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Who's That Girl

Keine Frage, wer das Mädchen ist: Madonna selbst, der Super-Star des Pop, und seit drei Jahren wissen ihre Fans es auswendig, wie sie ist, nämlich genauso, wie es ihre Songs sagen: „Like a Virgin", „Material Girl" und „Angel". Der neue Film hat nichts ausgelassen, Madonna so zu zeigen, wie man sie sich vorstellen möchte und wie sie sich in den Videoclips vorgestellt hat, ganz oben in den Charts.

 

Schon für die Videos „Live to Tell" und „Papa, Don't Preach" hatte Regisseur James Foley mit Madonna zusammengearbeitet. Den Film WH0'S THAT GIRL schnitt er ganz auf sie zu. Alles müßte stimmen, und doch stimmt nichts. Weil Foley nicht an die Geschichte glaubt, die er erzählt. Es ist die alte Aufsteigerstory des amerikanischen Films, leicht modernisiert. Wie angelt man sich einen Yuppie? Sie (Madonna) kriegt ihn (Griffin Dunne), keine Sorge, und währenddessen steigt sie vom kriminellen Punk zur Yuppiefrau auf, was bedeutet, daß sie Mini und Nietenleder ablegt und im schulterfreien weißen Abendkleid posiert, Seide, eng um den schönen Körper gefaltet, einen Kelch Champagner in der Hand: „Life is great", sagt sie dazu. Das perfekte Marilyn-Monroe-Imitat. Keine Frage, wer das Mädchen sein möchte: eine Super-Marilyn natürlich.

 

Da wir darauf freilich noch warten müssen, unterhält uns der Film mit allerhand Gags und Klamauk, sogar ein Rolls Royce wird sauber demoliert, da hat der Film nicht gespart. Jeder wird einsehen, daß es auf die Story nicht ankommt, wohl aber darauf, sich kommerziell sinnvoll die Zeit zu vertreiben: vom 22. August 1987 in Frankfurt (dem historischen Tag, da Madonna live im Waldstadion auftrat) bis zum Erwerb des Soundtracks zum Film als Platte, CD oder Musikcassette (WEA 925611). Man muß es so sehen, und da ist ja nichts Böses dabei, daß der Film eine 90-Minuten-Promotion für die neuen Songs ist, die Madonna eigens geschrieben und gesungen hat und die heute alle den ganzen Tag rauf- und runterhören: „Causing a Commotion" vor allem, aber auch „The Look of Love", „Can't Stop" und selbstredend „Who's That Girl".

 

Infolgedessen zeugt es denn auch von mehr als peinlicher Ahnungslosigkeit, wenn gegen den Plot des Films gelegentlich Zweifel vorgebracht werden. Denn es geht um die Musikdramaturgie und um nichts anderes. Also muß man nicht wissen, daß Raoul ein (ziemlich alberner) Gangster ist, wohl aber, daß er von Coati Mundi gespielt wird, weil man dann wieder weiß, daß er zur Gruppe „Kid Creole and the Coconuts" gehörte und nebenbei auch Produzent unserer deutschen Formation „Palais Schaumburg" war - und für WH0'S THAT GIRL den eigenen Song "El Coco Loco" beisteuerte. Und James Deitz taucht im Film verständlicherweise nicht auf, weil er so gut spielen kann, sondern weil er Basketball-Profi war und dann als ansehnlicher Muskelmann in Musik-Videos der „Weather Girls" und der „Talking Heads" zu sehen gewesen war.

 

New Wave und Zeitgeist sind im Madonna-Film vertreten. Neben ihr selbst „Club Nouveau", "Duncan Faure", „Breakfast Club" und „Scritti Politti". Alles paletti? Alle schönen Dinge blieben, was sie waren. Ein jedes seine eigene Zutat. Außer Styling nichts gewesen.

 

Dietrich Kuhlbrodt

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in epd Film 11/1987

 

Who's That Girl

WHO'S THAT GIRL

USA 1987. R: James Foley. B: Andrew Smith, Ken Finkleman. K.- Jan DeBont. Sch: Pembroke Herring. M Stephen Bray. T.- Ed White. Ba: Ida Random, Don Woodruff. Ko: Deborah Lynn Scott. Pg: Warner Bros. GI: Peter Guber, Jon Peters, Roger Birnbaum. P: Rosilyn Heller, Bernard Williams. V: Warner. L: 93 Min. FSK 16, ffr. St: 25.9.1987. D: Madonna (Nikki Finn), Griffin Dunne (London Trutt), Haviland Morris (Wendy Worthington), John McMartin (Simon Worthington), Robert Swan (Det. Belson), Drew Pillbury(Det. Doyle), Coato Mundi (Raoul), Dennis Burkley (Benny), John Mills (Montgomery Bill).

 

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