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Beverly Hills Chihuahua

Chihuahua, verweht

 

Die folgende Meldung ging vorgestern um die Welt:

 

WATERFORD TOWNSHIP, Mich. (AP) - Tinker Bell ist wieder mit ihren Besitzern vereint. Ein Windstoß mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h hatte den sechs Pfund schweren Chihuahua davongeweht. Dorothy und Lavern Utley haben die Wiedervereinigung einem Tier-Hellseher zu verdanken, der sie am Montag in eine bewaldete Gegend führte, mehr als einen Kilometer von dem Ort entfernt, an dem die achtjährige Tinker Bell verloren ging.

 

DAS wär mal eine Chihuahua-Geschichte gewesen, die zu verfilmen sich lohnte. Rührend, gaga und für Wirbelsturm-Spezialeffekt-Macher ein gefundenes Fressen.

 

Anders verhält es sich mit der Geschichte, die Raja Gosnell im Auftrag von Disney in "Beverly Hills Chihuahua" erzählt. Das Schicksal will es hier, dass Chloe, das Chihuahua-Hündchen einer Kosmetik-Firmenbesitzerin (Jamie Lee Curtis, seufz) in den Händen der Hunde-Hüterin Rachel (Piper Perabo) aus dem friedlichen heimischen Beverly Hills nach Mexiko und dort dann, leider zu Fuß, in die Finger von wirklich finsteren Straßenkötern gerät.

 

Wilde Abenteuer folgen, unter anderem ein Gladiatorenkampf mit vorhersehbarem Ausgang. Rachel im Unglück. Großherziger Retter im Spiel. Chloe lernt, dass nicht die ganze Welt Beverly Hills ist und dass nicht jeder Hund auf der Welt rosa Kleidchen und ein edles Brillant-Halskettchen trägt. Und ach so, ja, sie spricht. Alle Hunde in diesem Film sprechen, die guten, die bösen und der Nachbarslümmel, der spricht auch. Im Original mit so angesehenen Stimmen wie Drew Barrymore, Andy Garcia oder - seufz, auch er brauchte wohl Geld - Edgar James Olmos ("Battlestar Galactica"). Die deutsche Zuschauerschaft muss sich freilich mit Stars vom Kaliber eines Elton oder Simon Gosejohann begnügen

 

Wie in der klassischen Komödie gibt es neben dem Drama der gehobenen Stände (die Hunde) auch ein kleines Nebendrama auf der Dienstbotenebene (die Menschen). Hier lernt Rachel, die verwöhnte Göre, ihre Lektion, dass nämlich auch die Angehörigen niederer Gesellschaftsschichten und anderer Nationalitäten nicht zu verachten sind, jedenfalls dann, wenn sie so attraktiv sind wie der mexikanische Gärtner. Das ist natürlich sehr erfreulich. Die Antwort darauf, warum sich jemand einen Film wie diesen ansehen sollte, die kennt trotzdem einzig der Wind.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen am 29.04.2009 in: www.perlentaucher.de

 

 

Beverly Hills Chihuahua

USA 2008 - Regie: Raja Gosnell - Darsteller: Jamie Lee Curtis, Piper Perabo, Axel Alba, Manolo Cardona, José María Yazpik, Maury Sterling, Ali Hillis, Marguerite Moreau, Nick Zano, Juan Carlos Martín - FSK: ohne Altersbeschränkung - Länge: 91 min. - Start: 30.4.2009

 

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