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Thema Nr. 1

 

 

 

 

... sind die Männer in dem Film von Maria Bachmann

 

Anfänge lassen noch alle Hoffnungen offen. Dieser hier ist vielversprechend, denn es geht gleich erfrischend unverblümt zur Sache. Die Sache, das sind die Männer. Und wie Frauen über sie sprechen. "Ich weiß gar nicht, warum so viel Geschiss gemacht wird um das männliche Glied", sagt da eine, "ist doch nur ein Stück Knorpel mit Haut drum." "Gefühle sind auch nur Produkte des Gehirns", eine andere. Und so weiter. Statements, frisch aus dem vollen Weibermund gegriffen. Vier Münder insgesamt, in Köln.

 

So kann es anfangen. Doch wie geht es weiter? In diesem Film genau so, wie es angefangen hat. Schließlich heißt er ja Thema Nr. 1. Das ist auch genau so gemeint. Franziska (Katarina Klaffs), die mit dem Knorpel, arbeitet natürlich in einer urologischen Praxis, deren Chef sie zu lieben meint. Gabi (Nicole Marischka) hat sich gerade von ihrem Liebsten getrennt und spielt nun die Trennungsrituale durch, ohne sie doch gänzlich ernst zu meinen. Jutta (Sissy Höfferer) hat einen Job als Art Directorin, eine Designerwohnung und einen Kerl, der sich in der Welt herumtreibt und irgendwann per Handy mit ihr Schluss macht. Auch sie macht auf cool. Und Paula (Antje Schmid) gibt die Schlampe, versucht aber trotzdem, ihren uneingestandenen romantischen Sehnsüchten zumindest vorgetäuschte Realität zu verschaffen.

 

Die Probleme der vier kennen wir gut aus dem deutschen Kino der letzten anderthalb Jahrzehnte, sie schienen gerade glücklich ausgestorben zu sein. Manche kennen wir natürlich auch aus dem echten Leben. Das Telefon, das nicht klingeln will, wenn es soll. Die tragisch-lächerlichen Kommunikationsstörungen im Liebesleben. Die verdrehten Filme, die manchmal beim Vögeln im Kopf ablaufen. Das alles gibt es, und es kann quälen und amüsieren. Aber abendfüllend ist es doch nur im Teenageralter. Oder bei den Nie-Erwachsenen von Woody Allen. Aber da wird es in ein paar Sätzen auf den Punkt gebracht, und dann ist es gut so. Und es gibt eine Geschichte drumherum.

 

Die fehlt hier. Die Situation ist alles. Und eine Idee, die George Cukor 1939 schon einmal in The Women praktiziert hat. In den Gesprächen der Frauen geht es zwar ausschließlich um Männer, doch es kommt kein einziger ins Bild. Schon damals war das nach dem Aha-Effekt auf Dauer nicht besonders originell, heute hätte es vielleicht Sinn, wenn man es wirklich spielerisch experimentell anlegen würde. Doch in diesem Film passiert eigentlich genau das, was zu erwarten ist: Uns interessieren die reichlich ausgestellten Gefühle der Frauen nicht, weil wir nicht kennen, auf was sie sich beziehen. Aber auch zwischen den Mädels passiert nichts. Es ist schon merkwürdig, dass in diesem ganzen Film keine einzige menschliche Beziehung gezeigt wird, für die man sich engagieren könnte. Vielleicht lässt er einen deshalb so trostlos zurück.

 

Natürlich könnte man diesen Film auch gut und zu Recht wegen seiner Position kritisieren: Frauen mögen noch so unabhängig tun, in Wahrheit sind sie doch immer nur auf ihn fixiert. Aber das ist eigentlich viel zu abgeschmackt, um sich drüber aufzuregen. Ärgerlicher macht schon, dass hier so getan wird, als würde irgendwie "authentisches" Neuland betreten. Einblicke ins Frauenzimmer. Dabei ist das Gerede vom Weibertratsch doch so alt wie die patriarchale Gesellschaft, neu ist nur der Fundamentalismus, mit dem die Geschlechterdifferenz uns heutzutage wieder verkauft wird: Endlich dürfen wir wieder ganz Frau/Mann sein. Ob nun in Jungs-Filmen oder in "weiblicher" Sicht tut da wenig zur Sache.

 

Zuletzt macht dieser Film traurig, weil hier so viel offensichtliches Talent so sinnlos verschenkt wurde. Regisseurin Maria Bachmann, die bisher neben ihrer Arbeit als Schauspielerin schon mehrere Drehbücher und einen Roman verfasst hat, zeigt in ihrem Regiedebüt, dass sie auch inszenieren kann. Die Dialoge sind treffsicher, die Schauplätze liebevoll nachgebaut, die Kamera schmiegt sich unauffällig an und die Darstellerinnen gehen in ihren Rollen auf. Ja, dieser Film ist beeindruckend gut gemacht, besser als das meiste, was man im deutschen Kino sieht. Aber das reicht nicht.

 

Silvia Hallensleben

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in epd Film

 

 

Thema Nr. 1

BRD 2001. R und B: Maria Bachmann. P: Tac Romey. K: Rodger Hinrichs. Sch: Thomas Knöpfel. M: Rainer Kühn. T: Wolfgang Wirtz. A: Agnette Schlösser. Ko: Lucia Faust. Pg: Hofmann & Voges Filmproduktion/Constantin. V: Constantin. L: 84 Min. FSK: 12, ffr. Da: Antje Schmidt (Paula), Nicole Marischka (Gabi), Katarina Klaffs (Franziska), Sissy Höfferer (Jutta), Luca Kolenda (Motte), Isabel Trimborn (Putzfrau) Start: 16.8.2001

 

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