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Das Treibhaus

 

 

Im Jahr 1953 schrieb Wolfgang Koeppen einen Schlüsselroman für die Gründungszeit der Bundesrepublik Deutschland. „Das Treibhaus“. Das Buch handelt von der kurzen politischen Karriere des ehemaligen Exilanten und SPD-Mitglieds Felix Keetenheuve, einem Schriftsteller und Vertreter humanistischer Ideale, der begreift, dass schon kurz nach Entstehen der Bundesrepublik wieder Opportunismus, Parteiendünkel, Intrigen und Verrrat das politische Geschehen bestimmen. Er sieht den Traum von einer „Bewegung der Geschlagenen, der Gewaltabsager, der Reumütigen, der Fahnenlosen, der Übernationalen, der [...] brüderlichen Menschen guten Willens schlechthin“ als gescheitert. Mit der Anbindung der BRD an die Westmächte und der gleichzeitigen Wiederbewaffnung endet nicht nur sein parlamentarischer Versuch, denn mit seinem Glauben an die Politik verliert Keetenheuve auch den Glauben an eine sinnvolle menschliche Existenz überhaupt. Er springt in den Rhein.

 

34 Jahre nach seinem Erscheinen, im Jahr 1987, wurde „Das Treibhaus“ von Peter Goedel verfilmt. Mit Musik von Wagner und der fließenden Erzählstimme Rüdiger Voglers unterlegt liegt der Schwerpunkt des Films weniger in der Handlung als in der atmosphärischen Aufbereitung eines Bonner Klimas, das Koeppen mit einem Treibhausklima vergleicht. Die Realität nimmt stets den Weg über das Bewusstsein der Hauptfigur, und nur in ihr selber findet die eigentliche Tragödie statt. Der von James Joyce inspirierte stream of consciousness ist es, der Roman und Film trägt und prägt. So ist der Film beides gleichzeitig: Porträt der frühen BRD und Porträt der Geisteslage des Künstlers und Utopisten in der BRD.

 

Eingebunden ist der Film in ein Interview mit dem Autor. Bilder aus alten Wochenschauen und Straßenszenen aus dem Bonn der achtziger Jahre werden gleichberechtigt neben der Spielhandlung verwendet. Ein Film als Meditation über einen nicht abgeschlossenen Zustand. Hierin liegt seine Stärke. Zu vernachlässigende Schwächen liegen in der Schauspielführung, die gelegentlich hölzerne Ergebnisse zeitigt. Insgesamt ist „Das Treibhaus“ ein interessantes und wichtiges und in seiner Art leider viel zu seltenes Werk deutscher Geschichtsreflexion.

 

Andreas Thomas

 

Zu diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

 

 

 

Das Treibhaus

BRD 1987

Regie: Peter Goedel

Buch: Peter Goedel

Kamera: David Slama

Schnitt: Christiane Jahn, Peter Goedel

Produktion: Peter Goedel

Musik: Richard Wagner

Darsteller: Christian Doermer, Hanns Zischler, Rüdiger Vogler, Leila-Florentine Freer, Jörg Hube

 

Der Film ist bei Absolut Medien auf DVD erschienen.

 

DVD-Daten:

DVD 5 PAL, codefree, Extras: Kapiteleinteilung, Linkliste - ca. 99 Min., Farbe + s/w

 

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