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Berlin Alexanderplatz

 

 

 

Rainer Werner Fassbinder erzählt die Handlung des Romans "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin so:

» ... der ehemalige Transportarbeiter Franz Biberkopf wird aus dem Gefängnis entlassen, wo er vier Jahre wegen Totschlags mit einem Sahneschläger an seiner ehemaligen Freundin Ida, die in den wirtschaftlich schweren zwanziger Jahren in Berlin für ihn auf den Strich gegangen war. Der entlassene Sträfling hat zuerst gewöhnliche Potenzschwierigkeiten, die er mit einer Fast-Vergewaltigung der Schwester seines Opfers verliert, so daß er darauf in der Lage ist, mit der polnischen Lina ein Verhältnis anzufangen, und das auf eine Art, daß sie's für Liebe halten können und Franz dazu bringt, den Schwur abzulegen, von nun an anständig zu bleiben, so wahr... naja. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind katastrophal, alle Versuche, eine stabile Basis zu schaffen, scheitern, seien es Schlipshafter, erotische Literatur, der Völkische Beobachter, der bringt ihm Schwierigkeiten mit früheren Freunden, Kommunisten, mit denen er mal gemeinsame Sache gemacht hatte, weil er sie mochte. Es bleiben Schnürsenkel, die braucht der Mensch immer und die vertreibt er mit einem Onkel seiner Lina, bis der das Vertrauen, das Franz zu ihm hat, ausnutzt, und eine Witwe, die der Franz glücklich gemacht und etwas Geld dafür bekommen hatte, erpreßt und bedroht. Franz, der unerschütterlich an das Gute im Menschen glaubt, ist so verletzt, daß er sich zurückzieht von der Welt und den Menschen, wochenlang nichts tut als Saufen, dann aber doch zurückgeht ins Leben und zu den Menschen.
Da lernt er einen kennen, Reinhold heißt der und ist zwar ein kleiner Gangster, aber merkwürdig faszinierend irgendwo, so faszinierend, daß der Franz ein sonderliches Geschäft macht mit dem, er nimmt ihm die Frauen ab, diesem Reinhold, weil der die zu schnell über hat, die Weiber; das ist fast krankhaft bei dem, erst muß er eine haben auf Teufel komm raus und dann wieder loswerden, ganz plötzlich, sehr heftig, aber das fällt ihm schwer trotzdem, da hat er Schwierigkeiten mit, aber der Franz, von dem er merkt, daß der irgendwie fasziniert ist von ihm, den er für etwas dumm hält zudem, der nimmt ihm die ab, die Weiber, erst eine, dann eine zweite, bei der dritten aber weigert er sich. Der Reinhold soll lernen, länger zusammenzubleiben mit einer, weil das gesund ist eben und das andere krank und weil der Franz dem Reinhold helfen will und das richtig. Und daß der das nicht verstehen kann erstmal und  beleidigt ist, das versteht der Franz Biberkopf, das ist eben so. Kurz darauf ergibt sich durch Zufall, daß Franz mitmacht bei einer Sache, die er für einen regulären Obsttransport hält, und von der ihm plötzlich klar wird, daß sie ein Diebstahl ist. Er steht Schmiere, will weglaufen, was ihm nicht gelingt. Nachdem der Diebstahl geschehen ist, sitzt Franz mit Reinhold im Auto, als Reinhold plötzlich das Gefühl hat, sie würden verfolgt Jetzt mischen sich Angst vor der Verfolgung und die Wut auf Franz bei Reinhold. Und dann, es hat etwas Schlafwandlerisches, schmeißt Reinhold Franz plötzlich aus dem Auto. Franz wird von dem nachfolgenden Fahrzeug überfahren, es muß so aussehen, als wäre er tot. Aber Franz Biberkopf ist nicht tot, er verliert nur seinen rechten Arm. Seine ehemalige Freundin Eva und deren Zuhälter päppeln ihn wieder hoch, ohne rechten Arm geht er wieder in die Stadt, lernt einen kleinen Gangster kennen, für den er Hehlereien begeht, die ihm einen gewissen Wohlstand bringen.
Da bringt ihm diese Eva ein Mädchen, das er Mieze nennt und die, wie sich dann herausstellt, für Franz auf den Strich geht. Franz akzeptiert das, und eine Weile sind die beiden auch glücklich. Sie lieben sich. Aber Reinhold mischt sich auch in diese Beziehung, trifft Mieze mehrmals, bis er sie zuletzt tötet. Franz wird dieses Mordes wegen verhaftet, kommt in eine Irrenanstalt, wo er in einer längeren Phase eines in etwa >umgekehrten Prozesses der Katharsis<, der Gesellschaft ein gemeines brauchbares Mitglied wird. Es ist nichts Besonderes mehr mit ihm. Er wird wohl Nationalsozialist werden, so sehr zerstört hat ihn die Begegnung mit Reinhold.«

