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Das Tier

 

Joe Dante ist ein großer Filmfan und dreht Filme für Fans. Vor allem seine früheren Arbeiten zeichnen sich durch eine Ansammlung von Gastauftritten und Zitaten aus, welche die Betrachtung seiner Werke fast zu einem Suchspiel werden lassen. Auch Dantes THE HOWLING ist da keine Ausnahme.

 

Nach dem gleichnamigen Roman von Gary Brandener erzählt der Film die Geschichte der Fernsehjournalistin Karen White (Dee Wallace). Diese ist nach einem traumatischen Erlebnis während einer Reportage nervlich nicht mehr in der Lage, ihre Sendung zu moderieren.

 

Um wieder auf die Beine zu kommen, besucht sie das Therapiezentrum des Psychologen Dr. Waggner (Patrick Macnee). Hier findet sie zwar die Lösung ihres Problems, doch besser geht es ihr dadurch keineswegs. Wie sich herausstellt, hatte sie bei ihrer verunglückten Reportage eine Begegnung mit einem Werwolf, der unglücklicherweise aus Dr. Waggners Therapiezentrum stammte. Alle dort lebenden Personen, einschließlich des Doktors, sind ebenfalls Werwölfe. Sie haben sich in der modernen Zeit zusammengeschlossen, um nicht aufzufallen. Dabei gibt es durchaus Individuen, die lieber zu ihrer alten Lebensweise zurückkehren möchten.

 

Als schließlich auch Karens Freund Bill (Christopher Stone) den Reizen einer nymphomanischen Werwölfin verfällt (beide verwandeln sich beim Sex) und eine Journalistin zu Tode kommt, scheint auch Karens Schicksal besiegelt. Zum Glück eilt im letzten Moment ein Freund mit einer Ladung Silberkugeln herbei. Die Werwolfkommune endet in einer brennenden Scheune.

 

Karen, selbst schon der Verwandlung fähig, will jedoch der Öffentlichkeit die Existenz der Tiermenschen beweisen. In einer Live-Sendung verwandelt sie sich vor laufenden Kameras in eine Werwölfin und wird von Silberkugeln getötet.

 

Wie erwähnt verfügt THE HOWLING über eine große Anzahl von Zitaten und Verweisen. Beleg dafür sind u. a. Szenen, in denen ein laufender Fernseher ins Bild gerückt ist. Auf diesem sieht man Zeichentrickfilme mit Wölfen oder Ausschnitte aus dem Klassiker THE WOLFMAN mit Lon Chaney Jr. Hinweise auf ältere Filme setzen sich auch in der Besetzungsliste fort. Hier finden sich neben Kevin McCarthy (INVASION OF THE BODYSNATCHERS) in kleineren Rollen auch Roger Corman, John Carradine, Kenneth Tobey (THE THING FROM ANOTHER WORLD) und Forrest J. Ackerman (Begründer des genialen Fachmagazins "Famous Monsters Of Filmland") wieder. Zudem bekamen die Charaktere Namen bekannter Regisseure des Horrorfilms wie z. B. Terry Fisher, Fred Francis, oder Sam Newfield. Roger Cormans Stammschauspieler Dick Miller spielt hier einen Ladenbesitzer namens Walter Paisley. Diese Figur verkörperte Miller bereits 1958 in Cormans BUCKET OF BLOOD. Übrigens gab Elizabeth Brooks, Darstellerin der lüsternen Werwölfin Marsha, später Schauspielunterricht. Don Glut hatte sie auch für eine Rolle in seinem "Klassiker" DINOSAUR VALLEY GIRLS vorgesehen, doch dazu kam es leider nicht mehr, da die gute Elizabeth 1997 an den Folgen eines Gehirntumors verstarb.

 

Die herausragenden Spezialeffekte, darunter eine komplett gezeigte Verwandlungsszene, wurden vor allem von Rob Bottin mit der Unterstützung Rick Bakers durchgeführt. Die transformierten Werwölfe sind über 2 Meter große, schlanke Bestien, die ihr Tiersein durchaus genießen. Rob Bottin ist neben Rick Baker einer der wichtigsten Make-Up-Künstler Hollywoods und arbeitete bereits sehr früh in der Branche. Bottin war schon an Joe Dantes PIRANHA beteiligt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen u. a. die Make-Up-Effekte in HUMANOIDS FROM THE DEEP, John Carpenters THE THING, ROBOCOP und TOTAL RECALL. Auch Stop-Motion-Animator David Allen steuerte ursprünglich einige animierte Werwölfe bei. Diese unterschieden sich aber zu stark von den Kostümen, so dass lediglich eine kurze Sequenz während einer Überblendung im Film übernommen wurde. [Anm.: Die als "Special Edition" erschienene amerikanische Laserdisc-Veröffentlichung enthält die entfernten Special Effect-Sequenzen als Bonusmaterial.]

 

THE HOWLING arbeitet mit gelungenen Schockeffekten und würdigt gleichzeitig liebevoll die goldene Zeit der amerikanischen B-Movies der 50er- und 60er Jahre. Gerade diese gelungene Kombination macht THE HOWLING zu einem der besten Horrorfilme der 80er Jahre. Es folgten noch unzählige Fortsetzungen, die allerdings mit dem Original fast nichts zu tun hatten. Von anderen Teams produziert ließen diese die Sorgfalt von Dantes Film schmerzlich vermissen. Dee Wallace und der mittlerweile verstorbene Christopher Stone heirateten übrigens später, weshalb die Schauspielerin in späteren Filmen oft als Dee Wallace Stone aufgeführt wird.

 

[Anm.: Cutter Mark Goldblatt zählt heute zu den Führenden seiner Zunft in Hollywood. Er ist vor allem im Action-Filmbereich tätig. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen die Event-Movies THE TERMINATOR, TERMINATOR 2: JUDGEMENT DAY, THE LAST BOYSCOUT, TRUE LIES, STARSHIP TROOPERS und ARMAGEDDON. Im Bereich des fantastischen Films hat er seine beiden bisher einzigen Regiearbeiten abgeliefert: die Horror-Komödie DEAD HEAT (1988, u. a. mit Vincent Price) und die brillante Comic-Verfilmung THE PUNISHER (ebenfalls 1988).]

 

Ingo Strecker

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen bei:  buio-omega

 

 

Das Tier

Originaltitel. THE HOWLING

USA 1980

Regie: Joe Dante

Produktionsfirma: International Film Investors, Wescom

Produktion: Michael Finnell & Jack Conrad

Drehbuch: John Sayles & Terence H. Winkless, nach dem gleichnamigen Roman von Gary Brandner

Kamera: John Hora

Schnitt: Mark Goldblatt

Musik: Pino Donaggio

Special Effects: Rob Bottin, Rick Baker, Doug Beswick & Savid Allen

Darsteller: Dee Wallace, Patrick Macnee, Dennis Dugan, Christopher Stone, Robert Picardo, Belinda Belaski, Kevin McCarthy u. a.

deutsche Erstaufführung 30.07.1981

Verleih Neue Constantin

Format 1:1,66

Laufzeit 90 Minuten (= 2488 Meter, deutsche Kino-Version); Originallänge: 90 Minuten

Home-Entertainment Video: Constantin.

 

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