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Sumo Bruno   

 

"Sumo Bruno" ist einer dieser Filme, in denen es unverkrampft zur Sache geht und wo man merkt, daß der Regisseur Menschen liebt. Drum stimmt auch die Chemie zwischen Werk (Lenard Fritz Krawinkel) und Zuschauer. Und das bei einem deutschen Film über einen eher nichtdeutschen Sport - Sumoringen in Riesa, Sachsen!

Das ist wirklich und mehr oder minder komisch. Doch wenn bei Krawinkel gelacht wird, dann nicht auf Kosten der dicken Ringer. 285 kg: das ist beautiful.

 

Der Film ist gut recherchiert, jedenfalls glaube ich ihm alles. Daß 1999 in unserem deutschen Riesa die Weltmeisterschaft im Sumoringen ausgetragen wird (stimmt!) und daß ein Deutscher gegen jede japanische Konkurrenz Weltmeister wird (stimmt! Jedenfalls war Jörg Brümmer, dreifacher Europameister der Sumoamateure, 1998 Weltmeister geworden). Der Deutsche Bruno, 200 kg, überhaupt kein Ringer, sondern schlafmützig vor sich hindämmernd, schlittert in die Sumoringer-Karriere hinein - und zwar, schlitternd, mit Würde. Gespielt wird er vom türkischstämmigen Hakan Orbeyi, geboren 1971 in Großburgwedel.

 

Die Mitspieler und die Motive sind real. Gedreht wurde während der wirklichen Weltmeisterschaft 1999 in Riesa. Allerdings mit einem Trick. Regisseur Krawinkel erzählt, daß die japanische Sumoföderation jedem japanischen Ringer angedroht habe, im Falle eines Auftrittes vor einer Kamera nie wieder in Japan kämpfen zu dürfen. Tabu! Krawinkel bat also die sächsischen Besucher der Weltmeisterschaft nach Schluß des letzten Tages, bitte sitzen zu bleiben: als Statisten des "Sumo Bruno"-Finales in der Halle, die nun zum Set geworden war. 5000 blieben und sahen zu, wie die Filmmeisterschaft eilends ausgetragen wurde: in einer Nacht und mit jeweils einem Take.

 

Jetzt gibt es mit "Sumo Bruno" einen Live-Riesa-Film, und das ist eine genauso schöne Überraschung wie die, daß Riesa (40.000 Einwohner) 1999 gegen die Konkurrenz von Atlanta und Rio de Janeiro den Zuschlag für die erste Sumo-Weltmeisterschaft außerhalb Japans erhalten hatte.

 

Dietrich Kuhlbrodt

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen im: Schnitt

 

Sumo Bruno   

D 2000. R,B: Lenard Fritz Krawinkel. B: Marius del Mestre, Jan Berger. K: Piotr Lenar. S: Adam Boome. M: Biber Gullatz, Eckes Malz. P: Babelsberg Film/Senator. D: Hakan Orbeyi, Oliver Korittke, Julia Richter, Martin Seifert u.a. 99 Min. Senator ab 11.1.01 

 

 

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