Dieser Nacherzählung folgt auch sein Fernsehfilm in dreizehn Teilen und einem Epilog: Franz Biberkopf kommt aus dem Gefängnis, will ehrlich werden, lernt Lina kennen (1), Meck verschafft ihm Arbeit als Straßenhändler, er verkauft den »Völkischen Beobachter« (2), er wird von Linas Onkel betrogen (3), er zieht sich zurück, will niemand sehen, säuft (4), er lernt die Bande von Pums kennen und Reinhold; er nimmt Reinhold die Frauen ab, die der nicht mehr will, zuerst die Franze, dann die Cilly, bei Trude weigert er sich (5), er steht - ohne recht zu wissen, was er tut - Schmiere bei einem Einbruch der Pums-Bande, wird bei der Flucht von Reinhold aus dem Auto gestoßen, verliert einen Arm (6), seine frühere Freundin Eva und deren Zuhälter Herbert pflegen ihn wieder gesund (7), er beginnt mit illegalen Geschäften, Eva führt ihm Mieze zu, die beiden verliehen sich ineinander, sie geht für ihn auf den Strich, er bleibt eifersüchtig (8), er trifft Reinhold wieder, besucht eine politische Versammlung, in der der Parlamentarismus angegriffen wird (9), er ist über Mieze verzweifelt, drei Tage will sie mit einem zahlungskräftigen Freier wegfahren (10), er schließt sich wieder der Pums-Bande an, erniedrigt sich vor Reinhold, hört von Mieze, daß sie einen anderen liebt, fast bringt er sie um (11), trotzdem bleibt sie bei ihm, sie geht aber Reinhold, der ihr nachstellt, in die Falle; der tötet sie (12). Franz Biberkopf lacht, als er erfährt, sie wurde ermordet: so hat sie ihn nicht verlassen (13), er ist im Irrenhaus, träumt; Reinhold wird wegen Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, Franz wird Hilfsportier in einer Fabrik (Epilog).

BERLIN ALEXANDERPLATZ ist ein Film, dessen Handlung, mit ihren vielen Haupt- und Nebenmotiven, sich nicht adäquat nacherzählen läßt, so wenig wie die des Romans. Der Inhalt ist Fassbinder auch gar nicht so wichtig, eine »Folge von wüsten kleinen Geschichten, von denen jede einzelne den obszönsten Boulevardblättern die allerobszönsten Aufmacher liefern könnte« (Fassbinder). Wichtig ist die Haltung des Autors zu den Personen; er sieht, daß sich in den allerschäbigsten Handlungen der Menschen die Sehnsucht nach Zärtlichkeit äußert, daß die Gewalt nur eine andere Form der Liebe ist, daß Menschen, die sich überhaupt aufeinander einlassen, sich immer gegenseitig verletzen.Nahtlos fügt sich BERLIN ALEXANDERPLATZ in das Werk von Fassbinder, ist sein vorläufiger Abschluß, entstanden aus einer großen, vielleicht übergroßen Anstrengung.

Fassbinder war von Jugend an vom Roman fasziniert, schon als Vierzehn-, Fünfzehnjähriger las er ihn, und entdeckt bei dieser Lektüre »das eigentliche Thema« des Buches, »die Begegnung des >Helden< Franz Biberkopf, mit dem anderen >Helden< des Romans, mit Reinhold nämlich, eine Begegnung, die den weiteren Verlauf des Lebens dieser beiden Männer bestimmt«. In Fassbinders Sicht lieben sich diese beiden Männer, gestehen sich aber nicht ein, »daß etwas geheimnisvolles sie mehr verbindet, als das unter Männern gemeinhin als statthaft gilt«. Homosexuelle sind sie nicht, zwischen ihnen »ist nicht mehr und nicht weniger als eine reine, von nichts Gesellschaftlichem gefährdete Liebe«. Als gesellschaftliche Wesen, die sie dennoch sind, können sie aber diese Liebe nicht akzeptieren. Die Döblin-Lektüre hat Fasshinder geholfen, mit seinem eigenen Leben, seinen Ängsten, seinen »homosexuellen Sehnsüchten« besser fertigzuwerden, »es hat mir geholfen, nicht kaputt zu gehen«.

