zur startseite

zum archiv

Zeppelin!

Gordian Maugg vermischt in seinem Historienfilm "Zeppelin!" die Zeitebenen ebenso wie Dokumentaraufnahmen und eigenes Bildmaterial.

 

Ein Film mit Ausrufezeichen. Zeppelin! Ein Historienfilm. Eine Kriminalgeschichte. Eine Erzählung auf drei Zeitebenen. Eine Bildsortenmixtur. Schwarz-weiß (echt und mit falschen Kratzern nachgestellt), Normal-8, Farbe. Ein Liebesdreieck, ein bisschen wie Jules und Jim. Aber immer ein Ausrufezeichen zuviel.

 

Die Geschichte einer Familie kettet der Film, der einer Vorlage von Alexander Häusser folgt, an den Zeppelin. Der Enkel sucht einen Zeitzeugen (Alexander May) auf, fängt ihn ein mit einer alten Fotografie. Der alte Mann, der sich erinnert, liebte einst die Frau (Agnieszka Piwowarska), die stattdessen Robert Silcher (Olaf Rauschenbach), den Großvater, nahm. Der aber ist dem Zeppelin verfallen, so kommt auch der heute alte Mann noch vor des Großvaters Feuertod in Lakehurst zum Zug. Exquisit sind die schwarz-weißen Bilder, mit denen Maugg und seine Kamerafrau Christine A. Maier die Vergangenheit evozieren. Enervierend ist der orgelnde, paukende, grummelnde Soundteppich, den die Komposition von Ferdinand Försch darunter legt. Die Liebesgeschichte ist und bleibt banal. Der eine ist dem Luftschiff verfallen, der andere der Frau, aber beides überträgt sich nicht. Und das Private wird nicht politisch, auch wenn Nazis irgendwann durch das Bild marschieren und am Luftschiff riesig das Hakenkreuz prangt.

 

Im Jahr 1937 fliegt der Hindenburg (so heißt es im Film immer: der, nicht die) über den Atlantik und explodiert bei der Ankunft in Lakehurst. 34 Tote, es gibt Original-Aufnahmen, die verwendet Gordian Maugg in seinem Film. Auch von der Zeppelinproduktionsstätte in Friedrichshafen zeigt "Zeppelin!" alte Bilder und immer mischt er nachgestellte darunter. Dazwischen geschoben wird, als dritte Zeitebene, die Erinnerung des Enkels an den Vater in den siebziger Jahren. Eine eher komplizierte als komplexe Konstruktion. Worauf Gordian Maugg, der schon mit seinem viel beachteten Film "Der Olympische Sommer" (1993) ähnliches unternahm, hinauswill, ist - und wird - nicht klar: den Eindruck des täuschend Echten oder, im Gegenteil, den Verweis aufs Künstliche des Nachstellens in der Fiktion? Dadurch, dass er nun mal nicht beides zugleich wollen kann, aber mal das eine, mal das andere als seinen Effekt produziert, zerreißt es den Film. Die Reflexion, die angetäuscht bleibt, kommt der Naivität, mit der hier eine Liebesgeschichte erzählt wird, immerzu in die Quere.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.perlentaucher.de

 

 

Zeppelin!

Deutschland 2005 - Regie: Gordian Maugg - Darsteller: Olaf Rauschenbach, Agnieszka Piwowarska, Alexander May, Christoph Bach, Hendrik Massute, Peter Wolf, Herbert Schafer, Semjon Wilhelm, Peter Wentzler - Prädikat: wertvoll - FSK: ab 6 - Länge: 106 min. - Start: 10.1.2008 

 

zur startseite

zum archiv