Dramatisierung , die mit Hans Zimmers musikalischer Untermalung der letzten beiden Batman-Filme klangikonischen Charakter gewonnen haben und Loves Film damit eindeutig überformen: "The Crime" beansprucht mit diesen Allusionen ein episches Pathos, das der eher für einen kleiner, urbanen Thriller geeignete Stoff, trotz ähnlicher Motive wie in den Batman-Filmen - Selbstjustiz, Vigilantentum - eigentlich kaum hergibt. Immerhin teilt sich Love mit Nolans Superheldenfilmen, dass die Actionszenen teilweise sehr verschnitten und räumlich wenig plausibel sind.

Im Gegensatz zum Beispiel zu den Filmen von Alan Clarke, der um 1980 einen neuen, harten Sozialrealismus in die britische Filmlandschaft brachte, mangelt es "The Crime" schlicht an Welthaltigkeit. Nick Love, der sich auf Cops und Hooligans spezialisiert hat und lose in der Clarke'schen Tradition steht, möchte ebenfalls von einer Brutalisierungswelle im britischen Leben berichten. "The Crime" behauptet indessen eine Verbindlichkeit, die sich nicht einlöst: Seine narrative Struktur wechselt zwischen plot-erläuternden und Draufhau-Sequenzen. Man ahnt, dass erstere allein zur Legitimation letzterer dienen. Dieser dicke Jack Regan ist ein flaches Abziehbild.

Thomas Groh

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

 

The Crime
Originaltitel: The Sweeney
Kinostart: 28.02.2013 - FSK: 16 - Großbritannien 2012 - Länge: 90 Min. - Verleih: Universum Film- Kinostart: 28.02.2013 -  Regie: Nick Love - Drehbuch: Nick Love, John Hodge, Ian Kennedy Martin - Kamera: Simon Dennis - Schnitt:  James Herbert - Musik:  Lorne Balfe- Darsteller: Steven Mackintosh, Ray Winstone, Hayley Atwell, Alan Ford, Paul Anderson, Damian Lewis, Ignacio Guirado, Allen Leech, Steven Waddington, John Duggan  

 

 

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