Diese Lektüre läßt sich vorn ersten Spielfilm an in Fassbinders Filmen nachweisen; immer wieder erzählt er von einem jungen Mann namens Franz (in FAUSTRECHT DER FREIHEIT heißt er sogar Franz Biberkopf), der verraten wird, an seiner Liebe verzweifelt, erschossen wird, sich vergiftet, ins Gefängnis kommt, und nur einmal knapp entfliehen kann (LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD) - Fassbinder selbst oder sein alter ego Harry Baer, wichtigster Mitarbeiter an BERLIN ALEXANDERPLATZ, spielen ihn, nur in der DRITTEN GENERATION hat Günther Kaufmann diese Rolle übernommen.
Alle diese Annäherungen an die Figur des Franz Biberkopf finden ihre Vollendung in BERLIN ALEXANDERPLATZ und in Günter Lamprecht (obwohl er für die Rolle eigentlich zu alt ist). Während Franz früher oft recht einschichtig angelegt war, nicht frei von pubertären Zügen und Selbstmitleid (vor allem im FAUSTRECHT), hat Franz Biberkopf jetzt an Reife gewonnen, er hat schon ein Stück Leben hinter sich, die Vorgänger fingen damit erst an (und so ist Lamprecht wohl doch richtig besetzt).

Franz Biberkopf besteht aus Gegensätzen und Widersprüchen, nie weiß man, wie er reagieren wird, nie kann man sich bei ihm einrichten, er ist bodenständig und unstet, vertrauenerweckend und aggressiv, selbstsicher und hilflos, ein Kleinbürger, der eine Passion durchleidet. Seine Gefühle kann er kaum verbal äußern, er muß sie in körperliche Aktion umsetzen; vielleicht scheitert daran seine Beziehung zu Reinhold. Gegenüber den Frauen bleibt, bei aller Zuneigung, viel Unsicherheit; fremde Wesen sind sie letztlich, selbst Mieze - das Zusammensein mit ihnen kann die Einsamkeit nur für Momente aufheben.

Fassbinder hat die facettenreiche, ausufernde Collage des Romans auf die Geschichte einiger Personen reduziert, sinnvoll verknappt. Der Hintergrund, der Moloch Großstadt Ende der zwanziger Jahre, wäre ohnehin nicht rekonstruierbar gewesen, er ist im Film nicht optisch, wohl aber akustisch anwesend, in Reklameinserts, Musik, einer Symphonie von Tönen, einer Erzählerstimme (Fassbinder selbst). Auch dabei gibt es eine Verschiebung gegenüber dem Roman: Fassbinder hat die Gefühle intensiviert, hat auf Döblins Ironie weithin verzichtet. Die Personen sind Ausgestoßene, Geschlagene, die in dunklen Höhlen hausen, in finsteren. verwinkelten Wohnungen, in billigen Kaschemmen. Sie sind Gefangene in einer Welt, die sie nicht durchschauen, in ihren eigenen Gefühlen, die sie nicht analysieren können.

Der Film spielt fast nur in Innenräumen, vom Alexanderplatz sieht man allein die U-Bahn-Station; auch die Straßen sind enge Schläuche, lichtlos; die Künstlichkeit der Studiobauten stört nicht, sie verstärkt sogar das Gefühl der Klaustrophobie; richtiges Sonnenlicht in richtigen Straßen hätten den magischen Realismus des Films ins Dokumentarische überführt und damit zerstört. Auch die wenigen Außenaufnahmen vermeiden jeden Naturalismus: der Wald, in dem Reinhold die Mieze erschlägt, hat etwas Gespenstisches, Baumstämme und Lichtgitter lassen kein Entrinnen zu.

So sind es immer wieder die Menschen, zu denen der Film zurückkehrt, die Kamera rückt ihnen meist nicht zu nahe, sie läßt ihnen jede Möglichkeit der Entfaltung, die von fast allen Schauspielern, vor allem aber von Günter Lamprecht (Biberkopf), Gottfried John (Reinhold) und Barbara Sukowa (Mieze) auf unvergeßliche Weise genützt wird. Ihr körperintensives Spiel, durch die Sprachlosigkeit erzwungen, hat nichts Exhibitionistisches, ist nuancenreich, kann sich oft mit Andeutungen begnügen.

