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Affären
à la carte
Das Dilemma gutbürgerlicher Existenz
besteht darin, hinter einer Fassade selbstgefällig zur Schau getragener
Wohlsituiertheit entscheidende Dinge verstecken zu müssen: die wahren Gefühle
und unerlösten Ambitionen, die Seitensprünge und Lebenslügen,
die existenziellen Bedrängnisse (Krankheit, Tod) und die großen Sehnsüchte
(Liebe und Leidenschaft). Regisseurin Danièle Thompson (Jet
Lag – Wo die Liebe hinfliegt)
macht ihre Filme zu Versuchsanordnungen, die dieses Dilemma in Form von Gesellschaftskomödien
ausmünzen .
Bei Affären
à la carte findet
sie dafür einen trefflichen Schauplatz: das Abendessen unter Freunden.
Während Paris den ersten Sommertag mit Straßenfesten feiert, bitten
eine erfolgreiche Anwältin und ihr arbeitsloser Ehemann zum Dinner. Es
versammelt sich arrivierte Mittelklasse im Midlife-Crisis-Alter: ein Ärzte-Ehepaar,
ein Scheidungsanwalt und seine neurosengeplagte Gattin, eine Flamenco-Tanzlehrerin
und diverse, familiär verknüpfte Überraschungsgäste. Man
plaudert und scherzt nach dem Motto »Es gehört zur Höflichkeit,
eine fröhliche Fassade zur Schau zu stellen«, bis die Fassaden Risse
bekommen, bis die verheimlichten Intimitäten ans Licht sickern und sich
jeder irgendwie als zugleich Betrogener und Betrüger offenbart.
Danièle Thompson kann ihre Darsteller
souverän in Szene setzen, aber sie hat nicht den Mut, im geschlossenen
Zirkel des Abendessens zu verbleiben, um dort tiefer in die Schicksale einzudringen.
Sie schweift in Erinnerungsszenen aus, vertändelt sich in einer arg oberflächlichen
Figurenzeichnung. Der deutsche Titel, Affären
à la carte, ist
zutreffender, als es dem Film lieb sein dürfte. Alle Affären und Schicksalskonstrukte
– vom kleinen Seitensprung bis zur großen Lovestory, von der gedemütigten
Ehefrau, die sich als Bestsellerautorin entpuppt, bis zum Unfall mit Querschnittslähmung
– erscheinen klischeehaft gebastelt, beliebig, à la carte eben.
Rainer Gansera
Dieser Text ist zuerst erschienen
in: epd Film
Affären
à la carte
(Le
Code a changé)
Frankreich
2009. R: Danièle Thompson. B: Danièle Thompson,
Christopher
Thompson. K: Jean-Marc Fabre. Sch: Sylvie Landra.
M:
Nicola Piovani. A: Michèle Abbe. Pg: Thelma/alter
Films/StudioCanal/TFa/Radis. V:
Prokino. L: 100 Min. Da: Karin
Viard,
Dany Boon, Emmanuelle Seigner, Christopher
Thompson,
Marina Foïs, Patrick Bruel, Pierre Arditi.
Start: 16. 7. (D), 24. 7. (A), 13. 8. (CH)
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