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Twin Peaks (Die Serie)

 

 

Wiedersehen mit Laura Palmer

 

Al Capone, Al Bundy, Al Quaida - Fernsehserien und Verbrechen aus Übersee ziehen uns regelmäßig in ihren Bann. Meistens sind auch die Fernsehserien Verbrechen und umgekehrt. Bei der von David Lynch und Mark Frost erdachten Serie 'Twin Peaks' war das bekanntermaßen ganz anders. Als die Serie an der Wende von den 80er zu den 90er Jahren auf den Bildschirmen erschien, gab es plötzlich nur noch eine Frage: Wer ermordete Laura Palmer? Ein Megahype lief an, vielleicht vergleichbar mit dem um 'Harry Potter' oder den 'Herrn der Ringe' heutzutage. Nur, im Gegensatz zu diesen, ein gerechtfertigter Hype. Denn 'Twin Peaks' war seinerzeit wirklich atemberaubend gut und neu und es funktioniert auch heute noch hervorragend.

 

Seinerzeit saß ich im Café und eine Bekannte kam herein und irgendwas war an ihr anders und ich stellte fest: "Neue Frisur? Du siehst aus wie frisch aus 'Twin Peaks'!" Das brachte etliche Bonuspunkte und seither verstehe ich das Fernsehen. Genau genommen war 'Twin Peaks' die letzte Fernsehserie, für die ich mich wirklich interessiert habe. Der Plot, wer denn die Highschool-Schönheit Laura Palmer aus dem Städtchen Twin Peaks ermordet haben sollte, ließ mich kalt. Faszinierend an 'Twin Peaks' war vielmehr die Atmosphäre, vor allem der Soundtrack von Lynchs Hofkomponisten Angelo Badalamenti.

 

Tödlicher Swing, finstere Synthesizerflächen. 'Twin Peaks' hatte seine eigene visuelle Sprache, die Regisseure und Kamerateams spielten mit dem Repertoire der herkömmlichen Seifenopern und brachten ordentlich Spielfilm-Know-How mit rein. Parallel zur ersten Season arbeitete Lynch an seinem Kinofilm 'Wild at Heart', Postproduction für beide Jobs fand gleichzeitig im selben Gebäude statt.

 

Besonders an 'Twin Peaks' war nicht nur Story und Technik, sondern vor allem die Charaktere, die die Serie bevölkerten. Kyle MacLachlan als kaffeesüchtiger FBI-Agent Dale Cooper, ständig mysteriöse oder absurde Memos an seine niemals auftauchende Sekretärin Diane ins Diktafon flüsternd. Die wunderschönen Frauen! Die Log Lady mit ihrem Holzscheit. Die Eulen. Der Wald. Die Nacht. Perfekt.

 

Man kann die erste Season von 'Twin Peaks' jetzt auf DVD in den USA (Sprache: Englisch; Regioncode: 1) kaufen, insgesamt kommen vier Scheiben mit sieben Folgen und einem Special. Bild- und Tonqualität sind ausgezeichnet. Das Medium wurde auch sonst gut ausgenutzt, obwohl die Menüführung etwas vertrackter ist, als sie eigentlich sein müsste. Auf einer besonderen Tonspur kommentieren Kameramänner oder Regisseure die verschiedenen Folgen, es gibt Einblicke in gelöschte Szenen und Scripts.

 

Gewaltiger Schönheitsfehler für so eine Luxus-Box zum Preis von um die 50 Euro: Der Serienpilotfilm - und damit ist nicht der leider nur mäßig interessante Kinofilm 'Twin Peaks - Fire Walk With Me' gemeint - von Meister Lynch ist aus lizenzrechtlichen Gründen nicht in der Box enthalten. Die Rechte an dem Pilotfilm, ohne den man die Serie eigentlich gar nicht versteht, weil in ihm die wichtigsten Figuren, Plots und Subplots eingeführt und eingefädelt werden, liegen bei einer anderen Firma und man kann ihn auf DVD momentan nur aus Fernost oder als Reimport über US-Versender beziehen. Schade.

 

Günter Hack   10.01.2002

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei:  telepolis

 

Zu "Twin Peaks" liegt im  archiv der filmzentrale noch eine weitere Besprechung vor.

 

P.S. Seit 2002 liegt übrigens auch eine deutsche DVD-Version vor - mit Pilotfilm. Wermutstropfen: Die DVD-Box mit dem Untertitel "Erste Season" enthält nur die ersten 7 von den insgesamt 30 Folgen, aber kostet allein schon über 40 Euro.

 

 

 

 

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