Nicht alle Passagen allerdings sind von dieser Genauigkeit und Sensibilität geprägt, in manchen Szenen hat das Dekor eine denunzierende Überdeutlichkeit (in Pums protzigem Büro), manchmal chargieren auch einige der Schauspieler, besonders im Ganovenmilieu. Man hat den Eindruck, daß Fasshinder die Erzählstränge, die er der Verständlichkeit der Handlung wegen mitschleppen mußte, nur routiniert in Szene gesetzt hat, vielleicht ging ihm auch bei 15 Stunden einmal der Atem aus. Immer aber wenn er zur eigentlichen Geschichte zurückkehrt, zu den Beziehungen zwischen Biberkopf, Reinhold und Mieze, verdichtet sich der Film zur persönlichen Konfession. So wird die 4. Folge, Biberkopfs Verzweiflung, sein einsamer Suff, zum ersten Höhepunkt der Serie, die 12. Folge, Reinhold und Mieze im Wald, zu einer tief beunruhigenden Analyse von Gefühlen der Abstoßung und Anziehung, der Epilog, »Mein Traum vom Traum des Franz Biberkopf«, zu einer finsteren, pasolininahen Phantasmagorie, die dennoch nicht frei von Peinlichkeiten ist, wenn Biberkopf ans Kreuz geschlagen wird, ein Atompilz aufsteigt und Janis Joplin singt »Freedom is just another word for nothing left to loose« - hier holt das Selbstmitleid aus FAUSTRECHT DER FREIHEIT den Regisseur-Träumer Fassbinder auf einer ambitionierteren ästhetischen Ebene wieder ein, und es hängt sehr von der Einstimmung des Zuschauers ab, ob er diese Symbol-Collage goutiert oder nicht.

Der Film ist in der Bundesrepublik sehr unterschiedlich aufgenommen worden. Die meisten Filmkritiker, die die Serie in Pressevorstellungen oder bei der Biennale in Venedig 1980 auf der Leinwand gesehen hatten, schrieben zum Fernsehstart ausführliche Lobeshymnen. Die meisten Fernsehkritiker, die die Serie allwöchentlich auf dem kleinen Bildschirm sahen, kamen zu einem negativen Ergebnis. Angeheizt wurde die Diskussion durch eine Kampagne der Springer-Presse gegen die Serie, der man »Schmuddelsex« unterstellte und die Verschleuderung von 13 Millionen Mark Fernsehgebühren vorwarf: hinter diesen Angriffen stand wohl auch, daß Fassbinder eine Boykotterklärung deutscher Autoren gegen den Springer-Verlag mitunterschriehen hatte; andererseits wußten sich »Bild« und »Hör Zu« in Übereinstimmung mit der Mehrheit der Fernsehzuschauer, die empört auf BERLIN ALEXANDERPLATZ reagierten.

Angesichts dieses Diffamierungsfeldzuges war es im Herbst 1980 kaum möglich, sachlich über BERLIN ALEXANDERPLATZ zu diskutieren. Die Serie war eine Herausforderung ans Fernsehen und seine Zuschauer. Aus dem Mittelmaß des Fernsehalltags ragt dieses persönliche Bekenntnis weit heraus. Die TV-Zuschauer mußten sich provoziert fühlen, hatten sie doch keine Möglichkeit des Vergleichs und der Einordnung; die letzten, radikalsten Fassbinder-Filme IN EINEM JAHR MIT 13 MONDEN und DIE DRITTE GENERATION kannten sie nicht, da sie nicht im Fernsehen (und selten im Kino) gelaufen waren. Die Ablehnung von BERLIN ALEXANDERPLATZ schlägt aufs Fernsehen zurück, das wenig leistet, um die Zuschauer auf Serien wie diese vorzubereiten. Auf der anderen Seite bleibt die Frage, ob BERLIN ALEXANDERPLATZ im Fernsehen überhaupt zur vollen Wirkung kommen kann, die unterschiedliche Beurteilung der Serie durch Film- und TV-Kritiker ist kein Zufall. Wenn Ulrich Greiner in der ZEIT vom 10.10. 80 lobend schreibt, »lange Passagen sind bis an die Grenze der Sichtbarkeit unterbelichtet«, so geht er von seinen Kinoerlebnis aus, auf dem Bildschirm ist tatsächlich nichts mehr zu sehen. All das, was von den Filmkritikern ausführlich diskutiert wird, (das Licht, das der Kameramann Xaver Schwarzenberger gemacht hat (in Anlehnung an Sternberg-Filme), die verwinkelten Raumkonstruktionen, die ungewöhnlichen Perspektiven - alles ertrinkt in der dunklen Soße der Fernsehpräsentation. Wo Fassbinder dann doch auf die Fernsehnormen Rücksicht genommen hat, nehmen mußte, ist es dem Werk nicht immer gut bekommen: die notwendige Segmentierung in dreizehn Folgen und einen Epilog zerstört manche Spannungsbögen; nicht jeder Teil kann so fesseln wie die Folgen 4 und 12. Die Filmkritiker haben das ganze Werk in wenigen Tagen gesehen, die TV-Kritiker und -Zuschauer brauchten dafür drei Monate.

