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Die Todesreiter von Darfur

Der Dokumentarfilm "Die Todesreiter von Darfur" versteht sich als Instrument der Aufklärung über einen Völkermord - und findet die Mittel, von seiner Überzeugung zu künden.

 

Brian Steidle, der ein Marine war, also ein tougher US-Soldat, der tut, was man ihm sagt, quittierte seinen Dienst und wurde zum Zeugen von Geschehnissen, die ihn zu einem anderen machten. Die Geschehnisse: Der Genozid (Colin Powell), die Kriegsverbrechen (UN) im west-sudanesischen Darfur. Steidle war als einer von drei US-Beobachtern im Auftrag der Afrikanischen Union vor Ort. Er hat gesehen, wie die von der sudanesischen Regierung (sie, sonst kaum einer, bestreitet das) unterstützte bzw. beauftragte arabische Reitermiliz der Dschandschawid ganze Dörfer in Darfur niederbrannte, ihre Bewohner vergewaltigte, abschlachtete, anzündete, liegenließ. Steidle hat es beobachtet und Fotos gemacht. Mehr konnte er nicht tun, ihm waren als Beobachter die Hände gebunden. Er hätte, sagt er im Film, der nun nach seinem Buch gedreht wurde, eine Waffe gebraucht, um vom Zeugen zum Eingreifenden zu werden.

 

So ging er in die USA zurück und wurde vom Zeugen zum Aktivisten. Seine Fotos erschienen in der New York Times. Er sprach mit Condoleezza Rice. Er trat auf im Holocaust Memorial Museum in Washington und an mehr als hundert anderen Orten, um zu künden von dem, was er sah. Sehr viel genützt hat es nicht. Öl wird gefördert im Sudan, Öl, das China erhält. China zahlt und liefert, wie Russland auch, Waffen. Die Pipeline ist heilig, der Pipeline durfte Steidle sich als Beobachter nicht nähern.

 

Die Chronologie der Ereignisse: Der Konflikt begann im Februar 2003. Steidle kam im September 2004 ins Land. Im August 2006 wurde eine UN-Resolution verabschiedet, die den Einsatz eines 20.000 Personen starken Peacekeeping-Kontingents vorsah. China, Russland und Qatar legten Widerspruch ein. Die sudanesische Regierung verweigerte jegliche Kooperation. Das Schlachten ging weiter. Eine UN-Kommission gelangte nicht zur Ansicht, es handle sich um Völkermord.

 

Die UN-Resolution hat zu keinem Ergebnis geführt, die Regierung lässt keine UN-Truppen ins Land. Der Internationale Strafgerichtshof hat im Juli diesen Jahres unter anderem den sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord und Völkermord angeklagt. Es wird jedoch weiter gemordet. 400.000 Tote, das ist die Zahl, die am häufigsten genannt wird; sie nennt auch der Film.

 

"Die Todesreiter von Darfur" ist kein Kunstwerk, sondern ein Instrument. Der Film hat eine Agenda: aufzuklären über die Ereignisse von Darfur. Er zeigt und zeigt. Er bezeugt und bezeugt. Wir sehen Tote über Tote: verbrannt, verstümmelt, liegengelassen. Dazu hören wir Musik. Der Film ist schnell geschnitten. Man kann ihm vorwerfen, dass er tut, was er kann, um den, der ihn sieht, zu überzeugen von den Dingen, von denen die Macher des Films überzeugt sind. Aber der Film macht kein Geheimnis daraus. Er personalisiert, indem er die Geschichte von Brian Steidle erzählt, den er sich zum Augenzeugen erwählt und auch zum Erzähler. Wir sehen Steidle mehrfach mit der Fotokamera an der Hüfte, als (nicht völlig) stumpfer Waffe. Aber der Film ist nicht einfach eine Heldengeschichte. Eher nutzt er die Personalisierung als Identifikationsangebot an den Zuschauer. Didaktisch geschickt vermittelt er Informationen, Hintergründe. "Die Todesreiter von Darfur" ist, mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen, ein durchaus taugliches Instrument.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen am 27.08.2008 in: www.perlentaucher.de

 

 

Die Todesreiter von Darfur.

USA 2007 - Originaltitel: The Devil Came on Horseback - Regie: Ricky Stern, Annie Sundberg - Darsteller: (Mitwirkende) Brian Steidle, Nicholas Kristof, John Prendergast, Samantha Power, Luis Ocampo, Elie Wiesel. Länge: 88 min. Dt. Start: 28.08.2008

 

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