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Broken City

 

 

Stadtsanierung, die über Leichen geht

Das versteht man wohl unter „Investition in die Zukunft“. Als der Cop und trockene Alkoholiker Billy Taggert (Mark Wahlberg) auf offener Straße einen jungen Vergewaltiger in einem Akt von Selbstjustiz tötet, muss er zwar den Polizeidienst quittieren, aber der Bürgermeister Hostetler (Russell Crowe) höchstpersönlich bewahrt ihn vor der Strafverfolgung. Sieben Jahre später, Taggert ist mittlerweile als verschuldeter Privatdetektiv in vorzugsweise schmierigen Angelegenheiten unterwegs, meldet sich mitten im Wahlkampf ums Bürgermeisteramt Hostetler wieder bei ihm: er möge doch bitte dessen Ehefrau beschatten, die möglicherweise eine Affäre habe. Routine! Taggert lässt sich darauf ein – eine Hand wäscht die andere - und steckt unvermittelt bis zum Hals in einer undurchsichtigen politischen Intrige, die für ihn ein paar Nummern zu groß ist.

Wer jetzt etwas irritiert „Chinatown“ murmelt, liegt zwar falsch, aber durchaus auf der Linie von Drehbuchautor Brian Tucker, Regisseur Allen Hughes und Kameramann Ben Seresin, die sich alle erdenkliche Mühe gemacht haben, mit „Broken City“ einen Neo-Noir-Polit-Thriller à la Polanski auf die Beine zu stellen. Allerdings ist es keine gute Idee, zu glauben, nur, weil man selbst in seinem eigenen Film die Übersicht über all die Figuren und Nebenhandlungen verloren hat, damit schon ein Statement zur Unübersichtlichkeit der Welt formuliert zu haben. Gewiss, New York sieht hier etwas anders und deutlich weniger glamourös aus als üblich. Die Dunkelheit der Machenschaften aus Korruption und Machtgier schreibt sich geradezu in die Figuren ein, aber wenn sich ein pausbäckiger Russell Crowe mit alberner Frisur stets aufs Neue bräsig an der Kamera vorbeischiebt, dann wirkt »das Böse« eher banal. Was wohl auch Absicht ist, aber nicht originell. So wenig wie die Tatsache, dass der trockene Alkoholiker wieder zur Flasche greift, bevor er sich mit »denen da oben« anlegt.

Aber, mal ganz im Ernst, dass man unter dem Vorwand der Modernisierung ganze Quartiere einer Metropole abreißt, damit windige Immobilienspekulanten mit dem entstehenden Bauland Mehrwert hecken können und der Bürgermeister, der ja eigentlich dem Wohl aller Bürger verpflichtet ist, bei dieser Sauerei ganz vorne mit dabei ist, das ist ja wohl so was von ausgedacht. Aber (Drehbuch-) Papier ist geduldig. Da passt es doch, dass der Widerstand gegen die drohende Gentrifizierung von einem schießwütigen Ex-Cop angeführt wird.

Ulrich Kriest

Dieser Text ist zuerst erschienen in der: Stuttgarter Zeitung

 

 

Broken City

USA 2013 - 109 Minuten - Kinostart:18.04.2013 - FSK: ab 12 Jahre - Regie: Allen Hughes - Produktion: Randall Emmett, George Furla, Allen Hughes, Stephen Levinson, Teddy Schwarzman, Mark Wahlberg - Kamera: Ben Seresin - Schnitt: Cindy Mollo - Musik: Atticus Ross, Leopold Ross, Claudia Sarne - Darsteller: Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Natalie Martinez, Barry Pepper, Jeffrey Wright, Justin Chambers, Kyle Chandler, Han Soto, Alona Tal, James Rawlings, James Ransone, Griffin Dunne, Ambyr Childers, Alex Kruz

 

 

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