So bleibt BERLIN ALEXANDERPLATZ ein Zwitter zwischen Kino und Fernsehen; das aufwendigste Unternehmen in Fassbinders Karriere ist durch die Konzentration auf Schauspieler und lnnenräume - ein Kammerspiel; ein großer Entwurf, aber nicht unbedingt in allen Teilen ein großer Wurf. Dennoch: Für Fassbinder eine Befreiung, ein Zu-Ende-Formulieren seiner Obsessionen, ein Endpunkt eines Weges. Danach konnte er sich Großproduktionen zuwenden, die mehr Professionalität als Konfession erforderten, die ihm zudem Mittel an die Hand gaben, von denen er bis dahin nur träumen konnte: zwei Stunden LILLI MARLEEN kosteten 11 Millionen Mark, die bis dahin höchste für einen deutschen Film je ausgegebene Summe - dagegen war BERLIN ALEXANDERPLATZ mit 13 Millionen für 15 Stunden eine low-budget-Produktion.

(Alle Fassbinder-Zitate dieses Abschnitts stammen aus seinem Aufsatz über Döblins Roman »Berlin Alexanderplatz« in der ZEIT Nr. 12/1980.)

 


Wilhelm Roth

 

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: Rainer Werner Fassbinder; Band 2 (5. Auflage) der (leider eingestellten) Reihe Film, herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Kinemathek von Peter W. Jansen und Wolfram Schütte im Carl Hanser Verlag, München/Wien 1985, Zweitveröffentlichung in der filmzentrale mit freundlicher Genehmigung des Carl Hanser Verlags und des Autors Wilhelm Roth.

 

  

