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Baby Mama

Frauensachen

 

In der Komödie "Baby Mama" hat Tina Fey mehr als nur ein Gebärmutter-Problem.

 

Frauensachen an der Ostküste: Kate Holbrook (Tina Fey) hat Erfolg im Beruf. In einem Öko-Lebensmittelkonzern, bei dem man durchaus an den US-Riesen Wholefoods denken darf, wird sie zur Vizepräsidentin bestellt. Was gleich zu Beginn eine sehr schöne und völlig unfreiwillige Pointe ergibt, wenn sie auf die Frage, was ein Vizepräsident tut, antwortet, er oder sie rücke an die Stelle des Präsidenten, wenn der erschossen wird. Das ist deswegen schön, weil Darstellerin Tina Fey zuletzt vor allem als Saturday-Night-Life-Parodistin Sarah Palins auftrat, die vor ihrer Kandidatin-Berufung einem Fernsehmann treuherzig einmal versicherte, sie habe wirklich keine Ahnung, was ein US-Vizepräsident den lieben langen Tag so tut. Das hat ausnahmsweise mal die Wirklichkeit die Fiktion überholt.

 

Kate Holbrook hat Erfolg im Beruf, aber im Privaten trifft sie ein Schlag. Ihre Gebärmutter nämlich tut nicht, was sie soll: das Gebären erlauben. Auch einen Mann gibt es nicht, aber das ist das sehr viel geringere Problem. Was sie dringender braucht, ist eine Frau, die ihr - Kates - Kind leihweise austrägt. Sie sucht Hilfe und findet sie - in der ziemlich furchteinflößenden Gestalt der in eigener Sache geburtswundertätigen Leihmutterserviceleiterin Chaffee Bicknell (Sigourney Weaver), die eine Gebär-Mutter mit funktionierender Gebärmutter für Kates zukünftigen Sprössling vermittelt.

 

Nur gehört zur Gebärmutter eine Kate in mancherlei Hinsicht sehr fremde Gesamt-Person namens Angie Ostrowiski (Amy Poehler). Pointierter gesagt: Postmaterialistische Öko-Tante trifft auf White Trash der gröberen Sorte. "Trifft auf" erweist sich zudem schnell als massiv untertrieben. Nach Streit mit ihrem Lover zieht Angie bei Kate ein und mischt die Wohnung, den Kühlschrank, das Waschbecken (ah, großartige Szene) und überhaupt Kates ganzes Leben gewaltig auf. Eher lieblos und am Rande wird leider die natürlich nicht ausbleibende Liebesgeschichte Kates mit dem glücklosen Saftladen-Besitzer Rob Ackerman (Greg Kinnear) ein- und durchgeführt. Regisseur und Drehbuchautor Michael McCullers - auch er ein Saturday-Night-Life-Veteran - wringt aus dieser Konstellation eine ganze Menge recht lustiger, wenn auch mehr erwartbarer als unerwarteter Scherze.

 

Einerseits ist "Baby Mama" durchaus bemüht, Probleme, die man für zeitgemäße halten kann, bei allem Spaß ohne reaktionäre Witzeleien zu behandeln: Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf. Materielle Probleme und postmaterialistische Werte. Ökonomische Differenzen und ihre sozialen Folgen. Soziale Differenzen und ihre ökonomischen Folgen. Andererseits treffen sich alle Widersprüche - so auch der zwischen großem Konzern und nachbarschaftlicher Sozialstruktur - immerzu und mit Vorliebe in der Mitte. Einzig Steve Martin nimmt seine Karikatur eines esoterischen Öko-Firmenchefs und rennt mit ihr mit wild wippendem Pferdeschwanz ins Absurde auf und davon.

 

Trotzdem: "Baby Mama" ist kein Film, dem man böse sein müsste, aber doch eine verpasste Chance. Ein bisschen mehr Mut, ein bisschen mehr Biss und Genauigkeit und "Baby Mama" wäre nicht nur der halbwegs intelligente und vergnügliche Film geworden, der er ist, sondern einiges mehr, nämlich eine erwachsene und erhellende Komödie über die USA unserer Gegenwart.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen am 19.11.2008 in: www.perlentaucher.de

 

Baby Mama

USA 2008 - Regie: Michael McCullers - Darsteller: Tina Fey, Amy Poehler, Greg Kinnear, Sigourney Weaver, Dax Shepard, Romany Malco, Steve Martin, Maura Tierney, Holland Taylor, Stephen Mailer. Start (D): 20.11.2008

 

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