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Ich bin Nummer Vier

 

 

In der Michael-Bay-Produktion "I Am Number Four" verrührt DJ Caruso Highschoolfilm- und Fantasyelement in der Hoffnung auf Fortsetzbarkeit miteinander.

 

"I don't want to be original, I want to be invisible" sagt Timothy Oliphant an einer Stelle in "I am Number Four". Den ersten Teil des Satzes darf man getrost als Selbstbeschreibung des gesamten Films nehmen, den zweiten zumindest insoweit, wie Regisseur D.J. Caruso und seine Crew alles daranzusetzen scheinen, ihren widerhakenfreien Genremix aus High-School-Jugendfilm und Science-Fiction-Special-Effects-Spektakel möglichst rückstandslos im kollektiven Bildergedächtnis zu versenken.

Produziert hat Michael Bay, dementsprechend hochglanzpoliert-orangeleuchtend sehen die Bilder aus. Den Vertrieb übernimmt Disney, dementsprechend brav und keusch ordnen sich die zwischenmenschlichen Beziehungen zu Quasifamilien inklusive am Ende sogar einem Hund. Vorlage ist ein slicker Fantasy-Jugendroman, dessen Filmrechte bereits vor der Veröffentlichung verkauft worden waren. In der Hauptrolle, wie frisch der Jeansreklame entsprungen: Alex Pettyfer (demnächst auch in der vermutlich interessanteren "Beauty & the Beast"-Variante "Beastly" mit dabei), ein blonder Jüngling ohne eine Spur gelebten Lebens im Gesicht. Mehr Mainstream geht kaum.

Selbst in der mittigsten Mitte des Mainstreams freilich gibt man sich beim Entwurf eines Science-Fiction-Szenarios gewöhnlich etwas mehr Mühe. In "I am Number Four" findet keinerlei ernsthaftes "world building" statt, alles bleibt unbegründete Behauptung. Oliphant und Pettyfer sind Henri und John, zwei Aliens mit menschlichen Gesichtszügen von einem Planeten namens Mogador die sich als Vater und Sohn ausgeben. Gejagt werden sie von anderen Aliens mit etwas weniger menschlichen Gesichtszügen. Die Mogadorianer sind durchnumeriert und haben übersinnliche Fähigkeiten, außerdem führen sie, das ist das interessanteste, leider nur sehr ungenau ausgeführte Element ihrer Existenz, einen Kampf gegen die eigene Sichtbarkeit. Der von deutschen Innenministern herbeigewünschte "digitale Radiergummi" ist in "I am Number Four" realisiert, Henri durchforstet regelmäßig Youtube und Facebook nach visuellen Spuren seiner und Johns Taten. Johns love interest, das führt den angedeuteten und schnell ins Leere la

ufenden Mediendiskurs noch ein wenig weiter, schießt am laufenden Band analoge Fotos, deren Materialität in der komplett durchdigitalisierten Welt von Bay / Caruso einen Moment der Irritation darstellt.

 

Wie schon Carusos "Rear Window"-Variante "Disturbia" funktioniert auch "I am Number Four" solange noch ganz ordentlich, wie der Film sich mit John in der High-School-Welt bewegt. Das Kino hat sich die amerikanische Schule zu eigen gemacht wie kaum ein anderes Sujet, mitsamt feststehender Ikonografie, einem breit angelegten Figurenkosmos und prinzipiell endlos variierbaren Standardsituationen. "I Am Number Four" dekliniert die wichtigsten Elemente souverän durch: Nerds und Jocks, Reibereien neben den Schließfächern im Gang, schüchterne Annäherungsversuche auf dem Schulhof, schließlich eine Party, auf der es freilich genauso PG-13-gesittet zugeht, wie auch sonst überall im Film.

Bald taucht auch Sarah auf, das erwähnte love interest; gespielt wird Sarah von Dianna Agron, die in der schönen Teenie-High-School-Serie "Glee" auf interessante Weise eine Cheerleaderin spielt, hier aber nur ein klein wenig verwegen unter ihrem Kapuzenpulli hervorschauen darf. Aber immerhin so verwegen, dass sie eine kleine Differenz zu den Jocks markieren kann, die hinter ihr her sind und aus dieser Differenz entwickelt sich eine Kleinstadtromanze, die Pettyfer und Agron unter anderem in einen "Haunted Hayride" führt, wo ihnen von Zombies mit Mistgabeln und traktorfahrenden Geistern heimgeleuchtet wird.

An solchen Stellen wird gelegentlich ein im Grunde nicht unsympathisches Provinz-Coming-of-Age-Drama sichtbar, dem freilich stets schnell der selbst im naheliegenden Vergleich mit den "Twilight"-Filmen erschreckend lieblos zusammengehauene Fantasyquatsch dazwischenfunkt. Und spätestens, wenn der gut zwanzigminütige, effektüberladene, hoffnungslos inkohärente Showdown beginnt, verliert auch der wohlwollendste Rezensent die Geduld. Am Ende winkt ein Sequel mit dem Zaunpfahl, angesichts der bescheidenen Einspielergebnisse in den USA wahrscheinlich - und hoffentlich - vergeblich.

Lukas Foerster

Faster. USA 2010 - Regie: George Tillman Jr. - Darsteller: Dwayne Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Carla Gugino, Jennifer Carpenter, Tom Berenger, Michael Irby

I Am Number Four. USA 2011 - Originaltitel: I Am Number Four - Regie: D.J. Caruso - Darsteller: Alex Pettyfer, Dianna Agron, Teresa Palmer, Timothy Olyphant, Callan McAuliffe, Kevin Durand, Jake Abel, Jeff Hochendoner, Beau Mirchoff, Brian Howe

Ich bin Nummer Vier
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Dianna Agron, Alex PettyferUSA 2011 - Originaltitel: I Am Number Four - Regie: D.J. Caruso - Darsteller: Alex Pettyfer, Dianna Agron, Teresa Palmer, Timothy Olyphant, Callan McAuliffe, Kevin Durand, Jake Abel, Jeff Hochendoner, Beau Mirchoff, Brian Howe - FSK: ab 12 - Länge: 109 min. - Start: 17.3.2011 (1. Woche

 

 

Dietrich Kuhlbrodt

 

Dieser Text ist zuerst in der filmzentrale erschienen

 

Another Glorious Day

Deutschland 2009 - Regie: Karin Kaper, Dirk Szuszies - Darsteller: (Mitwirkende) Judith Malina, Frank Burckner, Gene Ardor, Gary Brackett, Kesh Baggan, Andrew Greer, John Kohan, Tommy Mc Ginn, Jeff Nash - Fassung: O.m.d.U. - Länge: 95 min. - Start: 19.11.2009 Verleih: www.karinkaper.com

 

 

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