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Tarantula

Professor Deemer hat in der Abgeschiedenheit der kalifornischen Wüste einen Wirkstoff entwickelt, welcher jedes damit behandelte Lebewesen auf ein Vielfaches der natürlichen Körpergröße heranwachsen lässt. Das zur Bekämpfung des Welthungers konzipierte Präparat zeigt jedoch ernste Nebenwirkungen: zwei seiner Assistenten, die sich die Mixtur angesichts der erstaunlichen Forschungsergebnisse selbst verabreicht haben, erkranken an Akromelagie – einem abnormen Wachstum der Extremitäten – und verfallen dem Wahnsinn. Als einer der beiden das Labor in Brand steckt und den Professor angreift, bewusstlos schlägt und ihm eine Injektion seines „Wundermittels“ verabreicht, kann eines der Versuchstiere in die Wüste entkommen. Eine Tarantel von der Größe eines erwachsenen Schäferhundes...

 

Einige Zeit später ereignet sich eine Reihe mysteriöser Todesfälle in der Umgebung von Desert Rock. Zunächst dezimiert der unbekannte Übeltäter den Viehbestand der Farmer, bald darauf entdeckt man auch menschliche Überreste. Neben den sauber abgenagten Skeletten seiner Opfer hinterlässt der Killer immer eine Pfütze von Insektengift, die Dr. Hastings, den Arzt des Wüstenstädtchens, schließlich auf die Fährte des Arachnoiden bringt. Die mittlerweile auf die Größe eines zehnstöckigen Gebäudes gewachsene Tarantel sucht unterdessen Deemers Haus auf und verspeist den durch die Injektion des Wachstumspräparats mittlerweile zur Unkenntlichkeit entstellten Forscher. Stephanie Clayton, Deemers neue Assistentin, kann in letzter Sekunde von Hastings gerettet werden. Als sich der übergroße Krabbler der Stadt nähert und sich weder von Gewehrsalven noch von Dynamit beeindrucken lässt, ruft man rasch das Militär herbei. Dieses greift zu rabiateren Methoden und macht dem Untier mit Napalm Feuer unter dem Hintern...

 

Gordon Douglas´ Riesenameisen aus dem Klassiker Formicula lösten in der Mitte der 50er Jahre eine wahre Welle von Filmen aus, in denen unscheinbare Insekten oder ähnlich winzige Lebewesen durch radioaktive Mutation oder wissenschaftliche Nachhilfe den Menschen von der Spitze der Nahrungskette verdrängten. In den folgenden Jahren eroberten unter anderem Raupen (Alarm für Sperrzone 7, 1957), Heuschrecken (The Beginning of the End, 1957) und auch eine turmhohe Gottesanbeterin (The Deadly Mantis, 1957) die Leinwände, doch der visuell eindrucksvollste Streifen dieser „Bug Movies“ ist Jack Arnolds Tarantula. Um das haushohe Ungetüm möglichst lebensecht auf das Publikum wirken zu lassen, setzte Arnold nicht auf übergroße Modelle oder gar Stop Motion, sondern navigierte eine quicklebendige Tarantel mittels Luftdüsen vor einer schwarzen Leinwand und kopierte das Tierchen anschliessend in den fertigen Film. Zwar sind dem zuständigen Effektmacher Clifford Stine (Das Ungeheuer ist unter uns) dabei einige Patzer unterlaufen, so dass die Tarantel in einigen Szenen nicht den Boden berührt und stellenweise auch durchsichtig erscheint, doch angesichts des Alters von Tarantula kann man getrost über diese winzigen Mäkel hinwegsehen. Immerhin hat Arnolds Monsterfilm tricktechnisch weitaus mehr zu bieten als die meisten anderen Genrestreifen dieser Ära. Fans des Phantastischen Filmes werden besonders jene Stelle in Erinnerung behalten, in der die Spinne die hübsche „Steve“ Clayton vor dem Schlafengehen durch das Fenster beobachtet. Diese Szene darf als Hommage an jene Szene aus dem Klassiker King Kong und die weisse Frau verstanden werden, als Kong „seiner“ Fay Wray durchs Fenster auflauert, um ihr anschließend vom Dach des Empire State Buildings einen wundervollen Blick über New York zu gewähren - den sie freilich alles andere als genießt... Arnold ließ für diese Aufnahmen ein lebensgroßes Modell des Spinnenkopfes bauen, der einige Jahre später noch einmal in dem Heuler Missile to the Moon von Richard E. Cunha Verwendung fand.

 

In der Rolle des tapferen Helden ist der im April 2002 verstorbene John Agar zu sehen, der sich seine Brötchen nach einigen bekannten Western mit John Wayne (Bis zum letzten Mann, Der Teufelshauptmann) zusehends durch Auftritte im Phantastischen Fach verdiente. Seine bekanntesten Streifen dieser Zeit waren neben Tarantula der ein Jahr zuvor entstandene Die Rache des Ungeheuers sowie The Mole People, danach versumpfte er – von einer Alkoholsucht geplagt – in haarsträubenden SF-Gurken wie Invisible Invaders (neben John Carradine) oder Zontar, The Thing from Venus. An der Seite von Agar ist Mara Corday zu sehen, die mit The Black Scorpion und The Giant Claw ebenfalls einige Genreauftritte verbuchen konnte.

 

Einziger Wermutstropfen von Tarantula ist das enttäuschende Ende, das viel zu schnell kommt und wieder einmal das Militär als den Helfer in der ausweglosen Situation präsentiert. Der Pilot ist Kampfjets ist übrigens kein Geringerer als Clint Eastwood in einer seiner ersten Leinwandauftritte! Drei Jahre nach Tarantula liess Jack Arnold ein zweites Mal eine grosse Spinne über die Leinwand krabbeln. In Die unglaubliche Geschichte des Mr. C ist es jedoch kein gigantisches Ungeheuer, sondern eine normale Hausspinne, die sich aus der Perspektive des auf die Grösse eines Stecknadelkopfes geschrumpften Helden zu einem bedrohlichen Ungeheuer entwickelt. Leute, die bei einer unerwarteten Begegnung mit einer Spinne eine Gänsehaut bekommen, werden jedenfalls bei beiden Werken auf ihre Kosten kommen. Gerüchten zufolge soll mancher Kinobesucher beim Anblick von Arnolds tricktechnisch aufgeblasenem Krabbler sogar in Ohnmacht gefallen sein...

Christian Lorenz

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei:  Grauen II - Die Rückkehr

  

Tarantula

Tarantula

 

USA, 1955

79 Minuten, schwarz/weiss

 

Regie: Jack Arnold

Drehbuch: Robert M. Fresco, Martin Berkeley

Kamera: George Robinson

Musik: Henry Mancini, Herman Stein

Schnitt: William Morgan

Effekte: Bud Westmore (Makeup-Effekte),

Clifford Stine (Fotografische Effekte)

Produktion: William Alland

Darsteller:

John Agar - Dr. Matt Hastings

Mara Corday - Stephanie Clayton

Leo G. Carroll - Professor Deemer

Nestor Pavia - Sheriff Jack Andrews

Edwin Rand - Lt. John Nolan

Ross Elliott - Joe Burch

Raymond Bailey - Dr. Townsend

Steve Darrell - Andy Andersen

Bert Holland - Barney Russell

Hank Patterson - Josh

Clint Eastwood - Pilot

Dee Carroll 

Edgar Dearing 

Don Dillaway 

Jane Howard 

James Hyland 

Tom London 

Eddie Parker 

Bon Nelson   

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