zur startseite

zum archiv

Ananas Express

Sagt der Drogendealer zu seinem Kunden: "Der Stoff ist so edel, wenn du das rauchst, das ist, als würdest du ein Einhorn töten." Viele Einhörner müssen folglich sterben in "Ananas Express", aber nicht nur die. Der Edelstoff wird, weil er so selten ist, zum Indiz und als Indiz Dale Denton (Seth Rogan), der ihn raucht, zum Verhängnis. Beinahe jedenfalls. Er beobachtet, arglos kiffend, einen Mord und hat sofort die Killer an der Hacke. Er zieht, schuldlos, seinen Dealer Saul Silver (James Franco) in die Sache mit rein, und der Rest des Films zeigt zwei Kiffer auf der Flucht.

 

"Ananas Express" ist ein seltsames Experiment. Der Versuch, eine typische Stoner-Komödie der Apatow-Schule (Buch: Seth Rogan und Evan Goldberg) mit der Sensibilität des ambitionierten amerikanischen Independent-Films zu kreuzen (Regie: David Gordon Green). Was dabei rauskommt, ist auf den ersten Blick verblüffend, ein krachender, wenngleich natürlich vor allem komisch gemeinter Actionfilm, der über die Leichen von Einhörnern, asiatischen und amerikanischen Drogenhändlern und Rosie Perez geht. Das aber in wohlüberlegten Bildkompositionen und mit allerlei inszenatorischen Mätzchen.

 

Das komische Drehmoment der Sache liegt im Kontrast zwischen der immer leicht weggetretenen Grundbefindlichkeit der Protagonisten und der ständigen Eskalation der Ereignisse. Anders gesagt: Nach der schönen Entspanntheit der ersten Minuten geraten die beiden Helden Hals über Kopf in den falschen Film. Und in der Reihe der Versuchsanordnungen, als die die Apatow-Filme lesbar sind, lautet die Lektion diesmal: Wo Entwicklungshemmung und Regression war, muss entschlossene Geistesgegenwart und Aggression werden. Beim Mittagessen Dales mit der Familie der Freundin (Amber Heard) schlägt das eine brutal komisch ins andere um.

 

"Ananas Express" führt also vor: Erwachsenwerden mit Gewalt. Die Gewalt ist nur logisch, denn so geht das natürlich nicht. Die Fantasie, die Erwachsensein mit Action und ständiger Lebensgefahr gleichsetzt, produziert selbst wieder nur einen adoleszenten Trivialroman. Darum fühlt sich der Film nie wirklich wohl in seiner Haut und schwankt zwischen Symptom und Feier der Reife-Störung, als deren Lösung er sich etwas zu lautstark begreift. Man merkt die Sensibilität des Indie-Regisseurs, der es gerne so richtig krachen lassen würde, aber nicht kann. Nicht, dass er einschlägige Kiffer-Komödien-Scherze verschmähte. Und am Ende knallt es sehr laut. Irgendwie ist aber der Film weder richtig weggetreten noch so ganz da. Mal nicht im Ernst komisch, dann wieder ernstlich brutal. Merkwürdiges Zwischending.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in der taz

 

Ananas Express

USA 2008 - Originaltitel: The Pineapple Express - Regie: David Gordon Green - Darsteller: Seth Rogen, James Franco, Rosie Perez, Bill Hader, Gary Cole, Danny McBride, Amber Heard, James Remar - FSK: ab 16, nicht feiertagsfrei - Länge: 112 min. - Start: 23.10.2008

 

zur startseite

zum archiv