BERLIN ALEXANDERPLATZ
Ein Film in 13 Teilen und einem Epilog. - BRD 1979/80 -

1. Teil: DIE STRAFE BEGINNT. 2. Teil: WIE SOLL MAN LEBEN, WENN MAN NICHT STERBEN WILL. 3. Teil: EIN HAMMER AUF DEM KOPF KANN DIE SEELE VERLETZEN. 4. Teil: EINE HANDVOLL MENSCHEN IN DER TIEFE DER STILLE. 5. Teil: EIN SCHNITTER MIT DER GEWALT VOM LIEBEN GOTT. 6. Teil: EINE LIEBE, DAS KOSTET IMMER VIEL.  7. Teil: MERKE: EINEN SCHWUR KANN MAN AMPUTIEREN. 8. Teil: DIE SONNE WÄRMT DIE HAUT, DIE SICH MANCHMAL VERBRENNT. 9.Teil:  VON DEN EWIGKEITEN ZWISCHEN DEN VIELEN UND DEN WENIGEN. 10. Teil: EINSAMKEIT REISST AUCH IN MAUERN RISSE DES IRRSINNS. 11. Teil: WISSEN IST MACHT UND MORGENSTUND HAT GOLD IM MUND. 12. Teil: DIE SCHLANGE IN DER SEELE DER SCHLANGE. 13. Teil: DAS ÄUSSERE UND DAS INNERE UND DAS GEHEIMNIS DER ANGST VOR DER ANGST  Epilog: RAINER WERNER FASSBINDER: MEIN TRAUM VOM TRAUM DES FRANZ BIBERKOPF  
BRD 1979/80 - Regie: Rainer Werner Fassbinder - Buch: Rainer Werner Fassbinder (nach dem Roman von Alfred Döblin). - Künstlerische Mitarbeit: Harry Baer - Kamera: Xaver Schwarzenberger. - Kamera-Assistent: Josef Vavra. - Schnitt: Franz Walsch (d. i. Rainer Werner Fassbinder). Juliane Lorenz. Ton: Karsten Ulrich - Mischung: Milan Bor. - Musik: Peer Raben. - Ausstattung: Helmut Gassner, Werner Achmann, Jürgen Henze. - Kostüme: Barbara Baum. - Maske: Peter Knöpfle, Anni Nöbauer. - Spezialeffekte: Theo Nischwitz - Regie-Assistentin: Renate Leiffer - Darsteller: Günter Lamprecht (Franz Biberkopf), Hanna Schygulla (Eva), Barbara Sukowa (Mieze), (Gottfried John (Reinhold), Franz Buchrieser (Meck), Claus Holm (Wirt), Brigitte Mira (Frau Bast), Roger Fritz (Herbert), Herb Andress (2. Polizist), Werner Asam (Fritz), Karin Baal (Minna), Harry Baer (Richard), Wolfgang Bathke (Redner), Axel Bauer (Dreske), Hark Bohm (Lüders), Marquard Bohm (Otto), Karl-Heinz Braun (Rechtsanwalt Löwenhund), Margit Carstensen (Sekretärin), Ivan Desny (Pums), Jürgen Draeger (Würstchenverkäufer), Annemarie Düringer (Cilly), Liselotte Eder (Frau Pums), Almut Eggert (Wahrsagerin), Matthias Fuchs (Arzt), Dirk Galuba (Taxifahrer), Jan George (Greiner), Raul Gimenez (Konrad), Mechthild Grossmann (Paula), Jan Grot (Tischler), Elke Haltaufderheide (Kellnerin), Karl-Heinz von Hassel (2. Kriminaler), Siegfried Hechler (Kohlenschlepper), Irm Hermann (Trude), Traute Hoess (Emmy), Klaus Höhne (Zeitungshändler), Adrian Hoven (Freier von Mieze), Elma Karlowa (Frau Greiner), Günther Kaufmann (Theo), Udo Kier (junger Mann an der Bar), Peter Kollek (Nachum), Peter Kuiper (Glatzkopf), Horst Laube (Oberarzt), Herrnann Lause (Versicherungsmann), Georg Lehn (Irrer), Christine de Loup (Mädchen in der Allee), Marie-Luise Marjan (Wirtin), Christiane Maybach (Frau in der Absteige), Magdalena Montezuma (Terah), Sonja Neudorfer (Blumenverkäuferin), Eberhard von Nordhausen (Münzer), Helmut Petigk (alter Mann in der Bar), Dieter Prochnow (1. Polizist), Peer Raben (Ansager), Hans Michael Rehberg (Kommissar), Karin Schaake (Frau des Kellners), Roland Schäfer (Dr. Proll), Fritz Schediwy (Willy), Karl Scheydt (Mann in der Allee), Wolfgang Schenck (Kriminaler), Angela Schmid (Witwe), Werner Schroeter (Sarug), Volker Spengler (Bruno), Herbert Steinmetz (Zeitungshändler in der U-Bahn), Elisabeth Trissenaar (Lina), Barbara Valentin (Ida), Helen Vita (Fränze), Y Sa Lo (Ilse), Rolf Zacher (Krause), Hans Zander (Eliser), Vitus Zeplichal (Rudi), Gerhard Zwerenz (Baumann). - Produktionsgesellschaft: Bavaria Atelier GmbH / RAI im Auftrag des WDR - Produzent: Peter Merthesheimer: - ProduktionsIeitung: Dieter Minx. - Kosten: ca. 13 Mill.  - DM. Drehzeit: 154  Tage / Juni 1979 - April 1980. - Drehorte: Berlin und München. - Voraufführung: 28.8.-8.9.1980. Venedig (Festival). - TV und Sendelängen: Teil 1: 12.10.1980; 81 min, 17 sec./ Teil 2: 13.10.1980;  58 min, 55 sec. / Teil 3: 20.10.1980; 58 min, 36 sec / Teil 4: 27.10.1980; 58 min, 45 sec. / Teil 5: 3.11.1980: 58 min, 45 sec. / Teil 6: 10.11.1980; 58 min, 01 sec. / Teil 7: 17.11.1980; 57 mm, 42 sec. / Teil 8: 24.11.1980; 58 min,14 sec. / Teil 9: 1.12.1980; 58 min, 10 sec. / Teil 10: 8.12.1980: 58 min. 55 sec. / Teil 11: 15.12.1980; 58 min.35 sec. / Teil 12: 22.12. 1980; 58 min, 50 sec. / Teil 13: 29.12. 1980; 59 min, 34sec. / Epilog: 29.12.1980; 111 min, 22 sec.

 

 

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